2017-10-14

Photo Porst Katalog 1956

Ich besitze schon ewig einen Photo Porst Katalog von 1937 und es ist nicht nur eine tolle Informationsquelle sondern auch recht amüsant sowas heute noch zu lesen. Ich habe mich also auf die Suche nach einem solchen Katalog aus den 50ern gemacht und bin letzte Woche fündig geworden. Dieser hier ist die 49. Auflage (7 Millionen gedruckte Exemplare bis dahin) und stammt aus dem Jahr 1956. Erstaunt war ich zunächst, dass sich in den fast 20 Jahren zwischen beiden Katalogen nicht viel verändert hatte. Die verwendete Sprache war noch fast dieselbe und auch die Form war wohl halt auch typisch Hanns Porst, außerdem muss man wohl auch für den 2. Weltkrieg fast 10 Jahre wirtschaftlichen Stillstand abziehen und dann ab Anfang der 50er alles wieder aufbauen. Aber ihr könnt Euch selbst ein Bild machen und die ersten Seiten des Katalogs "Der Photohelfer" über den Aufstieg und die Geschichte von Hanns Porst und seinem Geschäft selbst lesen (hier auch als ganzes PDF):




2017-10-09

Ferrania Tanit

Quasi ein Beifang beim letzten Flohmarktbesuch, neben der Bilora Boy und der Braun Super Colorette IIL kam auch diese 50er Jahre Einfachstkamera aus Italien in meinen Besitz. Ausgestattet ist sie mit Box-Kamera Technik: einem selbstspannenden Einfachverschluss mit einer kurzen (ca. 1/80s) Zeit und B, nur 1 Blende (ca. 11) und natürlich einem einlinsigen Meniskus, dessen Brennweite nicht mal angegeben wird. Ich schätze diese mal auf ca. 60 mm. Immerhin läßt sich die Entfernung am Objektiv einstellen, interessanterweise in feet (5 feet =1,50 m bis unendlich). 

Belichtet wird im Format 3x4 cm auf Rollfilm 127, der natürlich am Besten von Ferrania selbst stammte. Ferrania war nämlich zunächst einmal "der" italienische Filmhersteller und produzierte diese und andere Einfachkameras als Mittel zum Zweck, nämlich den Absatzmarkt für Filme zu schaffen und zu vergrößern. Kodak und Agfa taten das ja auch. 
Vielmehr gibt es zu dem Ding kaum zu sagen, statt der üblichen Daten-Tabelle, hier lediglich noch zwei nützliche Links: Bedienungsanleitung (italienisch)Wert (Collectiblend)

2017-10-07

Braun Colorette Super II L


Diese Kamera beschäftigt mich schon sehr lange und immer wieder. So um 1983 schenkte mir mein Onkel ein defektes Exemplar, welches ich fein säuberlich zerlegt, aber nie wieder zusammengebaut bekommen habe. Die meisten Einzelteile verschwanden irgendwie und die anderen habe ich dann bewusst weggeworfen, lediglich das Objektiv (hier auf dem Bild) und den Sucher habe ich behalten. Ich hatte schon vor sieben Jahren hier berichtet. Seit ich mit dem Kamerasammeln begonnen habe, habe ich immer wieder nach einem neuen Gehäuse für's Objektiv gesucht und bin dann schließlich letztes Jahr im Sommer bei e-bay fündig geworden. Das könnte es jetzt gewesen sein, aber die Geschichte geht weiter: Vor drei Wochen auf dem Flohmarkt im Nachbardorf konnte ich ein weiteres Exemplar (inklusiv Objektiv und Tasche) dem netten Verkäufer für wenig Geld abkaufen:
Jetzt hab ich also zwei funktionierende, identische Kameras, und die "Neue" ist sogar noch ein bisschen besser in Schuss. Aber wirklich erstaunlich ist die Sache mit den Seriennummern: Die beiden Objektive unterscheiden sich um 474 Zähler (1817886: Flohmarkt, 1817412: Onkel); die beiden Gehäuse gar nur um 367 Zähler (033630: Flohmarkt, 033263: ebay). Alles nur Zufall, oder ist ein Zeichen, wie selten diese Kamera ist. Vermutlich irgendwie eine Kombination aus beidem.

Braun produzierte die (Super) Colorette-Serie von Messucherkameras von 1956 bis ca. 1960, technisch basierten sie auf der Gloriette, lösten aber die Paxette als die hochwertige Messsucherkamera am Ende ab. Die L-Serie war quasi die zweite Generation (gebaut von 1958-1959) mit einem großen Messsucher und eingespiegelten Bildausschnitten. Auch wenn nur Colorette draufsteht, war diese die "Super Colorette II L", das Basismodell ohne eingebautem Belichtungsmesser, aber mit großem Sucher und DKL-Wechselobjektiven. Dieses Bajonett existiert in verschiedenen, nicht unbedingt kompatiblen Nuancen, die Objektive zur Braun waren aber 100%ig mit denen zur Voigtländer Vitessa T austauschbar.
Die Bedienungsanleitung hebt ein paar technische Highlights hervor, wie die Lichtwertskala, den eingebauten Selbstauslöser oder die "grünen B-Verschlusszeiten" auf der Objektivunterseite. Alles ganz nett und neben dem für alle Wechselobjektive gekoppelten Entfernungsmesser auch sehr brauchbar für's Fotografieren. Aber eben nicht genug, um langfristig am Markt erfolgreich sein zu können. Der anspruchsvolle Amateur verlangte bald nach Spiegelreflex und im selben Jahr in dem diese Kamera hier hergestellt wurde, wurde in Japan die Nikon F vorgestellt. Braun stellte schon in den frühen 60er Jahren die Kameraproduktion komplett ein und konzentrierte sich für die kommenden Jahrzehnte auf andere Dinge, z.B. Diaprojektoren.

