2012-12-25

Agfa Click I

Hier noch der "missing link" in meiner Agfa Click-Clack Sammlung. Die Click-I wurde neben der besser ausgestatteten Click-II im Agfa Kamerawerk in München von 1958 bis 1970 gebaut. Die beiden Kameras unterschieden sich kaum. Die Click-I hat als Objektiv Meniskus-Linse 1:11/72,5 mm und einen einschwenkbaren Gelbfilter. Bei Sonnenlicht kann noch eine Stufe abgeblendet werden, sonstige Einstellmöglichkeiten: Fehlanzeige. Die Click-II hatte immerhin einen lichtstärkeren Achromaten und statt des Gelbfilters konnte eine zusätzliche Nah/Portraitlinse eingeschwenkt werden.


Beide 6x6 Kameras waren komplett aus Bakelit, wie auch die ältere Clack, die schon 1954 auf den Markt kam. Die Kameras stehen fast schon exemplarisch für den Übergang von Boxkameras (zu der man die Clack noch zählen kann) zu kompakteren Einfachstkameras. Hier nochmal alle drei auf einem Bild...


Datenblatt Einfache Mittelformatkamera (6x6) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 11/72.5mm, abblendbar um eine Stufe
Verschluss einfacher Boxkamera- (Rotations-) Verschluss, ca. 1/30 s
Film(format) Rollfilm 120, 6x6 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 4m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitze zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, einschwenkbarer Gelbfilter, Stativgewinde
Maße, Gewichtca. 140/99/8, 181 g (ohne Film)
Batterie keine.
Baujahr(e)1958-1970, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute16,80 DM (1958), ca. 5 €/US
LinksBedienungsanleitung

2012-12-12

Gevaert Superchrom Express Film

Dieser bisher unbenutzte, aber mindestens 66 Jahre alte Rollfilm fiel mir auf dem letzten Kameramarkt am Stand zweier älterer Damen in die Hände, die die Fotobestände ihres verstorbenen Vaters loswerden wollten. Es handelt sich um einen 127er Rollfilm (bei Gevaert hieß das Format "G27"), vor dem Siegeszug der Kleinbildpatrone ein sehr erfolgreiches Format für kompakte Kameras. Für mich Gelegenheit etwas über Geschichte und Chemie der Sensibilisierung zu schreiben.
Gevaert Express Superchrom

Es handelt sich also um einen hochempfindlichen orthochromatischen Schwarz-Weiß-Film. Orthochromatisch bedeutet nach dem Wortsinn eigentlich "recht farblich" und wurde eingeführt zur Unterscheidung zu den ersten verfügbaren Filmmaterialien auf Silberbasis, die nur für kurzwelliges blaues Licht empfindlich waren (A im Diagramm).
Verschiedene Sensilibisierungen von Schwarz-
Weiß-Filmen: A) ohne, B) orthochromatisch,
C) panchromatisch. Quelle: Ullmann's Encyclopedia
of Industrial Chemistry
Orthochromatische Filme (B) sind zusätzlich noch für grünes Licht empfindlich und setzen damit die Farben einigermaßen natürlich in Graustufen um. Einigermaßen aber nur, denn der Rotanteil fehlt immer noch, der wird erst mit den panchromatischen Filmen (C) eingefangen. Fotopapiere sind oft orthochromatisch sensibilisiert, denn man kann sie im roten Dunkelkammerlicht ungefährdet verarbeiten. Nur für SW-Abzüge von Farbnegativen braucht man panchromatisches Papier.
Das Prinzip der Sensibilisierung wurde schon 1873 vom Berliner Chemiker Hermann Wilhelm Vogel gefunden, als er erkannte, dass Beimischungen bestimmter Farbstoffe die spektrale Empfindlichkeit der Silberemulsionen erweitern konnten, um so zu einer natürlicheren Grautonwiedergabe zu kommen. Ab den 1880er Jahren gab es immer besser werdende orthochromatische Fotoplatten, -papiere und schließlich auch -filme. Im Jahre 1902 erfanden die beiden Chemiker und Fotopioniere Adolf Miethe und Arthur Traube die panchromatische Sensibilisierung durch die Verwendung einer intelligenten Mischung verschiedener Farbstoffe auf der Oberfläche der Silberbromidkristalle. Es dauerte allerdings noch einige Jahrzehnte bis sich panchromatische SW-Filme als allgemeiner Standard durchsetzten. Orthochromatische Filme hat es aber immer gegeben und gibt es sogar heute noch. Gezielte Sensibilisierung von Silberhalogenid-Emulsionen ist natürlich auch Grundlage und notwendige Voraussetzung von Farbfilmen. Siehe hier... 

