2013-12-24

100000 Besuche...


Für die ersten 50000 Besuche habe ich 26 Monate gebraucht, für die zweiten nun nur 14 Monate! Und dass ich die 100000 genau am Heiligen Abend reiße, ist ein besonderes Highlight. Viele andere Blogs lachen über solche Zahlen, ich selbst bin aber einigermaßen stolz über ca. 100 Besuche pro Tag. Danke für's Vorbeischauen! Zum Jubiläum gab's einen neuen Header, hat das jemand bemerkt?

Nun sind 18 der bisher 217 Posts in englisch, die Quote ist sogar seit den 50000 zurückgegangen, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, noch mehr "international" zu publizieren. Nun, mal sehen. Frohe Weihnachten!

2013-12-09

Verschlusszeitentest (2)

Neulich wollte ich mal wieder die Verschlusszeiten einer meiner Kameras testen (Petri Automate, ich hatte den Verschluss gereinigt und überhaupt erst wieder gangbar gemacht), da versagte mein Verschlusszeitentester, eine Lötstelle war gebrochen. Natürlich hätte ich den Lötkolben rausholen können, aber ich hatte in dem Moment keine Lust dazu. Ich hatte nämlich eine Idee! Warum nicht meine Digitalkamera als Referenz verwenden, eigentlich sollten deren Verschlusszeiten 100%ig genau sein (bewiesen habe ich das bisher nicht). Ich habe also erste vielversprechende Tests gemacht und dann per googlen festgestellt, dass auch andere diese Methode schon angewendet haben. Dennoch hier nochmal kurz meine Methode in zwei verschieden komplizierten Ausprägungen.

Aufbau und Technik
Man benötigt eine Digitalkamera, bei der man die Verschlusszeiten manuell einstellen kann, außerdem ist für Methode 1) die Anzeige des Histogramm auf dem Kameradisplay Voraussetzung. Ein Objektiv braucht die digitale nicht, es geht sogar besser ohne. Ich habe aus einem Zwischenring, einem UV-Filter, etwas Pappe und schwarzem Isolierband einen Adapter gebastelt, der es erlaubt die Kamera ohne Gefahr für den Sensor an die Stelle des Films der Testkamera zu halten, und das fast lichtdicht. Die Fotos links von Adapter und Kameranordnung sollten genügen, so etwas entsprechend nachzubauen.

Kalibrieren 
Bevor man Verschlusszeiten messen (eigentlich: vergleichen) kann heißt es eine Kalibrierreihe aufnehmen.  Dazu bringt man die Kameras in Messanordnung und stellt den Verschluss der Testkamera auf "B". Dann nimmt man eine Reihe von (möglichst unscharfen) Fotos einer gleichmäßig ausgeleuchteten Fläche auf. Dazu wählt man die Sensorempfindlichkeit, Ausleuchtung und Blende der analogen Testkamera so, dass bei einer mittleren Verschlusszeit an der Digitalkamera (z.B. 1/60 Sekunde) die Belichtung stimmt. Das ergibt als Bild eine mittelgraue Fläche mit einem Helligkeitswert von ca. 127 (0 ist Schwarz und 255 Weiß, zu ermitteln mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop oder Gimp und vielen anderen). Wenn man jetzt eine Verschlusszeiten-Reihe aufnimmt, erhält man eine Kurve wie meine ganz oben. Wie man sieht ist die Kurve im mittleren Bereich über ca. 3 Blendenstufen linear, was man wunderbar für meine Methode zur Bestimmung der wirklichen Verschlusszeit ausnützen kann.

Messen 
Die eigentliche Messaufnahme geht dan andersherum: Man schließt zunächst den Verschluss der Testkamera, stellt die Digitalkamera auf 1 oder 2 Sekunden. Dann löst man erst diese aus und kurz darauf die Testkamera mit der zu testenden Verschlusszeit. Den Grauwert des resultierenden Fotos vergleicht man dann mit den Grauwerten der Kalibrierreihe und ermittelt so die tatsächliche Verschlusszeit (nicht absolut, sondern im Vergleich zur Digitalkamera). Hierzu gibt es wie gesagt (mindestens) zwei Methoden:

Auswerten (1), die Quick'n'Dirty Methode
Man klebe eine transparente Folie (z.B. Displayschutzfolie) auf das Kameradisplay und anhand der angezeigten Histogramme der Testfotos kann man mit einem Folienstift darauf markieren, was jeweils Unter- oder Überbelichtung ausmachen. Bei mir sah das so wie auf den Fotos aus. Dann sucht man sich eine Basis-Verschlusszeit aus und stellt Blende und/oder Empfindlichkeit so ein, dass ein mittlerer Grauwert resultiert, sprich das Histogramm zeigt Null. Jetzt werden wie oben beschrieben die Messaufnahmen gemacht, man kann wegen der Linearität 3 Verschlusszeiten zu einer Basis testen (z.B. Basis: 1/60, Test: 1/30, 1/60, 1/125). Man liest nun den jeweiligen Blendenwert für die Messaufnahmen aus dem Histogramm ab und erhält durch Vergleich mit der Basis-Verschlusszeit die tatsächlichen Verschlusszeiten der Messaufnahmen. Den ersten Teil der Formel unten kann man dazu verwenden.  Beispiel: Tb= 1/30 s, Sollzeit: 1/25s (z.B an meiner Petri). Messaufnahme zeigt 2/3 Blendenstufen Überbelichtung, ergibt (1/30)*2^(2/3)= 1/19 s.
Formel (1): Verschlusszeit Tx in Abhängigkeit von Basis-Verschlusszeit
und Belichtungsdifferenz B in Blendenstufen. H sind die jeweiligen
Helligkeitswerte im Histogramm und k die Steigung der Kalibriergerade.
Auswerten (2), die Bildanalyse-Methode
Das Ganze kann man natürlich auch etwas genauer und ohne Folienstift haben. Per linearer Regression bestimmt man die Steigung k der Geraden, die den Zusammenhang zwischen Belichtungsdifferenz und Helligkeitswert im mittleren Bereich der obigen Kurve beschreibt (Kalibrierung mit den bekannten Verschlusszeiten der Digitalkamera). Formel (1) gibt dann die Verschlusszeit der Testkamera Tx beim entsprechenden Helligkeitswert des Testbildes Hx. Mit Excel kann man das wunderbar automatisieren.