Datenblatt KB-Messsucherkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv DKL-Wechselbajonett, Objektive von Steinheil, Rodenstock, oder Schneider. Hier: Steinheil Cassarit 50 mm f/2.8.
Verschluss Synchro Compur Zentralverschluss 1 s -1/500 s und B mit Lichtwertkupplung zur Blende.
Belichtungsmessung -
Fokussierung Manuell am Objektiv, gekoppelter Entfernungsmesser im Sucher.
Sucher Heller und großer Messsucher, entspricht 35 mm Brennweite, mit eingespiegelten Leuchtrahmen für 50, 90 und 135 mm.
Blitz Synchronbuchse, Hebel zum Umstellen zwischen X und M.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (rückwärtszählend), Rückspulrad.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh, Merkscheibe für Filmart, Selbstauslöser, Vorschläge für lange Verschlusszeiten bei B.
Maße, Gewicht ca. 127x89x55 (72) mm, 620 (733) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1958-1959, ca. 10,000 Exemplare, diese #033630 bzw. #033263
Kaufpreis, Wert heute ca. 250 DM (1959), ca. 50 € (eigene Schätzung)
Links CJS Classic Cameras, Braun (Wikipedia), Bedienungsanleitung, Camera-wiki, Bleckedemoor

2017-10-02

Bilora Boy

Diese schicke Boxkamera hab ich vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt gefunden und für ein paar Euro erstanden. Die Firma Bilora war mir durchaus ein Begriff, ich verband sie bis dahin aber eher mit Fotozubehör (z.B. Stative). Dass sie auch Kameras produzierten habe ich erst durch diese Recherche hier erfahren. Der Name BILORA kommt von KürBI & NiggeLOh, Radevormwald, ein Ort im Bergischen Land, in dem ich selbst 2 Jahre meiner Kindheit zugebracht habe. Die Geschichte zur Kamera und ihrem Hersteller kann man bei Spuer-sinn.net und bei boxkamera.de nachlesen, ich möchte nicht alles wiederholen.
Die Bilora Boy ist wie alle Boxkameras höchst simpel gehalten, mit ihrem zweiteiligen Bakelit-Gehäuse besteht sie lediglich aus ca. 30 Einzelteilen und konnte so günstig produziert und für nur 9,90 DM (1950) verkauft werden. Fotografiert wird auf 127er Rollfilm (8 Bilder a 4 x 6.5 cm), der um die Unzulänglichkeiten des einlinsigen Meniskusobjektivs etwas auszugleichen gebogen geführt wird. Dessen Brennweite ist wohl ca. 65 mm bei f/11 als einziger Blende. Es gibt auch nur eine Verschlusszeit (wohl ca. 1/30 s) und Zeitbelichtung ("T" bzw. eigentlich B). 

Dieser Einfachverschluss hat bei meiner Kamera gehakt. Ich habe ihn daher gereinigt und etwas geölt und jetzt geht wieder alles. Für mich eine gute Gelegenheit des Funktionsweise mal genauer zu dokumentieren (siehe unten). Ich denke, viele Einfachverschlüsse funktionieren sehr ähnlich und die Bilora-Leute haben hier nichts wirklich spektakuläres gebaut:


Funktionsweise des Einfachverschlusses in sechs Stufen:

(1) Ausgangsposition: Der Hebel (H) wird durch die Feder (A) in seiner Position gehalten. Auf der einen Seite des Hebels ist der Auslöser (S) über ein Gestänge befestigt, auf der anderen Seite ist das Verschlussblatt (V) über die verdeckte Feder (B) so am Hebel befestigt, dass (V) auf der rechten Seite am Anschlag gehalten wird.
(2) Druck auf den Auslöser (S) schiebt den Hebel an den Anschlag rechts oben. Dabei wird Feder (A) gespannt, der untere Teil des Hebels schwingt über das Lager von (V) nach links und (B) zieht (V) plötzlich nach links.
(3) (V) setzt sich durch den Zug der Feder (B) jetzt nach links in Bewegung und gibt das Objektiv zur Aufnahme frei (gelb). Falls der Anschlag (M/T) auf Stellung T (Zeitaufnahme) steht, bleibt (V) in dieser Position und gibt das Objektiv solange frei, wie der Auslöser gedrückt bleibt.
4) Falls der Anschlag auf Stellung M steht, schwingt (V) nach ganz links durch und überstreicht so die Objektivöffnung nur kurzzeitig (vermutlich ca. 1/30 s).
5) Der Auslöser (S) wird losgelassen, Feder (A) zieht den Hebel (H) wieder in seine Ausgangsposition am linken oberen Anschlag. Dabei wird jetzt die Feder (B) zum Rückholen von (V) wieder gespannt.
6) Das Verschlussblatt (V) schwingt durch (B) gezogen wieder in seine Ausgangsposition nach rechts zurück. Dabei gibt es selbst kurzzeitig das Objektiv frei, das jetzt aber durch den Hebel (H) verdeckt ist! Damit ist der Kreis geschlossen und der Verschluss sofort (ohne extra Spannen) wieder auslösebereit!

2017-09-24

Pearl River S-201 Geschichte

 Erster Prototyp der Kamera, noch beschriftet mit "Gut und Mehr"
Ich habe ihn doch noch gefunden, den langen chinesisch-sprachigen Originalbeitrag, dessen grausige Maschinenübersetzung kaum verständlich war. Ich hab ihn also nochmal per Google Translate und auch Baidu Translate zunächst ins Englische übersetzt (etwas besser), dann mit Hilfe von Hintergrundrecherche (u.a. Wikipedia) und im Zweifel einem chinesischen Kollegen mich an eine deutsche Übersetzung gemacht. Ich habe versucht, so nah wie möglich am Text zu bleiben, konnte aber nicht immer ohne eigene Interpretation oder Umstellungen auskommen. Manchmal habe ich Erläuterungen in eckigen Klammern eingefügt. Wer will kann ja selbst im Original nachsehen ;-).

Also hier ist der Beitrag, im Original verfasst von 张雪松 (Zhang Xuesong) am 30.09.2009. Die Fotos habe ich auch von der Seite geklaut und hier neu gepostet.

Wu Anlu, stellvertretender Chefingenieur
der heutigen Mingguang Photoelectric
Company
Unter den chinesischen Kameras sticht die Pearl River S-201 heraus. Sie ist die bedeutendste SLR des Landes, war in vielen Aspekten die erste ihrer Art und trägt zur ruhmreichen Vergangenheit der chinesischen Kameraindustrie viel bei. Aber gerade die Marke "Pearl River" hat in mehr als zwanzig Jahren Höhen und Tiefen, Verstrickungen, Streit und Neid gesehen. So ist es sehr interessant sich mit der Geschichte dieser Kamera näher zu beschäftigen. 
Geht man durch die Straßen von Chongqing und fragt nach der "Pearl River Photoelectric Company" schütteln die meisten Passanten den Kopf. Aber fragt man nach einer früheren Dritten-Front Fabrik Nr. 338 namens Mingguang (Helles Licht), weisen viele auf einen Ort im Nanping, sechster Distrikt. So habe ich den Weg zur Fabrik der Pearl River S-201 gefunden. Dort traf ich Wu Anlu, den stellvertretenden Chefingenieur der Firma, der mir zunächst eine Ausstellungsvitrine zeigte. Dort steht in relativ bescheidenen Zustand ein früher Prototyp der S-201, noch beschriftet mit "美多" ("Gut und Mehr") sowie eine nicht viel anders aussehende Pearl River S-201.