Die Firma Gevaert übrigends...nun, das wird vielleicht mal eine andere Geschichte.

2012-12-04

Kodak Disc 4000

Sie hat einen Platz im National Museum of American History (Teil der Smithonian Museen in Wahington), ich habe sie selbst dort vor ein paar Wochen in einer Vitrine hängen gesehen. Ich glaube, die Kuratoren haben ihr diesen Platz nicht gegeben, weil sie selbst so eine außergewöhnliche Kamera wäre. Nein, diesen Platz hat sie quasi stellvertretend für Kodak's Verdienste bekommen, Volkskameras für die  Masse zu bauen und dabei über 100 Jahre lange immer wieder Innovation zu zeigen. Angefangen von den Boxkameras über Faltbalgen zu Instamatic und Pocket, die Disc war Kodaks letzer großer Versuch nochmal eine neue Volkskameraklasse zu etablieren.

Kodak Disc 4000

Kodak brachte zur Einführung des Disc-Films 5 Kameras quasi gleichzeitig auf den Markt, alle unterscheiden sich voneinander nur durch Äußerlichkeiten, der technische Kern war immer derselbe.  Man kann das wohl populärste Modell 4000 daher als Archetyp betrachten, quasi "die Disc Kamera". Mein Modell habe ich bei e-bay für $2.99 erworben (inklusive der Scheibe!). Wie man am Camerosity-Code YTIA ablesen kann, stammt sie aus der Produktionsperiode 13. August bis 9. September 1982, also noch bevor die Disc-Kameras nach Europa kamen.

Kodak hat sich natürlich an seinen uralten Slogan gehalten: "You press the button, we do the rest!", heißt: nichts kann eingestellt werden, alles geht quasi automatisch bzw. wird gar nicht verstellt (wie der Fix-Fokus, scharf erst ab 1.20 m). Ein Sensor entscheidet, ob es hell genug ist, dann wird mit 1/200 s, Blende 6 belichtet. Oder, wenn es zu dunkel ist, dann wird der Blitz benutzt bei 1/100 s und Blende 2.8. Es gab auch nur einen Film mit ASA 200. Wirklich Box-like!
Der Filmtransport und Verschlussaufzug gehen motorisch, als Batterie ist ein 6V Litiumpack eingebaut, welches mindestens 5 Jahre halten sollte. Ein Austausch durch den Anwender war nicht vorgesehen. Meine 40 Jahre alte Kamera war natürlich "tot" und mein Ehrgeiz geweckt, das Ding irgendwie wieder zum Laufen zu kriegen. Ich habe also das Gehäuse geöffnet (einfach mit etwas Gewalt und einem Schraubenzieher die Vorderseite abhebeln) und die Batterie per Lötkolben gegen einen 4er Pack AAA-Batterien ausgetauscht (siehe Bilder oben). Der Motor schnurrte daraufhin wieder nach Drücken des Auslösers, allerdings schien die Kamera nicht wirklich auszulösen noch sonst was zu tun. Des Rätsels Lösung: bei meinem Exemplar fehlt ein zweiter Stellmotor (in der rechten unteren Ecke), wie ich beim Vergleich mit anderen Fotos im Netz feststellen konnte. Na toll!
Ein Detail der Kamera allerdings macht sie letztendlich doch zum Meilenstein: das Objektiv. Es ist das erste in Massenproduktion hergestellte Objektiv mit einer asphärischen Glas-Linse, nötig um eine kompakte Optik mit der geforderten Öffnung und Abbildungsleistung hinzubekommen. Kodak hatte schon erste Erfahrungen mit asphärischen Plasiklinsen ab 1978 in Pocketkameras sammeln können, Glas schafft aber nocheinmal einen Qualitätssprung. Angeblich konnte das kleine Ding in der Disc-Kamera 250 Linien pro Milimeter auflösen, leider aber der Disc-Film nicht! Heute sind Objektivdesigns mit asphärischen Linsen aus kompakten Digiknippsen oder Handys nicht mehr wegzudenken.  

Wer noch mehr über Disc Kameras lesen möchte, kann bei Amazon ein e-book erwerben.

