2014-04-26

Super-Takumar 55 mm f/2

Zur Spotmatic SP gehört natürlich auch ein entsprechendes Normalobjektiv, welches ich extra erworben habe. Dieses hier ist die dritte Version des Objektives und wurde von 1971-1973 gebaut, zu erkennen am extra Hebelchen im M42-Gewinde für Offenblendmessung an den späten Spotmatic F und ES II. Asahi hat im Laufe der Zeit verschiedene sehr ähnliche Varianten ihres meist mit den Kameras zusammen verkauften Standardobjektives gebaut, sie unterscheiden sich z.B. an der Form und Richtung des Blendenrings. Das optische Design aus 6 Linsen in 5 Gruppen (ein sehr typischer "Doppel-Gauss") blieb aber immer gleich. Auch das noch häufiger anzutreffende 55 mm f/1.8 ist wohl die exakt gleiche Konstruktion und wurde nur als etwas lichtstärker vermarktet. 


2014-04-24

Verschlusszeiten-Test Methodenvergleich


Das ist eine Grafik, die ich in ähnlicher Form schon bei meinem ersten Post zum "Oszilloskop" Verschlusszeiten Tester gebracht habe, dort war die rote Kurve der Kodak Retina Reflex S zugeordnet, die blaue zeigt die gemessenen Zeiten für meine Nikon F und ist immer noch dieselbe. Damals hatte ich schon Zweifel an der Richtigkeit der kurzen Zeiten geäußert, was hiermit bestätigt wird.
Die rote Linie stammt von der exakt selben Nikon F, diesmal mit der Digitalkamera-Methode gemessen. Und siehe da: die kurzen Zeiten sind wirklich so kurz wie sie sein sollten. 

2014-04-20

Pentax Spotmatic SP

Neben der Nikon F ist Asahi's Pentax Spotmatic die wichtigste KB-Spiegelreflex der '60er. Während die F eher technische Maßstäbe setzt und klar auf professionelle Fotografen abzielt, ist die Spotmatic die SLR für alle - also alle Fotoamateure, die sich eine SLR leisten können. Und das sind nicht wenige. Die Spotmatik ist wohl das erste SLR Modell, das mehr als 1 Million mal verkauft wird, am Ende (1974) werden es von der gesammten Spotmatic Serie über 4 Millionen sein. Asahi Optical war Mitte der 70er mit seiner Pentax der Spiegelreflex-Hersteller mit dem größten Marktanteil, das kann man sich bei der heutigen Canon und Nikon Dominanz kaum noch vorstellen.

Asahi Optical Company schockte die Fotowelt 1960 mit einem Prototypen auf der Photokina, der als erste SLR Through-The-Lens Metering (TTL), also Belichtungsmessung durch das Objektiv, beherrschte. Und da es sogar eine Spotmessung war, wurde diese Pentax S Variante "Spotmatic" getauft. Man war damals wohl zu voreilig an die Öffentlichkeit gegangen, jedenfalls dauerte es noch bis 1964 bis die Kamera endlich auf den Markt kam, jetzt allerdings mit mittenbetonter Belichtungsmessung. Der Name blieb trotzdem. Trotz des Schocks brauchten auch die anderen Kamerahersteller aber fast ebenso lange, die erste am Markt war Topcon's RE Super (1963). Trotzdem wurde die Spotmatic SP die erfolgreichste Spiegelreflex ihrer Zeit, auch weil sie exzellent verarbeitet war (man kann wohl mit den meisten auch heute noch fotografieren) und Zugriff auf eine riesige M42 Objektiv-Auswahl bot.


Die Spotmatic setzte auch Designmaßstäbe, sowohl in ästhetischer als auch funktioneller Hinsicht. Fast genauso wie sie sehen Spiegelreflexkameras bis Ende der '80er Jahre aus und auch die Bedienelemente sind dort, wo sie schon bei der Spotmatic waren. Bis auf die fehlende Offenblend-Messung (die kam erst mit ihrer Nachfolgerin Spotmatic F) hat sie alle Merkmale DER manuellen SLR, wie sie bis heute noch von der Firma Cosina für verschiedene andere Marken (z.B. diese) gebaut wird. Wahrlich ein Meilenstein...