Die Frage nach der Pearl River Kamera lenkte Wu Anlu's Gedanken zurück zu den frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Er erzählte mir, dass der Staat [China] mit der Dritten-Front-Bewegung [Industrialisierung des zentralen Südwestens] in der Sichuan Provinz eine ganze Reihe verteilter und in den Bergen versteckter Rüstungsfirmen gründete. Einige davon sollten anspruchsvolle Instrumente produzieren und wurden die fünf "Licht" (光, guang) Unternehmen genannt: Mingguang, Huaguang, Jinguang, Yongguang und Xingguang ["Helles Licht", "China Licht", "Goldenes Licht", "Ewiges Licht" und "Wohlstand Licht"]. Sie alle gehörten zur ursprünglich "Fünf Maschinen" Abteilung und wurden dann dem Rüstungsministerium zugeordnet, dort zum Südwest Artillerie Büro in Chongqing. Mit der Produktion von Gewehren, Munition, Zielfernrohren, Flugabwehrraketen etc. leisteten diese Fabriken einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der chinesischen Rüstungsindustrie. Wu Anlu erinnert sich noch gut an einen frühen Selbstverteidigungskrieg, in dem die Vietnamesische Armee eine nicht kleine Menge chinesischer Scharfschützengewehre geliefert bekam. Diese wurden von Mingguang Technikern innerhalb kürzester Zeit durch erfolgreiches Kopieren sowjetischer SVD Gewehre hergestellt. Dies zeigt gut, wie wichtig der militärische Beitrag dieser Firmen war.

Panorama aus den 1970ern, aufgenommen in den Huaying Bergen in der Gegend der alten Mingguang Fabrik
Eingang zur ursprünglichen Mingguang Fabrik
in den 1970ern
Aber wie und warum wurden diese Fabriken zu Kameraproduzenten? Wu Anlu erzählte mir, dass ab 1972 die Rüstungsaufträge an diese Unternehmen signifikant zurückgingen [China's Beziehungen zu den USA verbesserten sich erheblich nach dem Besuch Nixons]. Und so bestand die Antwort der nationalen "Armee zur Veränderung des Volkes" in einem Aufruf zur Entwicklung und Produktion ziviler Güter. Und die Mingguang Fabrik begann als erstes mit Kameras. 

Nach einiger Recherche über die Geschichte der Dritten-Front-Bewegung habe ich folgenden Textabschnitt gefunden: Am 14. Februar 1973 traf sich die frühere "Fünf-Maschinen" Abteilung zu einer Besprechung in Beijing, wo festgelegt wurde, dass einige optische Fabriken in der Huaying Gegend der Sichuan Provinz zusammen eine Kamera entwickeln und produzieren sollen. In einer weiteren Kamera Kooperationsbesprechung im März des selben Jahres in Beijing wurde dem Vorschlag zugestimmt, die Shanghai Seagull DF-Kamera [Minolta Lizenz] als technische Basis zu verwenden, aber zusätzlich zehn vorteilhafte Merkmale der japanischen Nikon F Kamera zu verwenden. Außerdem wurde eine der Dritten-Front Fabriken zum Entwicklungszentrum dieser modifizierten Kamera bestimmt.

Chronik der Mingguang Fabrik,
eine wichtige Quelle meiner Recherchen
Zu dieser Zeit war die Seagull DF Kamera Produktion in Shanghai China's Technologieführer und die Mingguang Fabrik schickte Ingenieure zur Ausbildung nach Shanghai. Zwischen März und Juni 1973 arbeiteten die Ingnieure  und Techniker Tag und Nacht, kombinierten die Designelemente von Seagull DF mit der Nikon F und entwarfen die Pläne von über 3000 Einzelteilen in weniger als drei Monaten. Um Zeit zu sparen, arbeiteten dann zwei Entwicklungsgruppen parallel daran, die mechanischen und manuellen Prozessschritte zu definieren und die Maschinen zu bauen, um tausende verschieden große Teile aus einer Aluminiumlegierung zu produzieren. Am 25. Dezember 1973 präsentierte die Mingguang Fabrik den ersten Prototyp der Kamera und nannte ihn "美多" ("Gut und Mehr"). 

Wu sagte, dass zur schnellen und reibungslosen Entwicklung der Kamera im Wesentlichen zwei Faktoren beigetragen haben. Zum einen die starke Unterstützung des Kamerawerkes in Shanghai. Im planwirtschaftlichen System gibt es natürlicherweise einen großartigen Kooperationsgeist und die Hilfe aus Shanghai war wirklich selbstlos. Zum anderen und wichtiger war, dass das Design nicht bei den Plänen der Seagull DF halt machte, sondern deutlich darüber hinausging, um die großartigen Elemente der Nikon F zu realisieren, wie Wechselsucher, horizontaler Tuchschlitzverschluss bis 1/1000 s, X/FP-Blitzsynchronisation etc. Auch die Oberflächengüte der neuen schwarzen Verchromungstechnologie und anderes waren viel besser als bei ähnlichen anderen Produkten aus China. Anfangs passierte allerdings nicht viel, lediglich einige Prototypen wurden produziert. Erst 3 Monate nach dem ersten Prototypen wird die Kamera am 19.3.1974 offiziell von "Gut und Mehr" in "Pearl River S-201" umbenannt.

Dieser Namenswechsel verwirrt viele Kamerasammler, denn Pearl River ist eigentlich eine Marke der Guangzhou Kamerafabrik [im Süden Chinas, wo der Zhujiang, der Perlfluss ins Meer mündet], die in den 1960er Jahren begannen ihre 120er Rollfilmkameras so zu nennen (z.B. die Pearl River 60-I, und 60-II, 1967: Pearl River 4, 1970er Jahre: Pearl River 7) und wurden damit bekannt. Wie auch immer kamen jetzt die Mingguang Fabrik und die anderen kleinen Rüstungsfirmen aus China's südwestlicher Bergregion [ca. 1400 entfernt vom Perlfluss] auf die Idee, ihre KB-Spiegelreflex genau so zu nennen?

Die Antwort fand ich in der offiziellen Firmenchronik auf Seite 79. Dort steht: Am 19. März 1974 wurde für die Huaying Produktionsregion in Fabrik 33 eine Kameraproduktions-Versammlung abgehalten. Beteiligt waren die fünf beteiligten Unternehmen, das Außenhandelsministerium, die Leichtindustrie-Import und Export Vereinigung, die Guangzhou Import und Export Vereinigung, sowie weitere betroffene Verwaltungseinheiten. Es wurde festgestellt, dass der vorläufige Markenname "Gut und Mehr" nicht zur in Technik und Style herausragenden Kamera passt und damit kein Export möglich ist, um die nationalen Exporterlöse zu steigern. Außerdem fielen bei der Anmeldung einer neuen Exportmarke weitere Gebühren an. Daher wurde entschieden, sich für die Vermarktung den bekannten und registrierten Markennamen "Pearl River" auszuleihen, und diese 135-SLR Pearl River S-201 zu nennen. 