Eine kleine Fehler-Betrachtung
Die ganze Methode funktioniert natürlich nur, wenn die Digitalkamera tatsächlich exakte Verschlusszeiten liefert. Ich sehe allerdings keinen Grund daran zu zweifeln. Ich habe meine mit einem Handbelichtungsmesser verglichen und bei LW12 sagen beide das selbe. Wenn man darauf achtet, dass das Referenzbild tatsächlich ein mittleres Grau (H=127) hat und die eigentlichen Messungen Grauwerte zwischen ca. 64 und 200 aufweisen (linearer Bereich), dann halten sich die Fehler in recht engen Grenzen. Die größte Ungenauigkeit kommt wohl von ungleichmäßiger Ausleuchtung des Bildes, bzw. Vignettierung zu den Rändern hin. Dies führt zu einer mehr oder weniger breiten Helligkeitsverteilung im Histogramm und nicht zu einem einzelnen Wert. Man kann aber in Methode (1) die Spitze des Histogramms verwenden und in Methode (2) einen Helligkeitswert aus dem Bildzentrum verwenden. Für die Quick’n’Dirty Methode würde ich mal aus der Hüfte eine Genauigkeit von etwa einer 1/3 Blendenstufe abschätzen, für die Bildanalysemethode je nach Aufwand bis zu 1/20 Blendenstufe (5%). Interessanterweise ist das unabhängig von der eigentlichen Verschlusszeit und damit komplimentär zur absoluten Methode mit Diode und Oszilloskop/Soundkarte. Diese ist sehr genau bei langen Verschlusszeiten, weil der absolute Fehler abhängig ist von der Auflösung des Oszilloskops. Relativ gesehen wird dieser Fehler bei kürzer werdenden Verschlusszeiten immer größer. Bei der hier beschriebenen Methode ist der relative Fehler immer gleich und damit ist sie für die kurzen Zeiten besser geeignet als die andere und für die langen Zeiten immer noch gut genug.

Messergebnisse Petri Automate

Wie man sieht, ist das alte Schätzchen nur bei den langen Zeiten akurat, schon ab der 1/10 sec wird regelmäßig überbelichtet. Aber wenn man bedenkt, dass sie noch vor kurzem gar nicht auslösen wollte, doch recht gut. 

2013-12-01

Olympus XA

Hier mal wieder ein echter Meilenstein der Kamerageschichte. Der vierte Geniestreich von Yoshihisa Maitani nach Olympus PEN (1959), Olympus PEN F (1963) und Olympus OM1/OM2 heißt Olympus XA. Das Ding sieht zumindest in geschlossenem Zustand so gar nicht wie eine Kamera aus, ist aber die kleinste Messucher-(!) Kamera für das Kleinbildformat und hat dabei noch einiges an Features eingebaut. Das Design ist konsequent auf Jacken- oder sogar Hosentaschentauglichkeit ausgelegt, die stabile Kunststoffhülle läßt keinerlei Bereitschaftstasche vermissen und der ovale Objektivschutzschieber schmeichelt im geschlossenen Zustand den Händen. 
Maitani hat trotz der vorgegebenen Kompaktheit, die Zeit seines Designerlebens erklärtes Ziel war, eigentlich kaum Kompromisse gemacht. Das Objektiv durfte trotz 35 mm Brennweite bei f/2.8 nicht aus der nur 39.5 mm tiefen Kamera herausragen, von Filmebene bis Frontlinsenspitze wurden es am Ende sogar nur 33.6 mm. Eine harte Nuss, die Olympus' Objektivdesigner Toshihiru Imai und Yoshisada Hayamizu durch eine "reverse Retrofokus"-Konstruktion lösten. Es war das erste Mal, dass so etwas für ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Um dennoch exzellente Abbildungseistungen zu erzielen, mussten hochbrechende Gläser her. Das Ergebnis überzeugt, wie z.B. dieser Test beweist. Damit nicht genug: Wegen des Objektivschiebers durfte sich natürlich auch nicht der Auszug beim Fokussieren verändern. Innenfokussierung war die Lösung, die XA war die erste kommerzielle Kamera, bei der dieses Prinzip in einem eingebauten Objektiv angewendet wurde. 