Datenblatt Mechanische KB-Spiegelreflexkamera mit TTL-Belichtungsmessung bei Arbeitsblende
Objektiv M42x1 Schraubgewinde
Verschluss Horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation 1/60s.
BelichtungsmessungTTL bei Arbeitsblende mit CdS-Zelle. Wird aktiviert bei Druck auf Abblendtaste. Nachführmessung mit +/- Nadelanzeige im Sucher. Empfindlichkeitseinstellung 20-1600 ASA. Indikator, wenn Beleuchtung außerhalb des Messbereiches ist.
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar.
Sucher Spiegelreflex, s.o.
Blitz Separate Synchronbuchsen für FP und X. Minimal 1/60s Synchronzeit. Aufsteck-Zubehörschuh als Zubehör verfügbar.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Transport-Indikator, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser (5-13s), Abblendtaste (aktiviert Belichtungsmesser).
Maße, Gewichtca. 143/92/48 mm, 621g
Batterie 1.35V PX400 (oder Hg-freie Alternative)
Baujahr(e)1964-1974 (diese 1969). Spotmatic Serie zusammen ca. 4 Mio Exemplare
Kaufpreis, Wert heute850 DM (1966 mit 55mm f/1.8), heutiger Wert ca. US$50
LinksReparaturnotizen, Manual (english), Camera-Wiki (mit noch mehr Links), Pentax-SLR, Asahi Optical History, Taunusreiter

2014-04-15

Irisblende - Pentacon auto 50 mm f/1.8

Mit meiner Praktica LTL3 kam ein Pentacon auto 50 mm f/1.8 Normalobjektiv. Es besitzt eigentlich eine automatische Springblende, nur leider sprang nichts mehr beim Druck auf den kleinen Metallstift, der aus dem M42-Gewindeanschluss herausragt. Im Gegensatz dazu bewegten sich die Blendenlamellen schon, wenn man langsam am Blendenring drehte. Zusammen ein eindeutiges Zeichen für altes und im Laufe der Zeit verharztes Schmieröl. Da hilft nur eines: Objektiv auseinanderschrauben und die Blendenlamellen in Waschbenzin baden und vom alten Fett befreien. Neues Öl sollte man gar nicht erst verwenden, es schadet mehr als es nutzt. 

Ich habe noch kein anderes Objektiv gesehen, wo man so leicht an die Blende herankommt wie bei diesem. Mit drei Schrauben ist der Gewindeanschluss ab, der auch die sonsige Übertragungsmechanik trägt. Drei weitere Schrauben halten den hinteren Teil (3 Linsen) des Objektives. Man kann die sechs Gewinde oben im Bild gut erkennen. Das ganze hat mich keine 5 Minuten gekostet, die Blendenlamellen lassen sich mit einer Pinzette leicht herausheben und nach etwas Üben auch wieder einsetzen. Bei der letzten Lamelle ist etwas Fummelarbeit gefragt, hier muss man die erste anheben und die andere darunter plazieren. Jetzt fluppt alles wieder wie früher...
Das Objektiv hat eine lange Produktionsgeschichte. Es is ein typischer Doppel-Gauss und kam Anfang der '60er als Meyer Oreston auf den Markt und wurde vom VEB Pentacon bis in die '90er als Standardoptik zur Praktica B-Serie gebaut. Es ist nach dem 20 mm Flektogon mein 2. Objektiv in M42 Fassung. Mehr zu M42 demnächst...

