2012-12-25

Agfa Click I

Hier noch der "missing link" in meiner Agfa Click-Clack Sammlung. Die Click-I wurde neben der besser ausgestatteten Click-II im Agfa Kamerawerk in München von 1958 bis 1970 gebaut. Die beiden Kameras unterschieden sich kaum. Die Click-I hat als Objektiv Meniskus-Linse 1:11/72,5 mm und einen einschwenkbaren Gelbfilter. Bei Sonnenlicht kann noch eine Stufe abgeblendet werden, sonstige Einstellmöglichkeiten: Fehlanzeige. Die Click-II hatte immerhin einen lichtstärkeren Achromaten und statt des Gelbfilters konnte eine zusätzliche Nah/Portraitlinse eingeschwenkt werden.


Beide 6x6 Kameras waren komplett aus Bakelit, wie auch die ältere Clack, die schon 1954 auf den Markt kam. Die Kameras stehen fast schon exemplarisch für den Übergang von Boxkameras (zu der man die Clack noch zählen kann) zu kompakteren Einfachstkameras. Hier nochmal alle drei auf einem Bild...


Datenblatt Einfache Mittelformatkamera (6x6) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 11/72.5mm, abblendbar um eine Stufe
Verschluss einfacher Boxkamera- (Rotations-) Verschluss, ca. 1/30 s
Film(format) Rollfilm 120, 6x6 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 4m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitze zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, einschwenkbarer Gelbfilter, Stativgewinde
Maße, Gewichtca. 140/99/8, 181 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e)1958-1970, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute16,80 DM (1958), ca. 5 €/US
LinksBedienungsanleitung

2012-12-12

Gevaert Superchrom Express Film

Dieser bisher unbenutzte, aber mindestens 66 Jahre alte Rollfilm fiel mir auf dem letzten Kameramarkt am Stand zweier älterer Damen in die Hände, die die Fotobestände ihres verstorbenen Vaters loswerden wollten. Es handelt sich um einen 127er Rollfilm (bei Gevaert hieß das Format "G27"), vor dem Siegeszug der Kleinbildpatrone ein sehr erfolgreiches Format für kompakte Kameras. Für mich Gelegenheit etwas über Geschichte und Chemie der Sensibilisierung zu schreiben.
Gevaert Express Superchrom

Es handelt sich also um einen hochempfindlichen orthochromatischen Schwarz-Weiß-Film. Orthochromatisch bedeutet nach dem Wortsinn eigentlich "recht farblich" und wurde eingeführt zur Unterscheidung zu den ersten verfügbaren Filmmaterialien auf Silberbasis, die nur für kurzwelliges blaues Licht empfindlich waren (A im Diagramm).
Verschiedene Sensilibisierungen von Schwarz-
Weiß-Filmen: A) ohne, B) orthochromatisch,
C) panchromatisch. Quelle: Ullmann's Encyclopedia
of Industrial Chemistry
Orthochromatische Filme (B) sind zusätzlich noch für grünes Licht empfindlich und setzen damit die Farben einigermaßen natürlich in Graustufen um. Einigermaßen aber nur, denn der Rotanteil fehlt immer noch, der wird erst mit den panchromatischen Filmen (C) eingefangen. Fotopapiere sind oft orthochromatisch sensibilisiert, denn man kann sie im roten Dunkelkammerlicht ungefährdet verarbeiten. Nur für SW-Abzüge von Farbnegativen braucht man panchromatisches Papier.
Das Prinzip der Sensibilisierung wurde schon 1873 vom Berliner Chemiker Hermann Wilhelm Vogel gefunden, als er erkannte, dass Beimischungen bestimmter Farbstoffe die spektrale Empfindlichkeit der Silberemulsionen erweitern konnten, um so zu einer natürlicheren Grautonwiedergabe zu kommen. Ab den 1880er Jahren gab es immer besser werdende orthochromatische Fotoplatten, -papiere und schließlich auch -filme. Im Jahre 1902 erfanden die beiden Chemiker und Fotopioniere Adolf Miethe und Arthur Traube die panchromatische Sensibilisierung durch die Verwendung einer intelligenten Mischung verschiedener Farbstoffe auf der Oberfläche der Silberbromidkristalle. Es dauerte allerdings noch einige Jahrzehnte bis sich panchromatische SW-Filme als allgemeiner Standard durchsetzten. Orthochromatische Filme hat es aber immer gegeben und gibt es sogar heute noch. Gezielte Sensibilisierung von Silberhalogenid-Emulsionen ist natürlich auch Grundlage und notwendige Voraussetzung von Farbfilmen. Siehe hier... 