Um die Anmeldung einer zweiten Marke für den Export zu vermeiden wurden die beiden Kamerahersteller also in einen Topf geworfen - eine so einfache aber doch irgendwie verwirrende Erklärung. Um das zu verstehen, muss man die Logik der Planwirtschaft bemühen. In diesem System hatten die Unternehmen eigentlich überhaupt kein Verständnis für das Konzept "Marke", innerhalb der Planwirtschaft gab es formal keine Konkurrenz zwischen den Firmen und ein Markenname hatte an sich keinen Wert. 

Mit dieser durchaus wichtigen Mitgift der damaligen Situation begann also die Kommerzialisierung der Pearl River SLR Kamera. Doch der Ertrag der ersten Jahre ist nicht groß. In der Chronik fand ich folgende Produktionszahlen: 1975 bis 1976 (Versuchsproduktionsphase) verlassen nur ca. 50 Kameras das Werk, viele mit improvisierten und manuell hergestellten Teilen. Erst 1977 ist die ganze Produktionskette komplett und Massenproduktion erreicht 705 Kameras (Der Industrialisierungsgrad kann nicht sehr hoch gewesen sein). Übrigens, die Chronik der Fabrik Nr. 338 nennt 1974 als Start der Produktion, daher sollte das "Jahrbuch Chinesischer Kameras" geändert werden, das 1972 als Geburtsjahr der Kamera ausweist. 

Wenn wir nun die Entwicklung der Pearl River Kamera weiter verfolgen, finden wir durchaus ein durchdachtes Produktionsnetzwerk. Die Mingguang Fabrik (Nr. 338) war die Entwicklungszentrale, produzierte ein paar Teile rund ums Filmhandling und besorgte die Endmontage. Die anderen der fünf Brüderfirmen in der Huaying Region waren folgendermaßen spezialisiert: Huaguang (Nr. 308) war für Objektivproduktion zuständig, Xingguang (Nr. 598) besorgte den Spritzguss des Gehäuses und presste die Blechteile wie Rückwand, Kappe und Teile des Suchers. Die Jinguang Fabrik (Nr. 268) war für Feinmechanik zuständig und produzierte Verschlüsse, Selbstauslöser und alle Getriebe. Die letzte der fünf, Yongguang machte Endmontage, wie das auch bei Jinguang der Fall war. Es ist nicht schwierig zu unterscheiden, welche der Fabriken die Endmontage einer Kamera vorgenommen hat, denn es wurde ein Hinweis hinterlassen. Die Seriennummer startet jeweils mit dem ersten Buchstaben des phonetischen Alphabets: M für Mingguang, J für Jinguang und Y für Yongguang.

In der Geschichte der chinesischen Kameraproduktion ist so ein komplexes Produktionsnetzwerk mit entsprechender Arbeitsteilung einzigartig und konnte nur mit dem hohen Grad von Einigkeit, der individuellen technischen Stärke sowie einem relativ strengen militärischen System erreicht werden. Wu Anlu sagte, dass all das in den Huaying Bergen und den dort ansässigen Präzisionsinstrumentfabriken  zu finden war. Die Kenntnisse von optischen Prozessen bis zur feinmechanischen Montage konnten von Militärtechnik auf die Kameraproduktion übertragen werden; ein Riesenvorteil, der hervorgehoben werden muss. Und in der Tat hat die Pearl River S-201 davon enorm profitiert und einige Rekorde eingefahren: Zum Beispiel ist die optische Auflösung ein zentraler Indikator für die Leistungsfähigkeit der Kamera. Nach den Vorgaben der chinesischen Kameraindustrie (Standard 65) sollte das Auflösungsvermögen im Bildzentrum mindestens 37 Linienpaare betragen, die Pearl River Kamera erreichte [mit ihrem Standardobjektiv] 59 und mehr, also deutlich mehr als ein Standardprodukt.  Sie hat außerdem einen aus Plastik gefertigten Mikroprismenring, welcher wesentlich die Einstellung der Schärfe vereinfacht. Solche Features hatten bisherige chinesische Kameras nicht. Auch das Objektivprogramm zur S-201 war einzigartig: Es gab neben einer Reihe von Festbrennweiten auch vier verschiedene Zoomobjektive und ist damit das kompletteste Programm was es jemals für eine chinesische Kamera gab. Damit ist die S-201 China's erste wirkliche KB-Systemkamera.

In den 70er Jahren war China immer noch relativ abgeschottet. Es gab keinerlei ausländische Produkte zu kaufen und jedes der 1300 Einzelteile der Pearl River S-201 stammt von eigenen, lokalen Produktionslinien. Diesen Umstand kann man nicht genug wertschätzen. Und es erstaunte auch die ausländische Kameraindustrie. Der Japaner Takahashi Saburo schrieb in seinem Buch "Chinese Classical Camera Story"einen Abschnitt voll des Lobs für diese Kamera: Für ihn ist die S-201 die berühmteste Chinesische SLR. Sie ist sehr ähnlich zur japanischen Nikon F von 1959 und hat ebenso einen austauschbaren Sucher, außerdem sind eine ganze Reihe Wechselobjektive erhältlich. Es kann gesagt werden, dass sie in China die kompletteste aller Systemkameras ist.
Preise, die die Kamera ab 1980
sammeln konnte

Wu Anlu erzählte mir auch folgende Anekdote. In einem Jahr gewann die Kamera einen nationalen Qualitätspreis, aber die entsprechende Urkunde kam und kam nicht. Angeblich, weil die Auszeichnung vom Ministerium für Maschinenbau verliehen wurde, wurde der Preis zurückgehalten, da die Rüstungsindustrie es sich zu sehr zu Herzen nehmen könnte. Erst zwei Jahre später kam der Preis bei der Mingguang Fabrik an. Ich denke diese Geschichte kann sehr wahr sein, denn in jenem Jahr wurde die Kameraproduktion von der eigentlichen Rüstungsindustrie immer noch als lästige Einmischung empfunden. Jedenfalls, mit der Pearl River S-201 und vielen positiven Rezensionen verstummten solche Stimmen mit der Zeit. Von 1980 bis 1984 gewann sie fünfmal hintereinander sowohl nationale als auch Provinz- Qualitätspreise. Mit der Anerkennung für diese Kamera gewann auch die Marke Pearl River bisher nie dagewesene Reputation.