Olympus schärfster Wettbewerber war die Minox 35 Serie, die tatsächlich kleinste Vollformat-35 mm Kamera, allerdings ohne Messucher! Olympus brachte im Laufe der Jahre noch weitere XA-Modelle, um im Wettbewerb zu bestehen, was durchaus gelang. Interessanterweise sind die "Nachfolger" XA1 bis XA4 allesamt schlechter ausgestattet als die originale XA. Kein Modell hatte mehr den Messsucher und auch die Objektivkonstruktion wurde einfacher. Die XA1 war ein seltsamer Rückschritt in die 60er Jahre mit Selenzelle, ein Einstiegsmodell mit alter EE-Technologie im XA Gehäuse. Die XA2, später zur XA3 upgegraded war das kommerziell erfolgreichste Modell. Die XA4 hatte ein 28mm Weitwinkel und eine Naheinstellgrenze von nur 30 cm und wurde konsequent als Makro-Kamera beworben. Alles das kann man auf DER XA Website nachlesen, auch hier nimmt die einzig wahre, sprich originale XA den meisten Raum ein.


Meine XA habe ich als defekt für $15 auf einem Kamera-Flohmarkt gekauft, ohne Batterie konnte ich dort auch nicht nachprüfen, was alles funktioniert und was nicht. Nach etwas Basteln (es gibt ein Repair-Manual im Netz) und Einsetzen von zwei 675er Hörgeräte-Batterien (funktioniert, die Kameraelektronik braucht >2.2V) habe ich sie inzwischen fotografierbereit. Lediglich das Drehspulelement zur Nadelanzeige der Verschlusszeit im Sucher verweigert seinen Dienst, der Verschluss arbeitet aber anscheinend korrekt. Bei Gelegnheit werde ich mal einen Film verknippsen.
 
Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv F.Zuiko 35 mm f/2.8 (6 Linsen in 5 Gruppen, reverser Retrofokus).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, stufenlos 10s bis 1/500s, automatisch nach Blendenvorwahl.
Belichtungsmessungeingebaut(CdS), 25-800 ISO/ASA. 
Fokussierung Manuell mit Schieber unter dem Objektiv bis 2.8ft (0.9m),  Messsucher als präzise Scharfstellhilfe.
Sucher Messsucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Nadelanzeige der Verschlusszeit auf der linken Seite.
Blitz externer Systemblitz A11 zum Ansetzen an die linke Kameraseite, Blitzautomatik bei Blende 4 oder manuelle Blendeneinstellung nach Leitzahl und Entfernung.
Filmtransport Daumenrad, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Kombischalter für Gegenlichtkorrektur (+1.5), Batterietest und Selbstauslöser,  Stativgewinde, Objektivschutzschieber schaltet Kamera aus.
Maße, Gewichtca. 102/65/40 mm, 225g.
Batterie 2 x LR44/SR44 oder kompatible (2.2-3V)
Baujahr(e)1979-1985
Kaufpreis, Wert heute¥35,800 US$165 300DM (1979),  ca. US $50-$150
LinksInstruction Manual (E, G, F, S), DIAXA (XA Fan website), Olypedia, Review from Modern Photography 1979, A11 flash manualXA at Japan Camera Hutner, Matt Denton,  Karen Nakamura,  Cameraquest

2013-11-28

Konica C35V


Ihre drei Jahre ältere Schwester Konica C35 setzte 1968 Maßstäbe für kompakte Kleinbild-Messsucherkameras mit eingebauter automatischer Belichtungssteuerung. Fotografieren war nie zuvor einfacher und dabei ist das Ding so kompakt, dass man es immer dabei haben kann. Heinz Wasske's Rollei 35 war zwar immer noch kleiner, aber deutlich fummeliger und auch teurer. Konica's Ingenieure schafften es, alles Wesentliche in ein superkompaktes Gehäuse zu packen, das dennoch maximal ergonomisch ist und gar nicht gedrängt wirkt. Schlüssel dafür ist sicher der elektronisch gesteuerte Verschluss, der mit allen Einstelloptionen im Ring um das exzellente Objektiv angeordnet ist. Was natürlich fehlt ist manuelles Eingreifen, nur für's Blitzen kann man die Blende wählen.


1971 entschied sich Konica die Serie in zwei Modelle zu teilen. Als Basismodell kam diese C 35 V (in Japan C35 E&L), man hatte der C35 einfach den Messsucher genommen und durch ein einfaches Entfernungszonensystem ersetzt, außerdem fehlt der Selbstauslöser. Das Topmodell bekam das sog. Flashmatic-System (Leitzahlen-Blitzautomatik) dazu und hieß fortan C35 automatic. Alles das im selben, kompakten Gehäuse. Ende 1972 kam dann zusätzlich die Auto S3 mit 1.8/38 Objektiv, für viele die beste Sucherkamera, die Konica je gebaut hat.

Blick durch den Sucher mit Verschlusszeiten/Blenden-Kombination rechts
und Einspiegelung der Entfernungszone rechts unten in der Ecke.

Ab 1977 wurde mit der C35EF auf ein neues Gehäuse aus Kunststoff und eingebauten Blitz umgestellt. Dies war dann 1978 die Basis für die  Konica C35AF, die erste kommerzielle Kamera mit Autofokus auf dem Markt. Die kompakte Anmutung hatten diese Kameras aber leider nicht mehr. Insgesamt eine überaus erfolgreiche Serie, ich habe leider keine Produktionszahlen gefunden, die das belegen konnten. Nach dem Produktionsende der ursprünglichen C35-Serie haben andere sehr ähnliche Kameras weiterhin angeboten. Vermutlich hatte Konica das Design lizensiert und auch Werkzeuge an die Nachfolger überlassen (z.B. Chinon). 