2014-04-07

Deutsche KB-Spiegelreflex - die komplette Statistik

Ihagee's Kine Exakta war 1936 die allererste Kleinbild Spiegelreflex und spätestens seit den 50er Jahren gilt diese Kameraform als das Nonplusultra der Fototechnik. Jeder Kameraproduzent, der was auf sich hielt, hatte irgendwann eine oder mehrere Modelle im Programm. Von Dresden aus trat die KB-SLR ihren Siegeszug an und die deutsche Kameraindustrie konnte anfangs auch durch mit ihr verbundene Innovationen ihre führende Stellung in der Welt behaupten. Wie wir heute wissen lernten die Japaner schnell, wie man gute Kameras und Objektive baut. Gerade am Beispiel Kleinbild-SLR haben sie ab Mitte der 60er Jahre den Deutschen gezeigt, wie man es besser (und billiger) machen kann.
Kleinbild-Spiegelreflex Produktion in Deutschland [akkumulierte Stückzahlen pro Jahr]
Nachdem ich neulich realisiert habe, dass die Praktica L-Serie die bei weitem erfolgreichste deutsche SLR war und es in Stückzahlen mit vielen japanischen Modellen aufnehmen kann, war mein Interesse geweckt, mal zusammen zu tragen, wieviele KB-Spiegelreflex-Kameras jemals in Deutschland gebaut wurden. Die Antwort ist: ca. 12.3 Millionen, davon 10.1 Millionen in Ost-Deutschland (die allermeisten in Dresden!) und 2.2 Millionen in West-Deutschland. Nicht mitgezählt habe ich ca. 770.000 SLR, die von den deutschen Firmen Leitz und Rollei im Ausland (Portugal bzw. Singapur) produziert wurden, sowie unzählige Modelle, die von japanischen Lohnfertigern oder Partnern auch heute noch unter ehemals deutschen Markennamen gebaut und vertrieben werden (z.B. Contax, Voigtländer Bessaflex, Exakta). Nicht berücksichtigt habe ich übrigends SLR's mit einem anderen Filmformat, z.B. Kodak's Instamatic Reflex für 126er Kasette.

Rangliste deutscher KB-SLR-Serien nach Produktionszahlen. Edixa Reflex, Icarex, Ambiflex sowie Regula Reflex  sind Schätzungen. Quellenangaben siehe unten.
Schaut man auf die deutschen SLR im Laufe der wichtigen 45 Jahre (1949-1994, davor und danach kann man zahlenmäßig die Kameraproduktion fast vernachlässigen) kommt man leicht auf über 210 verschiedene Modelle. Zur Vereinfachung meines Vorhabens habe ich diese zu 21 Kameraserien zusammengefasst. Eine Serie kennzeichnet gemeinsame Designelemente und Details. Meist wurde auf den selben Werkzeugen produziert, auch wenn die technische Ausstattung der einzelnen Kameras einer Serie über die Zeit oder auch als Preisdifferenzierung variieren konnte.

Die Güte der Informationen, die ich aus vielen verschiedenen Webseiten und Büchern zusammengetragen und gegengecheckt habe, variert. Während insbesondere die Ostdeutsche Kameraproduktion sowie Leitz und Zeiss Ikon recht gut dokumentiert sind (Quellen siehe unten), konnte ich manche Produktionszahlen nur raten. Wirgins Edixa Reflex-Serie habe ich anhand der Seriennummern und der Produktionszahlen der direkten Konkurrenten der Zeit auf ca. 400.000 abgeschätzt, auch für Agfa's Ambiflex habe ich nichts gefunden und mal einfach 50.000 angesetzt. Gleiches gilt für 20.000 Icarex. Das sind aber die größten Unbekannten, und selbst wenn man bei diesen einen Fehler von bis zu 100% annimmt, bleibt der gesamte Fehler bei den 12.3 Millionen bei unter 5%. 

Ostdeutsche Spiegelreflex-Serien, akkumulierte Stückzahl pro Jahr, die allermeisten Kameras kommen aus Dresden.
Innerhalb einer Serie bin ich durchaus auf die Modellebene gegangen und habe die Gesamtzahl auf den jeweiligen Produktionszeitraum sinnvoll aufgeteilt. Wenn keine Detialinformationen vorlagen, habe ich eine übliche Produktzyklusverteilung vorgenommen, d.h. eine kurze Phase für die Produkteinführung, eine Hochphase sowie einen Abfall am Ende des Produktlebenszyklus. Wer Details sehen möchte, kann mir unten einen Kommentar posten.
Westdeutsche Spiegelreflex-Serien, akkumulierte Stückzahl pro Jahr. Bis auf Leitz und Rollei war 1971 Schluss.

Ich denke die Grafiken sprechen für sich. Die westdeutsche Kameraindustrie ist nach ihrer Hochphase in den frühen 60ern Anfang der 70er quasi kollektiv in die Pleite geschlittert, Details kann man hier nachlesen. Die DDR-Kameraindustrie hingegen agierte a) im geschützten sozialistischen Wirtschaftsraum mit seinen eigenen Gesetzen und hatte b) mit dem Schlitzverschluss von Anfang an das bessere technische Konzept um sich zu behaupten. Deutlich erkennt man an der Grafik auch die Einführung der Fließbandproduktion bei Pentacon in Dresden ab 1965, die erst den zahlenmäßigen Erfolg der Praktica L-Serie in den 70er und 80er Jahren ermöglich hat. Die letzte in Deutschland in Serie produzierte Kleinbild SLR hieß Praktica BX20S und wurde 2001 eingestellt.