Nach 1980 steigerten sich die Produktionszahlen der S-201 Jahr für Jahr. 1985 waren es 8028 Einheiten und 1986 wurde erstmals die Marke von 10000 Stück überschritten. Sie wurde vornehmlich nach China, Hongkong, Singapur und Südostasien verkauft. In diesem Jahr [1986] erhielten die fünf Bruderfirmen in den Bergen von Huayin die komplette Pentax K-1000 Produktionslinie aus Japan [oder Hongkong?], mit der sie [nicht nur Lohnproduktion für Pentax, sondern auch] eine zweite einfachere SLR Kamera ("Pearl River S-207") produzierten. Zu dieser Zeit war "Pearl River" die berühmteste Chinesische Kameramarke, viele Fotoamateure und Profis waren fasziniert und eine Kamera kostete bis zu 800 Yuan, ungefähr ein Jahresgehalt.

Auf dem Höhepunkt des Ruhms 1986, wendete sich plötzlich das Schicksal der Kamera. China begann über Markenrecht nachzudenken und erste Gesetze dazu zu erlassen. Die Militärfabriken in den Bergen von Huayin bekamen also die Mitteilung, dass das Kamerawerk in Guangzhou die Marke "Pearl River" für sich hat registrieren lassen. Abseits des Hauptgeschehens und noch immer verhaftet in den alten militärischen und planwirtschaftlichen Strukturen, nahm man die Sache erst nicht ernst, verstand sie nicht, und kämpfte daher auch nicht gegen die letztendliche Konsequenz: Man hatte die Marke "Pearl River" verloren. Sogar heute noch verstehen einige alte Kollegen diesen Umstand nicht.

Faktisch hatten die beiden Kameraproduktionen in Chongquin und Guangzhou außer der gemeinsam genutzten Marke nichts miteinander zu tun. Zu Zeiten der Planwirtschaft erfüllten die Firmen den ihnen von der Regierung gegebenen Produktionsauftrag. Es gibt keine Konkurrenz und man hat kein Verständnis vom Wert einer Marke. In Guangzhou wurden einfachere Rollfirmkameras produziert und in Chongquin konzentrierte man sich auf die Kleinbild-SLR. Über mehr als eine Dekade kam man sich nicht ins Gehege. Aber ab Mitte der 80er öffnete sich China auch im Inneren der Marktwirtschaft und Konzepte wie Markennamen, Patente und geistiges Eigentum gewannen an Bedeutung und konnten nicht mehr ignoriert werden. Auch wenn die Führung der Huayin Kamerawerke sicher stolz auf den Ruhm ihrer Marke war, so verpassten sie die Gelegenheit auch formal die Schritte zu unternehmen, die Marke für sich anzumelden oder gar um sie zu kämpfen. Am Ende mussten sie klein beigeben und die Marke offiziell zum Ende 1986 aufgeben. Man änderte den Namen zu Ming Jia S-201M, die Exportkameras wurden mit "Mingca" beschriftet.  Man stellte aber auch schnell fest, dass es gar nicht so leicht ist, mit einem neuen Namen den Markt wieder zu gewinnen [die Mingca MCK-1000 mit Pentax K-Bajonett wurde bald die bedeutendere Kamera].

Die Geschichte geht natürlich weiter in den 90er Jahren. Die meisten Dritte-Front-Firmen verließen ihre Standorte in den Bergen und zogen in die Städte. Auch bei den fünf Brüderfirmen aus den Huaying Bergen trennten sich teilweise die Wege. Die Mingguang Fabrik zog nach Chongqing Nanping und änderte ihren Namen in "Chongqing Mingjia Photoelectric Instrument factory"; Huaguang fand eine neue Bleibe in Chonqing Beibei und nennt sich heute "Chongqing Huaguang Instrument Factory"; Yongguang Fabrik zog nach Sichuan Pixian, und änderte ihren Namen in "Chengdu Huaxi Optical Electronic Instrument Factory"; der Umzug von Jinguang führte nach Sichuan Xindu unter dem neuen Namen "Sichuan Jindu Optoelectronic Instrument Factory"; auch Xingguang findet sich heute in Sichuan Pixian unter "Chengdu Xingguang Machinery Factory".

Der Verlust der gemeinsamen Marke und dann auch noch der räumliche Umzug trennte die fünf Firmen endgültig und jede machte ihr Ding: Mingjia Photoelectric (früher Mingguang) brachte die Ming Jia MCK1000, eine Kamera mit TTL-Belichtungsmessung, die 1990 auf der Hightec Exportschau der Nationalarmee eine Silbermedallie gewann; Chengdu Huaxi (früher Yongguang) entwickelte und produzierte die Huaxi S-80 und S-90 Kameras [ein Nikon FG-20 Klon mit PK-Bajonett]; Sichuan Jindu (früher Jinguang) produzierten goldene S-207M und S-207T Kameras und gewannen damit 1991 auf der nationalen Kameramesse den "Star Award". Aber schlussendlich war keinem dieser Pearl River S-201 Abkömmlinge ein langes Produktleben beschert und das Ende der Spiegelreflexproduktion in dieser Region des Landes folgte bald. [Einige der genannten Firmen existieren heute noch, ob sie noch Kameras oder Teile dafür herstellen lässt sich leider aus der Ferne nicht sagen.]
Auswahl von frühen (70er) und späten (90er) Kameras, die in alle in der Tradition der S-201 stehen 

2017-09-20

Zhujiang (Pearl River) S-201

Hier wieder mal ein Exot für meine Sammlung. Diese Kamera ist sicher kein technischer Meilenstein, aber doch wegen ihrer Herkunft sehr interessant und ich bin echt froh, eine solche ergattert zu haben. Es handelt sich um die wohl anspruchsvollste chinesische KB-Spiegelreflex und ist eine Kombination aus Basistechnik aus dem Hause Minolta und Elementen der Nikon F. Die meisten anderen chinesischen SLR sind mehr oder weniger direkte Kopien oder Klone ihrer jeweiligen Vorbilder. Zunächst waren es russische oder deutsche Vorbilder, später dann Minolta (SR) und Pentax (K-1000). In meinem letzten Post habe ich ja schon darüber geschrieben. Bei der Pearl River S-201 ging man aber über das reine Kopieren hinaus und entwickelte wegen der Kombination verschiedener Elemente eine fast eigenständige Kamera. 

Die S-201  wurde von drei Kamerafabriken produziert und bediente sich hauptsächlich Minolta's SR Technologie, die wie man munkelt das kommunistische China in Lizenz erworben und an einige Kamerafabriken weitergegeben hatte. Die Technologie war über 10 Jahre alt, in Japan wurden Mitte der 70er schon ganz andere Kameras geplant und gebaut! Neben dem SR-Bajonett hat die S-201 fast identische Ausmaße wie die gute alte SR-Serie, dann wurde aber auch noch ein gutes Stückchen Nikon F "eingekreuzt", was sich Wechselsucher, der Position der Objektiventriegelung oder dem Aufsteckblitzschuh für die Rückspulkurbel sehen läßt. Leider hat mein Exemplar nur den Lichtschachsucher, wenn man Bilder mit dem Prismensucher sich anschaut, erkennt der Fan sofort die Ähnlichkeit mit der Nikon F. 
Auch das Objektiv ist im damaligen Nikon Design gehalten, auch wenn es sich optisch um eine chinesische (vermutlich 1:1) Kopie des russichen Helios-44 handelt, welches wiederum eine Zeiss Biotar 58 mm f/2 Kopie war, ein Objektiv, das 1936 auf den Markt kam!