Als die C35V 1971 für ca. 250 DM auf den Markt kam war sie nicht mehr die einzige japanische Perle dieser Art. Man sehe sich nur die Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971) oder Minolta Hi-Matic F (1972) an. Da sah eine Zeiss Ikon Contessa S310 richtig alt aus mit ihren 330 DM und 100g mehr auf den Rippen, auch wenn man den deutschen Ingenieuren durchaus guten Willen und die richtige Richtung attestieren muss. Die Japaner waren damals eben schon weiter.


Datenblatt kompakte automatische KB-Sucherkamera
Objektiv Hexanon 38 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen, Tessar Typ).
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss Copal B mat, stufenlos 1/30 bis 1/650s kombiniert mit der Blendenlamellen
Belichtungsmessungeingebaut(CdS), 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN). 
Fokussierung Manuell am Objektiv (1 m-unendl.) in 3 Zonen, Entfernungszonen-Anzeige im Sucher.
Sucher Optischer Sucher, eingespiegelter Bildausschnitt mit Parallaxenmarkierungen, Anzeige von Blenden-/ Verschlusszeiten-Kombination und Entfernungszone.
Blitz Mittenkontakt (X) im Zubehörschuh.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde.
Maße, Gewichtca. 112/70/52 mm, 340g.
Batterie 1 x PX-675 (oder entspr. Zn-Luft).
Baujahr(e)1971-1976
Kaufpreis, Wert heute£41.48 = ca. 250 DM (1974) ca. US $20
LinksInstruction Manual (C35, english), Mike Elek, C35 Repair Manual (Explosionszeichnung)Collection Appareils Konica Timeline, Camera-Wiki

2013-11-24

Zeiss Ikon Contessa S310

Diese Kamera war 1971 einer der letzten Versuche vonZeiss Ikon, der deutschen und internationalen Kundschaft das zu geben, was der Markt verlangte. Dabei stammte das Design von Voigtländer, die Mitte der 60er Jahre mit Zeiss Ikon fusionierten. Nachdem Zeiss Ikon 1972 die Kameraproduktion in Deutschland einstellte undVoigtländer an Rollei verkauft wurde, produzierten diese die Schwestermodell Voigtländer VF 101 noch bis 1976 in Singapur. Wer wissen will, wie diese Kamera(s) von innen aussehen, kann sich dieses sehenswerte YouTube-Videoansehen.
Technisch gesehen hatte die Contessa S310 einiges zu bieten. Immerhin eine Zeitautomatik nach Blendenvorwahl, ein elektronisch gesteuerter Verschluss bis zur 1/500 sec. Dazu ein anerkannt gutes Objektiv (Tessar), wie es mit dieser Brennweite auch in der Rollei 35 zu finden war. Gute Bilder waren also schonmal garantiert. Neben den Features, die jeder erwartet (Blitzschuh, Selbstauslöser, Stativgewinde, Bildzählwerk) gab es als Gimmik einen Super-Info Sucher, mit Anzeige von Blende (oben), Verschlusszeit (rechts) und eingestellter Entfernung (links). Was es nicht gab: die Scharfstellhilfe, die war als Messsucher dem hochwertigeren Schwestermodell S312 vorbehalten.
This camera was in 1971 one of the last attempts by Zeiss Ikon to give the German and international customers what the market demanded. The base design was developed by Voigtländer, who merged with Zeiss-Ikon in the mid-60s. After Zeiss Ikon ceased camera production in 1972, and Voigtländer was sold to Rollei, they kept producing its sister model Voigtländer VF 101 until 1976 in Singapore. If you want to know how these camera(s) look from the inside, view this nice YouTube video.
Technically, the Contessa S310 had a lot to offer. After all, it offered an aperture priority auto exposure mode with an electronically controlled shutter up to 1/500 sec. In addition, a highly regarded lens (Tessar), with a little wider standard focal length of 40 mm, as also found with the Rollei 35. Therefore, good image quality was guaranteed in advance. In addition to the features everyone expects (hot shoe, self-timer, tripod mount, frame counter) there was a Super-Info viewfinder with displays of selected aperture (on top), (automatic) shutter speed (on the right) and set distance (left). Missing: a focusing aid, which was reserved for the high-end sister model S312 and realized as a classic rangefinder.