Quellen: 1) Dresdner-Kameras 2) Lausch41 3) wirgin.info, anusf.anu.edu.au 4) praktica-collector.de 5) designundphoto.de 6) Taunusreiter 7) Kodak-König 8) Leica-Camera-Forum 9) RType 10) Praktina.com 11) Agfa-Ambiflex 12) Retinarescue 13) Taunusreiter 14) Lausch41 15) Rolleiclub 16) Pacificrimcamera.com 17) UKCamera 18) Braun-Paxette 19) Wctatel 20) RegulaReflex 21) Taunusreiter

German 135 film SLR - the complete statistics
It was in 1936 when Ihagee's Kine Exakta appeared: The very first 135 film SLR.  At least since the '50ies, this camera type is considered the ultimate form of photo technology. At some point each camera manufacturer with some reputation  had one or more models in his program. It started out in Dresden and the German camera industry used innovations in particular related to SLR to maintain its leading technology position. As we know today the Japanese learned quickly how to build good cameras and lenses. Starting in the mid '60ies, especially by the example of 135 film SLR's they showed the Germans how to do it better ( and cheaper).
135 film SLR production in Germany [accumulated quantities per year].
Just recently I realized that the Praktica L-series was by far the most successful German SLR. By production numbers it can even compete with many successful Japanese models. Anyhow, my interest was piqued to compile an overview, how many 135 film SLR cameras ever have been built in Germany. The answer is: about 12.3 million, the majority of 10.1 million in East Germany (most of them in Dresden!) and 2.2 million in West Germany. Not included are about 770,000 SLRs, which were produced abroad by the German companies Leitz and Rollei (in Portugal and Singapore, respectively), as well as countless models that were built by Japanese contract manufacturers or partners using former German brand names (for example, ContaxVoigtlander Bessa FlexExakta). Also not taken into account were SLR's with a different film format, such as Kodak's Instamatic Reflex for 126 cartridge.
Ranking of all German 135 film SLR series. Praktia L series includes Exakta RTL1000.
Edixa Reflex, Icarex, Ambiflex and Regula Reflex are estimates. Sources for all others see below.

Looking at the German SLR production over the important 45 years (from 1949 to 1994, before and after camera production numbers can be almost neglected) easily over 210 different models can be counted. To simplify my project, I combined them into 21 camera series. A series defines itself by common design elements and details. Most were produced on the same tools, even when the technical features of the individual models changed within a series over time or variances were used for price discrimination.


East German SLR series, accumulated number of units per year, the vast majority of cameras came from Dresden.
The quality of the information varies. I have used many different websites and books and tried to check for plausibility when applicable. In particular, while the East German camera production as well as Leitz and Zeiss Ikon are fairly well documented (see sources below), I could only guess some other production numbers. Wirgin's Edixa Reflex series I have estimated based on known serial numbers and production figures of direct competitors to be about 400,000. Similarly, for Agfa's Ambiflex I have found nothing and simply stated 50,000. The same goes for 20,000 Icarex. But these are the biggest unknown figures, and even if an error of up to 100% for these is assumed, the total error within the 12.3 million is less than 5%. If somebody finds an error in my numbers or have a better estimate with some proof, I'm happy to correct it here. Please send an e-mail to knippsen@icloud.com or post a comment below.

Within a series, I even went down to the model level and distributed the total production number in a meaningful manner across the particular production period. Where no details were available I've used a typical product cycle distribution: a short phase for the launch, a peak period and a drop at the end of the product life cycle. Anybody who wants to see details can post me a comment below.
West German SLR series, accumulated number of units per year.
Except for Leitz and Rollei 1971 was the final year of production.

I think the graphics speak for themselves. After its heyday in the early 60ies the West German camera industry more or less collectively slipped into bankruptcy in the beginning of the 70ies, details can be read here. The East German camera industry, however, acted a) in the protected socialist economic area with its own laws and b) had from the beginning the better technical concept (focal plane shutter) to assert itself. In addition, the introduction of the assembly line production process at Pentacon in Dresden in 1965 can clearly be recognized in the graphics. Without this the success of the Praktica L-series in the 70s and 80s would not have been possible. The last produced SLR in Germany was called Praktica SLR BX20S and was discontinued in 2001.