Pearl River S-201 von 1974 mit ihren beiden Technik und Ideenspendern, die beide 1959 in Japan auf den Markt kamen
Die drei Fabriken waren die Mingguang Machinery Factory ("M"), Jinguang Instrument Factory ("J") und Yonggunag Instrument Factory ("Y"),  alle drei in der Provinz Sichuan irgendwo in und bei Chongqin bzw. Chengdu. Diese Basisinformation find man im Verzeichnis von Chinesecamera.org, leider gibt es nicht viel mehr her. Allerdings gibt es einen sehr langen Forumseintrag von 2009 von einem Nutzer namens LeeSobing, der aber eine recht unverständliche englische Maschinenübersetzung von einem anderen chinesischen Forumsbeitrags gepostet hat. Letzterer ist leider heute nicht mehr auffindbar, um ihn erneut über eine bessere Maschine zu jagen oder gar von einem chinesischen Kollegen übersetzen zu lassen, zu schade! Hier ist kurz auf deutsch, was ich da rausgelesen und interpretiert habe: 
1972 entspannte sich Chinas außenpolitische Situation, insbesondere durch diplomatische Annäherung zu den USA. Daher ging der Bedarf an feinmechanischen Rüstungsgütern (Gewehre, Zielfernrohre, etc.) zurück und die Führung erlaubte oder befahl den Fabriken im Februar 1973 auf zivile Güter umzustellen. Für fünf Fabriken in der Sichuan Provinz wurde diese Kamera auserkoren, die auf Basis des "Shanghai Seagull DF-Typs" (Minolta SR Lizenz) entstehen sollte, allerdings modifiziert mit 10 Ideen inspiriert von der Nikon F. Die Mingguang Fabrik begann 1974 mit Hilfe und freimütiger Unterstützung der Seagullfabrik(en) in Shanghai die Kamera zu entwickeln. 1975 und 1976 wurden ca. 50 Prototypen sowie Werkzeuge für Komponenten gebaut, 1977 ging endlich die Massenfertigung los. In diesem Jahr wurden die ersten 705 Exemplare gebaut. Die drei genannten Fabriken besorgten die Endmontage, die anderen lieferten Komponenten. Als Marke hatte man sich schon früh auf Pearl River (Zhujiang oder Zhe Jiang) geeinigt, einfach weil es eine bekannte Kameramarke war. Eine Fabrik in Guangzhou (Kanton) produzierte schon seit Jahrzehnten Rollfirmkameras unter diesem Namen. Und man hatte von Beginn an den Export dieser Kamera zwecks Deviseneinnahmen im Auge, wie die zweisprachige Bedienungsanleitung beweist. Ab 1986 kam es dann doch zum Zwist bezüglich der Marke Pearl River und langsam wurde Markenrecht auch in China eingeführt. Man musste "Pearl River" dem älteren Rechteinhaber in Guangzhou überlassen und die S-201 wurde wohl ab Anfang der 90er unter der neuen Marke Mingca (Mingguang Camera) verkauft. Die einzelnen Fabriken mussten auch zwischenzeitlich umziehen und wurden umbenannt. 
Der Seriennummer kann man ansehen, in welcher Fabrik endmontiert wurde (bei meiner ein J, also Jinguang). Ich glaube, dass die zwei Ziffern hinter diesem führenden Buchstaben das x-te Jahr der Produktion angeben, bei mir also 12 = ca. 1986?  

Auf eine Sache bin ich beim Studium der Bedienungsanleitung aufmerksam geworden. Auf den Seiten 5 und 6 wird auf eine Spiegelarretierung und die Abblendtaste hingewiesen, beides fehlt bei meiner Kamera, ist aber durchaus auf Fotos anderer Kameras im Internet zu sehen. Ich kann hier nur spekulieren, dass diese Features irgendwann während des Produktionszeitraums weggelassen wurden. Auch das Objektivangebot, was auf der letzten Seite beschrieben wird kann sich von Anfang an sehen lassen. Neben einem 45-90 f/3.5 Zoom im Stil des Nikkor 43-86 gab es ein 105 mm f/2.5 und ein 35 mm f/2.3. In späteren Bildern sieht man noch mehr Objektive, das Minolta Bajonett wurde ja in China auch bei den Seagull Kameras benutzt, die Auswahl war also da. 

2017-08-28

Chinese SLR

This part of my SLR production number assessment was definitely the most tricky, longest lasting and certainly the least accurate. Several different Chinese SLR exist and are briefly documented on a few Chinese and other Websites, but you rarely find them at ebay or other auctions today. Some of these seem to be produced just as a few prototypes but never went into mass production, others might have been produced in relatively large numbers, but eventually disappeared in small percentage of households of the gigantic Chinese population. Then, there is widely spread information, that especially Minolta but also Pentax moved some of their SLR production to China. And last but not least, starting with the mid 1990ies China's rise to eventually become the world's industrial work bench. It is documented, that in the year 2000 China's camera production (total, not just SLR and including digital) already was at 55 million units. Therefore, what I did was a fact finding exercise at first, looking at the situation from different angles. As a second step I tried to draw a picture, which would satisfy all the different facts. As this is mostly an indirect approach there is lot of room for error, especially within certain details although the overall picture might still be quite OK.
Dieser Teil meiner Recherche zu Spiegelreflex Produktionszahlen pro Land war definitiv der schwierigste, langwierigste und sicherlich der am wenigsten genaue.  Eine ganz ansehnliche Reihe von chinesischen SLR Modellen existiert und wird auf wenigen Chinesisch-sprachigen und anderen Websites heute dokumentiert. Man findet sie aber heute sehr selten bei ebay oder anderen Portalen. Insbesondere die ganz frühen wurden nur in sehr geringer Stückzahl oder als Prototyp produziert, wurden aber nie in Massenfertigung überführt. Andere mögen in größerer Stückzahl produziert worden sein, verschwanden dann aber in einem Bruchteil der Haushalte des riesigen chinesischen Volks. Dann gibt es wiederum die relativ gesichterte Information, dass insbesondere Minolta und später auch Pentax einen Teil der SLR Produktion nach China verlagert haben. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass ab Mitte der 1990er China zur industriellen Werkbank der Welt aufstieg. So ist z.B. bekannt, dass im Jahr 2000 in China schon 55 Millionen Kameras produzierte (gesamt, nicht nur Spiegelreflex). Daher, was ich gemacht habe war zunächst die Informationen und Fakten zusammenzutragen, um die Sache von verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Danach habe ich ein Mengenszenario entworfen (siehe Graphik oben), wobei ich möglichst allen (vermeintlichen) Fakten gerecht geworden bin. Das ist natürlich ein sehr indirekter Ansatz und bietet viel Raum für Fehler, insbesondere bei einzelnen Details. Dennoch glaube ich, dass das Bild als Ganzes so ungefähr hinhauen sollte.