Am Markt taten sich diese beiden Zeiss Ikon Kameras made in Stuttgart vermutlich schwer. Die Konica C35 war 1968 die erste wirklich kompakte Kamera in dieser Klasse, es folgten mit der Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971)oder Minolta Hi-Matic F (1972) andere attraktive Modelle, die vermutlich alle weniger als die geforderten 330 DM gekostet haben. Mein Favorit aus dieser Serie wäre die Olympus und die kostete zur Markteinführung ¥22,300 (ca. 230 DM). Tja, dem hatte die deutsche Kameraindustrie nichts anderes entgegenzusetzen als Dichtmachen oder die Produktion nach Fernost verlagern, wie einigermaßen erfolgreich von Rollei praktiziert.
Mein Exemplar hier habe ich von der Heilsarmee in Austin, TX über e-bay für nur $23.24 (inklusive Versand) gekauft. Das Ding war ganz schön verstaubt und die vier PX625 Batterien waren auch hinüber. Diese lassen sich aber leicht durch eine Li-123 Zelle ersetzen (man muss nur den roten Batteriehalter mit einem kleinen Schraubenzieher entfernen), und voila, der Belichtungsmesser arbeitete wieder. Nach einer Grundreinigung habe ich also ein funktionierendes Modell für meine Sammlung und ich werde bei Gelegenheit nochmal einen Film damit verschießen...
On the market these two Zeiss Ikon cameras ​​probably had a hard time to find customers. The Konica C35 1968 was the first truly compact camera in this class, followed by the Olympus 35 RC (1970), Ricoh 500G (1971) or Minolta Hi-Matic F (1972). These were very attractive cameras, which all of them probably cost less than 330 DM Zeiss asked for the S310. My favorite in this series would be the Olympus which was launched at ¥ 22.300 (about 230 DM). Well, the German camera industry had nothing to oppose other than shut-down or move production to the Far East, as reasonably successfully practiced by Rollei.
My camera here I got on ebay from the Salvation Army in Austin, TX for only $ 23.24 (including shipping).The thing was pretty dusty and the four PX625 batteries were more than dead. These can be easily replaced but by one Li-123 cell (you just have to remove the red battery holder with a small screwdriver), and voila, the light meter was working again. After a thorough cleaning I have a working model for my collection, and at some point I will shoot a film...

Datenblatt kompakte automatische Sucherkamera
Objektiv Carl Zeiss Tessar 40 mm f/2.8 (4 Linsen in 3 Gruppen).
Verschluss Zentralverschluss Prontor 500 S electronic, stufenlos bis 1/500s (Zeitautomatik nach Blendenvorwahl)
Belichtungsmessung eingebaut(CdS), 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv (0.9 m-unendl.), Entfernungszonen-Anzeige im Sucher.
Sucher Optischer Sucher, eingespiegelter Bildausschnitt ohne Parallaxenmarkierungen, Anzeige von Blende und Verschlusszeit sowie Entfernungszone.
Blitz Mittenkontakt (X) im Zubehörschuh.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Selbstauslöser, Batterietest-Taste.
Maße, Gewicht ca. 105/75/55mm, 445g (mit Batterie).
Batterie 4 x PX-625 (nach Umbau: Li 123).
Baujahr(e) nur 1971, daher relativ selten
Kaufpreis, Wert heute ca. 330 DM (1971), ca. US $100
Links Instruction Manual (english), Mike Elek, 35mm-compact.com (französisch), Bedienungsanleitung (deutsch), Collection Appareils, Zeiss Ikon in der Wikipedia

Data Sheet Compact Auto-Exposure Viewfinder Camera
Lens Carl Zeiss Tessar 40 mm f/2.8 (4 elements in 3 groups).
Shutter Leaf shutter Prontor 500 S electronic, continuously up to 1/500s (aperture priority auto-exposure)
Metering CdS cell, 25-400 ISO/ASA (15-27 DIN).
Focussing Manually at the lens (3 feet up to inifinity), distance zone display in viewfinder.
Viewfinder optical viewfinder with image frame, no parallax markings. Displays for shutter speed, aperture and distance zone.
Flash Hot-shoe (X).
Film advance Advance lever, frame counter.
misc. Features ISO-thread for cable release, tripod mount, self-timer, battery test button.
Size, Weight ca. 105/75/55mm, 445g (with battery).
Battery 4 x PX-625 (after conversion: Li 123).
Year(s) of Production only 1971, hence quite rare
Original Price, Today's Value about 330 DM (1971), about US $100
Links Instruction Manual (english), Mike Elek, 35mm-compact.com (französisch), Bedienungsanleitung (deutsch), Collection Appareils, Zeiss Ikon in der Wikipedia