Die Firma Gevaert übrigends...nun, das wird vielleicht mal eine andere Geschichte.

2012-12-04

Kodak Disc 4000

Sie hat einen Platz im National Museum of American History (Teil der Smithonian Museen in Wahington), ich habe sie selbst dort vor ein paar Wochen in einer Vitrine hängen gesehen. Ich glaube, die Kuratoren haben ihr diesen Platz nicht gegeben, weil sie selbst so eine außergewöhnliche Kamera wäre. Nein, diesen Platz hat sie quasi stellvertretend für Kodak's Verdienste bekommen, Volkskameras für die  Masse zu bauen und dabei über 100 Jahre lange immer wieder Innovation zu zeigen. Angefangen von den Boxkameras über Faltbalgen zu Instamatic und Pocket, die Disc war Kodaks letzer großer Versuch nochmal eine neue Volkskameraklasse zu etablieren.

Kodak Disc 4000

Kodak brachte zur Einführung des Disc-Films 5 Kameras quasi gleichzeitig auf den Markt, alle unterscheiden sich voneinander nur durch Äußerlichkeiten, der technische Kern war immer derselbe.  Man kann das wohl populärste Modell 4000 daher als Archetyp betrachten, quasi "die Disc Kamera". Mein Modell habe ich bei e-bay für $2.99 erworben (inklusive der Scheibe!). Wie man am Camerosity-Code YTIA ablesen kann, stammt sie aus der Produktionsperiode 13. August bis 9. September 1982, also noch bevor die Disc-Kameras nach Europa kamen.

Kodak hat sich natürlich an seinen uralten Slogan gehalten: "You press the button, we do the rest!", heißt: nichts kann eingestellt werden, alles geht quasi automatisch bzw. wird gar nicht verstellt (wie der Fix-Fokus, scharf erst ab 1.20 m). Ein Sensor entscheidet, ob es hell genug ist, dann wird mit 1/200 s, Blende 6 belichtet. Oder, wenn es zu dunkel ist, dann wird der Blitz benutzt bei 1/100 s und Blende 2.8. Es gab auch nur einen Film mit ASA 200. Wirklich Box-like!
Der Filmtransport und Verschlussaufzug gehen motorisch, als Batterie ist ein 6V Litiumpack eingebaut, welches mindestens 5 Jahre halten sollte. Ein Austausch durch den Anwender war nicht vorgesehen. Meine 40 Jahre alte Kamera war natürlich "tot" und mein Ehrgeiz geweckt, das Ding irgendwie wieder zum Laufen zu kriegen. Ich habe also das Gehäuse geöffnet (einfach mit etwas Gewalt und einem Schraubenzieher die Vorderseite abhebeln) und die Batterie per Lötkolben gegen einen 4er Pack AAA-Batterien ausgetauscht (siehe Bilder oben). Der Motor schnurrte daraufhin wieder nach Drücken des Auslösers, allerdings schien die Kamera nicht wirklich auszulösen noch sonst was zu tun. Des Rätsels Lösung: bei meinem Exemplar fehlt ein zweiter Stellmotor (in der rechten unteren Ecke), wie ich beim Vergleich mit anderen Fotos im Netz feststellen konnte. Na toll!
Ein Detail der Kamera allerdings macht sie letztendlich doch zum Meilenstein: das Objektiv. Es ist das erste in Massenproduktion hergestellte Objektiv mit einer asphärischen Glas-Linse, nötig um eine kompakte Optik mit der geforderten Öffnung und Abbildungsleistung hinzubekommen. Kodak hatte schon erste Erfahrungen mit asphärischen Plasiklinsen ab 1978 in Pocketkameras sammeln können, Glas schafft aber nocheinmal einen Qualitätssprung. Angeblich konnte das kleine Ding in der Disc-Kamera 250 Linien pro Milimeter auflösen, leider aber der Disc-Film nicht! Heute sind Objektivdesigns mit asphärischen Linsen aus kompakten Digiknippsen oder Handys nicht mehr wegzudenken.  

Wer noch mehr über Disc Kameras lesen möchte, kann bei Amazon ein e-book erwerben.