So here are the major facts including the sources I used. A quite interesting entry into Chinese photography is a long article in Popular Photography from May 1981 (available at google books), which spends a few sentences on the last page on Chinese camera production and market size. A number of 240,000 cameras (total for 1980) was given, which at least in terms of magnitude fits to a 370,000 mentioned in this statistical chart. Seagull in Shanghai was mentioned as the largest camera manufacturing site and on their website they claim to have produced a total of about 21 million cameras between 1958 and 2012 (they are still in the photo business, but don't produce cameras anymore). Most of these cameras were simple point-and-shoot cameras or TLR's like my 4B-1, which have been widely used within China but also been exported. However, they also produced ... DF-1 and later DF-300.
Hier also die wesentlichen Fakten inklusive Quelle: Einen sehr interessanten Einstieg in die chinesische Fotografie bietet ein langer Artikel in  der Zeitschrift "Popular Photography" vom Mai 1981 (verfügbar auf Google Books). Auf der letzten Seite werden ein paar Zahlen genannt. Für das Jahr 1980 wird die Kameraproduktion auf ca. 240.000 geschätzt. Das passt zumindest größenordnungsmäßig zu den 370.000, die in dieser Statistik genannt werden. Seagull in Shanghai wird als der größte Kamerahersteller des Landes benannt. Auf ihrer Website behaupten sie, zwischen 1958 und 2012 insgesamt 21 Millionen Kameras produziert zu haben. Das tun sie heute nicht mehr, stellen aber immer noch Fotozubehör her. Die meisten dieser Kameras waren einfache Sucherkameras oder zwei-äugige Spiegelreflex wie meine 4B-1, die sowohl in China selbst weite Verbreitung fanden als auch exportiert wurden. Seagull produzierte ab den 1970ern aber auch KB-Spiegelreflexkameras wie die DF-1 sowie später die DF-300, beides Minolta Klone.

One can distinguish three phases of SLR production. The first one started in the late 50ies/early 60ies with a few attempts to copy (East-) German or Russian designs. Cameras like the Purple Mountain Z 135-I (a Zenit-C copy) or the Tianchi SLR (a Contax S clone) have just been produced as a few prototypes but never went into mass production. During the 60ies the Chinese got some profound knowledge about Minolta's successful SR-series (or maybe got a sort of licence from Minolta). Anyway, at least two camera factories build quite successfully Minolta SR-2 clones. The first was the Shanghai factory with the Seagull DF-1 (series). My estimate is about 250,000 units for the entire series, it might have been even more.  The second successful attempt comes from Sichuan factory(ies) with the Pearl River S-201, a camera which combined the basic SR-2 technology with some elements from Nikon's F (e.g. the exchangeable finder).
Man kann drei Phasen der chinesischen SLR Produktion unterscheiden. Die erste begann Ende der 1950er oder frühen 60er Jahre mit einigen Versuchen (ost-) deutsche oder russische Kameradesigns zu kopieren. Kameras wie die Purple Mountain Z 135-I (eine Zenit-C Kopie) oder die Tianchi SLR (eine Contax S Klon) wurden gerademal als Prototypen hergestellt, schafften es aber nie in die Massenfertigung. Während der 60er dann kamen die Chinesen irgendwie an die Zeichnungen und/oder Maschinen zu Minoltas erfolgreicher SR-Serie (vielleicht gab es tatsächlich irgendeine Form einer Lizenz dazu...). Jedenfalls bauten ab den frühen 70er Jahren mindestens 2 Fabriken erfolgreiche Minolta SR-2 Abkömmlinge, natürlich mit Minolta Bajonett. Die erste war Seagull in Shanghai mit der DF-1 (Serie). Meine Schätzung hier beläuft sich auf mindestens 250.000 Exemplare über die Jahre. Der zweite erfolgreiche Versuch kommt aus der Sichuan Provinz, wo am Ende drei Werke die Pearl River S-201 produzieren, eine Kamera, die aufbauend auf der Basis SR-2 Technik Elemente der Nikon F integrierte, wie z.B. austauschbare Sucher.

The second phase was accomplished with some Japanese help. In 1979 Pentax transferred K-1000 production to Hongkong and 1990 finally to main land China. It's known that more than 3 million units have been produced labeled with the Pentax name. However, the same camera also appeared as Mingca K-1000 and it's hard to estimate how many of these have made their way into the Chinese households. Later Minolta did the same with X-300/X-370 production. Soon after the production started almost identical clones appeared on the market. One can estimate that the number of the copies at least was in the same ballpark as the exported cameras.
Die zweite Phase bediente sich japanischer Hilfe. Im Jahr 1979 übertrug Asahi Pentax die K-1000 Produktion nach Hongkong und 1990 schließlich in die Volksrepublik China. Es ist bekannt, dass mehr als 3 Millionen Gehäuse original mit "Pentax" beschriftet und in alle Welt verkauft wurden. Doch die gleiche Kamera erschien u.a. auch als Mingca K-1000 und es ist schwer zu schätzen, wie viele von ihnen den Weg in die chinesischen Haushalte gemacht haben. Später hat Minolta das gleiche mit der X-300 / X-370 gemacht. Bald nach der Produktionsbeginn tauchten fast identische Klone auf dem Markt auf. Ich schätze mal, dass die Anzahl der Kopien zumindest in der selben Größenordnung wie die exportierten Kameras waren.