2013-11-21

Halbformat - Half-Frame Format



Mein erster 35 mm Film im Halbformat ist fertig und von Entwicklung und Digitalisieren bei photoplaceonline.com zurück. Fotografiert habe ich natürlich mit meiner Olympus PEN F und dem exzellenten Standard-Objektiv 40 mm f/1.4 (dazu später mal mehr). Ausgewählte Bilder sind hier zu begutachten, einfach auf die Bilder klicken um eine größere Abbildung zu sehen. Das Korn des 400 ASA Kodak Ultramax ist doch schon recht deutlich zu sehen. Das halbe Bildformat bedeutet halt nicht nur doppelt soviele Aufnahmen pro Film, sondern auch doppeltes Korn oder halbe theoretische Auflösung bei gleicher Größe der Abzüge. Unabhängig von der unbestreitbaren hohen Qualität des Olympus PEN F Systems ist dies ein nicht wegzudiskutierender Nachteil, der sicher auch entscheidend dazu beigetragen hat, dass das Halbformat nur eine kurze Blüte erlebte. Die Diskussion um Vor- und Nachteile verschiedener Bildformate ist im Moment aktueller denn je und irgendwie scheint sich Geschichte zu wiederholen. Olympus setzte mit ihrer digitalen PEN Serie und dem 4/3-Sensor (quasi ein Viertelformat) wiedermal einen Trend zu wirklich kompakten Systemkameras. Andere ziehen mit APS Sensoren (so gut wie Halbformat, z.B. Sony NEX, Fujifilm X) nach und schließlich stehen diese Tage sogar recht kompakte Vollformat-Kameras (Sony A7) in den Startlöchern. Wenn deren Preise deutlich nachgeben, werde vielleicht sogar ich schwach. Es gilt eben: Was der Hubraum für die automobile Motorisierung, ist das Bildformat für die Fotografie.
My first 135 film in half-frame format is ready and back from development and digitizing at photoplaceonline.com. Of course I shot it with my Olympus PEN F and the excellent standard lens 40mm f/1.4 (more on this later some time). Selected images can be looked at here here, simply click on the images to see a larger picture. The grain of 400 ASA Kodak Ultramax's quite obvious already. Half the image area does not only mean twice as many frames per film, but also double the grain or half the theoretical resolution (at same sized prints). Regardless of the undeniable high quality of the Olympus PEN F system this is a indisputable disadvantage which certainly contributed decisively to the relatively brief flowering of the half-frame format. The discussion about the advantages and disadvantages of different formats is actually more relevant than ever, and somehow history seems to repeat itself. Olympus continued with its digital PEN series and the 4/3-sensor (more or less a quarter-frame format) and again set a trend towards truly compact system cameras. Others prefer APS sensors these days (more or less half-frame format, eg Sony NEX, Fujifilm X). And finally, there might even come quite compact full-frame cameras (Sony A7). If the prices continue to decrease, maybe even I'll faint. It is just: What the engine displacement for the automobile is the film area for the photograph.

2013-11-13

Olympus PEN F

Mein Projekt PEN ist noch lange nicht abgeschlossen, aber ein gewisser Zwischenstand ist erreicht. Wie ich schon berichtet habe, habe ich aus zwei defekten PEN F eine funktionierende gebastelt, das Standardobjektiv ist auch eingetroffen, ein Belichtungsmesser auch (funktioniert leider nicht) und ich habe den ersten Film "durchgezogen". Das ist sie also, die erste und einzige Halbformat-Spiegelreflexkamera (es gibt natürlich noch ihre jüngeren Systemschwestern in gleichem Gehäuse). Ich habe sie hier mal als Meilenstein der Kamerageschichte gelabelt, auch wenn man darüber streiten kann. Definitiv ist sie ein Design-Highlight, sowohl in technischer (Rotationsverschluss, Porro-Prisma) als auch in ästhetischer Hinsicht. Für mich ist sie aktuell die schönste meiner Kameras (die häßlichste ist hier). Allerdings war Olympus zwar erfolgreich, aber relativ allein am Markt mit ihrem Halbformatvorstoß für kompakte Kameras in den 50er und 60er Jahren. Eigene Patente insbesondere für ihre Flagschiffe der PEN-F Serie verhinderten, dass andere auf den Zug aufsprangen und ein Boom blieb aus. Bei Sammlern erfreut sich die Serie und insbesondere die Objektive heute einer großen Beliebtheit, was die Preise hochhält. Ich selbst bin infiziert, und werde wohl Halbformat und kompakte Kameras zu einem Schwerpunkt meiner Sammlung machen.
mit aufgesetztem System-Belichtungsmesser (CdS)


Datenblatt kompakte Halbformat (18x24mm) SLR
Objektiv Olympus PEN Wechselbajonett, insgesamt 18 Systemobjektive verfügbar. G.Zuiko Auto-S 40 mm f/1.4 (7 Linsen in 6 Gruppen).
Verschluss Mechanischer Rotationsverschluss mit 1 - 1/500 Sek. und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten.
Belichtungsmessungmit aufsteckbarem System-Belichtungsmesser (CdS).
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflexsucher mit Mattscheibe und Mikroprismen im Zentrum.
Sucher Spiegelreflex mit Porroprisma.
Blitz Anschluss für Blitzkabel, Aufsteckschuh als Zubehör erhältlich.
Filmtransport mittels Spannhebel, zwei Züge erforderlich.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Bajonett zum Aufstecken eines Belichtungsmessers auf's Zeitenrad, Ablendtaste am jeweiligen Objektiv.
Maße, Gewichtca. 130/70/70mm, 438 (606)g (o/m Objektiv).
Batterie keine, (Belichtungsmesser: PX-625).
Baujahr(e)1963-1966, insgesamt 190.000 Einheiten
Kaufpreis, Wert heuteUS$149.90 (1963),  ca. $50 (ohne), $250 mit Objektiv
LinksBedienungsanleitung (english), Claus Marin's Olympus e-book(PDF), Chris Maddock's PEN collection, Frank Mechelhoff's kleine Geschichte des Halbformats,
Yoshihisa Maitani's Artikel über PEN-F design

2013-11-12

In eigener Sache...

Seit gestern gibt es hier im Blog etwas Neues: Die Kameras werden zumindestens was das Titelfoto angeht nun stets aus der selben Perspektive (zentral von schräg oben), mit stets dem selben Maßstab und konstanter, ausgewogener Belichtung dargestellt. Eben genauso, wie das Bild oben vom Zollstock und dem Filmdöschen.
Das Bild zeigt einen Ausschnitt in der Schärfeebene von ca. 23.1x17.3 mm und wird hier im Blog mit 640x480 Pixeln dargestellt (70 dpi). Viele frühere Monitore besaßen ungefähr diese Auflösung, d.h. die Kameras werden dann in Originalgröße dargestellt. Moderne Monitore haben höhere Auflösungen, die Kameras erscheinen dann natürlich kleiner als im Original.
Zum Vergleich der Kameras untereinander taugt das neue System aber allemal. Schaut Euch einfach mal die Beiträge zur Hit (kleinste) und Rolleiflex (bisher größte) im Vergleich an. 

Set-up zur Aufnahme der Fotos mit zwei 150W Tageslicht Studioleuchten
Auch meinen digitalen Workflow zur Aufnahme und Verarbeitung der Bilder habe ich standardisiert. Bisher war es mehr oder weniger Glücksache oder Tagesform, ob die Bilder wirklich gut wurden. Für die meisten Bilder verwende ich mein Olympus 35 mm Makro f/3.5 bei Blende 11, 100 ISO und 1/8 sec. Belichtungszeit. Die Einstellungen in meiner Olympus PEN E-PL1 stehen auf (C)ustom (hoher Kontrast und Schärfe, niedrige Sättigung und normale Gradation). Bilder speichere ich als JPG (Ln).
Diese werden per GIMP in drei Schritten bearbeitet: 1) Bildgröße auf 2000x1500 Pixel reduzieren, 2) Weißpunkt auf 240 setzen (damit wird der Hintergrund rein weiß), 3) als PNG abspeichern (nur so wird im Blog der Hintergrund auch wirklich weiß dargestllt, JPG direkt funtioniert aus unerfindlichem Grund nicht). Das Ganze kann man in GIMP auch batchweise auf eine ganze Reihe von Fotos anwenden. Gestern waren es bei mir 78. 

2013-11-09

Braun Paxette Ib


Meine Vorliebe für kompakte Kameras ist sicher schon aufgefallen, da darf natürlich die Paxette nicht fehlen. Mit dieser schicken Kleinbildkamera stieg die später hauptsächlich für ihre Diaprojektoren bekannte Firma Braun ins Fotogeschäft ein. Das Carl Braun Camerawerk in Nürnberg entstand 1948 bei der Währungsreform auf den Überresten der Karl Braun KG, die schon seit 1915 Metallwaren und optische Geräte (z.B. Ferngläser) fertigte. Ab 1948 baute man zunächst Box-Kameras und 1950 kam dann das erste eigene Nachkriegsdesign - die Friedenskamera - oder Paxette (wie die Lateiner sagen würden).  Nach dem ersten Modell hier (diese ist von 1952, Variante 1b) folgten in den 50er Jahren verschiedene verbesserte Modelle, ab dem Modell 2 auch mit Wechselobjektiven (M39, allerdings nicht Leica-kompatibel). Das Modell 1b wurde als Einstiegsmodell noch bis 1956 für 99 DM verkauft, insgesamt galt die Paxette wegen ihrer soliden Bauweise und unschlagbarem Preis-/Leistungsverhältnis als "Volksschullehrer-Leica".


Technisch gesehen hat die Kamera alles Wesentliche an Bord und auch sonst noch das eine oder andere Extra (siehe Tabelle unten). Die 1b hier ist keine Messsucherkamera, die Entfernung muss also geschätzt werden, der Entfernungsmesser kam erst mit Modell 1M im Jahre 1953. Das zweite Fenster neben dem Sucher ist etwas, was ich hiermit zum alleresten Mal in der Hand gehabt habe: ein optischer Belichtungsmesser. Schaut man in das rechte Fensterchen auf der Kamerarückseite sieht man meist erst mal gar nichts. Das andere Auge muss man gut zukneifen und sich dann an die Dunkelheit gewöhnen. Langsam erscheinen Zahlen und nach 20 Sekunden soll man die Zahl ablesen, die gerade noch sichtbar ist (realisiert ist das mit Graukeilen). Für diesen Lichtwert kann man dann in einer Tabelle, die an die Bereitschaftstasche genietet ist, eine passende Blenden-Zeit -Kombination ablesen. 


Heinz Waaske ist für seine superkompakte Rollei 35 gefeiert worden. Dabei gab es mit der Paxette Anfang der 50er schon eine annähernd kleine "Kleinbildkamera" für die vollen 24x36 mm, wie das
Gruppenbild unten beweist. Die Paxette Serie hatte in den 50er Jahren ihren festen Platz im Fotomarkt. Eine schöne Beschreibung des damaligen Marktes in Deutschland liefert Horst Neuhaus auf seinen Seiten.

Als meine Paxette über ebay für $10 zu mir kam, funktionierte fast nichts. Sie war vollkommen verdreckt bzw. verstaubt und die beiden aus Rohaluminium gefertigten Filmtransporträder waren sehr unansehnlich korrodiert. Der Verschluss ließ sich nicht betätigen, die Verschlusslamellen standen halb offen. Also hab ich erst mal alles gereinigt und zerlegt, was erstaunlicherweise recht einfach vonstatten geht. Nach Ausbau des Prontor S Zentralverschlusses kam dieser über Nacht erstmal ins Leichtbenzinbad, um verharztes Öl etc. zu entfernen. Aber auch danach gings noch nicht richtig. Nach ein wenig rumprobieren habe ich dann die Lösung gefunden. Jemand hatte dem Selbstauslöser Gewalt angetan und damit nicht nur ihn selbst beschädigt, sondern auch eine Stift des eigentlichen Lamellenschiebers verbogen. Nachdem ich diesen wieder in Stellung gebogen hatte, ging zumindest der Verschluss wieder (siehe unten), den Selbstauslöser habe ich abgeschrieben. Im Prinzip kann man mit meiner Paxette also wieder fotografieren...