The third and last phase started mid of the 1990ies after Minolta and later Pentax ceased production of their respective models. The tools remained and continued producing the respective Chinese clones, which also have been exported under some foreign distributor brands. In addition a larger newcomer appeared: Jianxi Phenix Optical Instruments Ltd., a company which got into possession of Kyocera's (or Cosina's) Yashica FX-3 tools. Either way, this was the third SLR design which was produced in larger numbers, and was available with Nikon, Pentax K, Yashica and other mounts. The cameras also found their way into western distribution networks, e.g. under the Kenko brand. By about 2004 digital cameras would take over the photo market and the now more experienced and focused Chinese producers offered their workbench to produce millions of digital cameras. My guess is, that by 2006 latest almost all analogue SLR production ceased. The world-wide distribution networks would sell off their stock until 2008/2009, you can still find old web-shop pages or articles from this time frame in the internet.
Die dritte und letzte Phase begann Mitte der 1990er Jahre, nachdem Minolta und später Pentax die Produktion ihrer jeweiligen Modelle einstellten. Die Werkzeuge verblieben in China und produzierten weiter die jeweiligen Klone, die auch unter ausländischen Vertriebsmarken exportiert wurden. Darüber hinaus erschien ein größerer Newcomer: Jianxi Phenix Optical Instruments Ltd., ein Unternehmen, das in den Besitz von Kyoceras (oder Cosinas) Yashica FX-3 Produktionsmaschinen kam. So oder so war dies das dritte SLR-Design, das in größeren Stückzahlen produziert wurde und mit Nikon, Pentax K, Yashica und anderen Bajonetten erhältlich war. Die Kameras fanden auch ihren Weg in westliche Vertriebsnetze, z.B. unter der Marke Kenko. Etwa um das Jahr 2004 übernehmen Digitalkameras den Fotomarkt und die jetzt erfahrenen und fokussierten chinesischen Produzenten bieten ihre Werkbank an, um Millionen von Digitalkameras zu produzieren. Meine Vermutung ist, dass bis spätestens 2006 fast jede analoge SLR-Produktion eingestellt wurde. Die weltweiten Vertriebsnetze würden ihre Bestände bis 2008/2009 verkaufen, man kann immer noch alte Web-Shop-Seiten oder Artikel aus diesem Zeitraum im Internet finden.

I should mention that this is a simplified representation from afar. One might get the impression that it was about three to four camera manufacturers who served this market. In reality, it were at least 10, as it can be counted on the linked Chinese websites. However, there was probably intensive cooperation and technology exchange between the factories, as well as presumably central control of production and marketing. Some of the above-mentioned models have been produced by various manufacturers at the same time. All in all, let me draw the above picture. Together, there are 24 million SLR cameras, of which over half belong to the third phase. Some millions of them were surely exported (the Pentax K1000 and the Minolta X-300), but many remained in the country and were used by the prospering Chinese population itself at the end of the last century. As mentioned above, the whole thing comes along with a relatively big error, but it could have been that way...
Ich sollte hier nicht unerwähnt lassen, dass dies hier eine vereinfachte Darstellung aus der Ferne ist. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich um drei bis vier Kamerahersteller handelte, die diesen Markt bedienten. In Wirklichkeit waren es mindestens 10, wie man beim Studium der oben verlinkten chinesischen Seiten zählen kann. Allerdings gab es wohl intensive Zusammenarbeit und Technologieaustausch zwischen den Fabriken, sowie vermutlich zentrale Steuerung der Produktionen und der Vermarktung. Einige der genannten Modelle wurden z.B. von verschiedenen Herstellern gleichzeitig produziert. Insgesamt ergibt sich für mich ungefähr obiges Bild. Zusammen sind es 24 Millionen SLR Kameras, davon über die Hälfte in der dritten Phase. Einige Millionen davon wurden sicher exportiert (die Pentax K1000 sowie die Minolta X-300), viele verblieben aber auch im Land und wurden am Ende des letzten Jahrhunderts von der immer wohlhabender werdenden chinesischen Bevölkerung selbst genutzt. Wie oben schon gesagt, das Ganze ist mit relativ großem Fehler behaftet, aber so ähnlich könnte es gewesen sein...

2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2017-08-04

Zeiss Ikon Contax II

Es steht zwar nirgendwo Zeiss Ikon auf der Kamera, aber jeder Fotointeressierte in den 1930er Jahren wusste, wer da (endlich) gegen die Leica den technologischen Wettbewerb im neuen Kleinbildsektor aufnahm. Nach einem vielleicht überhasteten Versuch mit der Contax I im Jahre 1932, der noch nicht zuverlässig arbeitete und immer wieder verbessert wurde, konnte Zeiss Ikon im Jahre 1936 mit diesem zweiten Modell der Welt zeigen, dass sie Technologieführer waren, und das weltweit! Stephen Gandy hat auf seiner Seite Camerquest die Vorzüge der Kamera im Detail diskuiert und auch schön tabellarisch den direkten Vergleich mit der Leica IIIa gezogen, der klar zugunsten der Contax ausgeht. Ich will hier natürlich nicht alles wiederholen. Aber sie ist ohne Zweifel ein technischer Meilenstein im Kamerabau, sie war die erste richtige Messsucherkamera mit eingespiegeltem Entfernungsmesser im Sucher (Leica hatte das erst ab der M3, 1954) und sie hatte den damals schnellsten Verschluss mit 1/1250 s. 
Bild aus dem Photo-Porst Katalog von 1937
Ihr größter Vorzug vermutlich aber waren die exzellenten Objektive und auch sonst das Zubehörprogramm, dass Zeiss Ikon innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellte. Davon und natürlich vom hohen Preisniveau kann man sich beim Blick in den Photo-Porst Katalog von 1937 ein Bild machen...
In meiner Sammlung darf dieser Meilenstein natürlich nicht fehlen und wird demnächst neben der Leica III in der Vitrine stehen. Ich habe sie auf e-bay gefunden und angesichts der Tatsache, dass sie mit dem f/1,5 Sonnar kam, einen fairen Preis bezahlt.
Die Kamera trägt die Seriennummer G7773 und stammt somit von 1938. Sie ist gut erhalten, Verschluss, Blende, Entfernungsmesser, Selbstauslöser und Fokus funktionieren einwandfrei. Äußerlich gibt es einige Spuren der normalen Benutzung, an ein paar Stellen blitzt das Messing durch. Auf der Kamerarückseite gibt es einige kleine "Zeiss-Knubbel", Einschlüsse von Messingkorrosion unter dem Leder. Der umklappbare Standfuß am Stativgewinde fehlt, dafür hat sie einen nachträglich eingebauten Blitz-Synchronanschluss, keine der Vorkriegs-Contaxe hatte das im Original. Eventuell ist dieser Umbau sogar in Schweden durchgeführt worden. Ein entsprechender Aufkleber einer entsprechenden Werkstatt findet sich im Filmraum.
So, auf dem Bildchen rechts unten sieht man sie neben meiner Kiev 4, einem fast originalgetreuen Contax III Nachbau aus der Sovietunion. Deren Geschichte ist im entsprechenden Post schon ausführlich behandelt worden. Ihre wirklichen Nachfolger, also Weiterentwicklungen aber waren natürlich die westdeutsche Contax IIa (und IIIa), sowie die ertsklassigen Nikon Messsucherkameras, wie zum Beispiel meine Nikon S. Der absolute Höhepunkt der Entwicklung ist sicherlich die Nikon SP, die zur Grundlage der legendären Nikon F wurde. Aber hier sind wir schon wieder bei Spiegelreflex und einer anderen Geschichte.