Datenblatt kompakte Kleinbildkamera-Sucherkamera
Objektiv Steinheil Cassar 45mm f/2.8 (Triplet, vergütet). Andere Ausführungen der Kamera verwendeten auch entspr. Roeschlein oder Staeble Objektive.
Verschluss Prontor S (Gauthier) hinter dem Objektiv mit 1 bis 1/300 s in acht Stufen (1-2-5-10-25-50-100-300) und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten möglich.
Belichtungsmessungeingebauter, optischer Belichtungsmesser und externe Belichtungstabelle (s.o.).
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher Einfacher Durchsichtsucher, keine  Parallaxenmarkierung.
Blitz Anschluss für Blitzkabel am Kameraverschluss.
Filmtransport mittels Drehrad an Oberseite, das auch den Verschluss spannt. Spätere Modelle hatten einen Schnellspannhebel.
sonst. Ausstattung Bildzählwerk (rückwärts), Auslösesperre, Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Selbstauslöser
Maße, Gewichtca. 115/65/65mm, 429g 
Batterie keine.
Baujahr(e)1950-1952, in Modifikationen bis 1958
Kaufpreis, Wert heute99 DM (1956), ca. $30
LinksBedienungsanleitung (english), UKCamera (Paxette Übersicht), Oliver Corff's Paxette Seiten
Kleinbild-Fotographie in den 50ern (Horst Neuhaus)
Seiten aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

2013-09-15

Rollei 35

Mein bisher polulärster Beitrag in diesem Blog ist der zur Rollei 35 SE, scheinbar finden auch andere Fotointeressierte diese Kamera faszinierend. Nachdem ich schon vor genau 2 Jahren mit der B35 eine weitere Kamera aus der Serie ergattern konnte, habe ich immer wieder nach dem ersten Modell, der Ur-35 - natürlich Made in Germany - Ausschau gehalten. Hier ist sie: die damals (und für lange Zeit!) kleinste Kleinbildkamera der Welt für volle 24 x 36 mm. Heinz Waaske hat der Fotowelt mit ihr eine Ikone hinterlassen und sich selbst ein Denkmal gesetzt.

Gefunden habe ich sie heute auf dem Kameramarkt in Hasbrouck Heights, NJ. Einer der Händler verkaufte Restposten eines ehemals auf Rollei spezialisierten Fotoladens, darunter 2 Rollei 35, eine davon Made by Rollei Singapore und eben diese hier. Anhand der Seriennummern von Gehäuse und Objektiv konnte ich den Produktionszeitpunkt auf ca. Februar 1969 abschätzen. Einige Gebrauchsspuren zieren das Gehäuse, wie man an den Fotos sieht, aber alles funktioniert und nach Einlegen einer Batterie (Wein Cell statt PX625) schlug auch die Nadel des Belichtungsmessers aus.


Meine kleine Rollei 35 Sammlung ist natürlich bei weiten nicht komplett, besonders wenn man die ganzen goldenen Jubiläums-Sondermodelle mitrechnet, die nur für Sammler aufgelegt wurden. Trotzdem habe ich einen recht umfassenden Satz an sammelwerten Features hier in nur drei Kameras vereinigt: Das Originalmodell aus Deutschland mit dem Tessar, ein sehr frühes Singapore Modell der Einsteigerkamera B35 mit Selenzelle und dem Triotar (wie das Tessar von Zeiss). Und schließlich das letzte Spitzenmodell der regulären Serie mit dem Sonar (gebaut in Lizenz von Rollei) in schwarz und mit LED Anzeige im Sucher.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera
Objektiv Carl Zeiss Tessar 40mm f/3.5, 4 Linsen in 3 Gruppen
Verschluss Compur Zentralverschluss, 1/2s - 1/500 s und B. 
BelichtungsmessungCdS-Zelle mit Nachführzeigerinstrument auf der Kameraoberseite, nicht abschaltbar. Empfindlichkeitseinstellung 25-1600 ASA. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, 0.9m bis unendl., kein Entfernungsmesser.
Sucher Heller optischer Sucher, Suchervergrößerung 0.8x, eingespiegelter Bildausschnitt ohne  Parallaxenmarkierungen.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh, keine Synchronbuchse. Synchronisation bei allen Zeiten. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Auslösesperre bei eingezogenem Objektiv, Zubehörschuh, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filtergewinde 24mm, Stativgewinde
Maße, Gewichtca. 97 x 32 x 60 mm , 370 g
Batterie 1.35V PX 625 (Hg) oder Zink-Luft Alternative.
Baujahr(e)1966-1971 in Braunschweig (311000 Expl.), danach bis 1974 in Singapore (185000), als Rollei 35T bis 1980 (440000).  Diese hier: ca. Februar 1969
Kaufpreis, Wert heute487 DM (1967, sank bis zum Ende der Serie 1983 auf ca. 200 DM), heutiger Preis: US$150 bis US$400 (je nach Zustand)
LinksBedienungsanleitung (deutsch/english), Frank Mechelhoff's Artikel, John Lind, Umfassender Artikel in der Olypedia