2012-11-29

Kodak Disc

disc
Alle 10 Jahre ein neues Filmformat und damit das eigene Geschäft gehörig ankurbeln. 1963 war es die Instamatic Kasette (126), 1972 kam der Pocket-Film (110); und was zweimal geklappt hat muss einfach nochmal gehen. 1982 brachte Kodak also den Disc Film (der im übrigen keine Format-Nummer bekommen hat) und mit ihm natürlich neue Kameras und alles Zubehör. Das Bildformat war mit 8x11 mm genauso groß wie bei den Minox Miniaturkameras und damit das kleinste jemals komerziell angebotene Bildformat (selbst die Hit-Kameras hatten größere Negative!). 15 dieser kleinen Bildchen waren auf der 63 mm im Durchmesser großen kreisrunden Scheibe, das Ganze in einer 7 mm dicken Plastikkasette, die per Schieber automatisch lichtdicht verschlossen wurde, nahm man den Film aus der Kamera.
Kodak führte mit dem Film eine neue Emulsionstechnologie ein (T-Grain, Kodacolor HR und VR), die verglichen mit den Vorgängergenerationen feineres Korn und größere Schärfe brachten. Das war wegen der kleinen Negative auch nötig, Vergrößerungen über 10x15 cm sahen trotzdem häßlich aus. Anfangs sah die Einführung des neuen Formats und dazugehöriger Kameras noch wie ein Erfolg aus, doch schon nach 8 Jahren (1990) stellte Kodak ihre Disc-Kameraproduktion ein, der Film wurde interessanterweise noch bis 1999 im Programm geführt. Auch andere Filmhersteller produzierten zwischenzeitlich Disc's, kaum ein namenhafter Kamerahersteller hat sich aber je an Kameras für das Format gewagt. Wer noch unentwickelte Disc's besitzt kann sie immer noch von Spezial-Laboren entwickeln lassen, z.B. hier, wo auch die 8 Disc-Filmgenerationen aufgelistet sind, die auf jeder Disc als weiße Zahl auf rotem Grund in der rechten Ecke des Aufklebers genannt wird.   
Die Internet-Seite complex.com listet die Disc auch auf Platz 35 der "50 worst fails in tech history" (50 schlimmsten Misserfolge der Technikgeschichte), insbesondere auch wegen ihrer Bildqualität. Einer winzigen Minox verzeiht man die geringe Auflösung noch, aber Disc-Kameras waren auch nicht kleiner als kompakte 135er. Kodak hat die Disc niemals öffentlich als Fiasko bezeichnet und sich sogar ab 1996 wieder an APS gewagt, diesmal mit anderen zusammen.

2012-11-22

Minolta 110 Zoom

Kodak brachte 1972 mal wieder ein neues Filmformat, nach dem Erfolg der Instamatik-Kasette (126er) musste es noch kompakter gehen, Verbesserungen der Emulsionstechnologie sollten trotz kleinerem Negativ eine gleichbleibende Qualität der Abzüge garantieren. Kodak brachte die neue Technologie (Kodacolor II) mit dem neuen Prozess C-41 zuerst exklusiv in der 110er Kassette und war sehr erfolgreich mit dieser Markteinführung. Kodak verkaufte natürlich auch neue Kameras für den neuen Film, aber andere Hersteller ließen nicht lange auf sich warten. Es gab einige Versuche für höherwertige Kameras, die erste Spiegelreflexkamera gab es 1976 von Minolta, eben diese hier.

minolta110
Die Kamera erschien in einem sehr außergewöhnlichem Design, technisch gesehen war sie auf der Höhe der Zeit, ein Zeitautomat (10s bis 1/1000 s), die Blende (4.5 bis 16) wurde an dem Revolver neben dem fest eingebautem 2-fach Zoomobjektiv (25 - 50 mm, entspr. 50 - 100 bei KB) eingestellt. Trotz des kleinen Bildformats (13x17 mm, immerhin nur 1/4 der KB-Fläche) kann man die Kamera nicht gerade als sehr kompakt bezeichnen, sie bringt immerhin 430 g auf die Waage, kompakte KB-Kameras der Zeit wiegen z.T. weniger. 1978 bekommt Minolta's 110er-SLR Konkurenz: Die Pentax auto 110 versucht sich im klassischen SLR-Design und ist wohl die kleinste Spiegelreflex mit Wechselobjektiven. Minolta brachte 1979 den Nachfolger 110 Zoom SLR MkII dann auch deutlich kompakter im klassischen Design. Das war es aber auch schon mit SLR's für die 110er Kassete, die selbst ab ca. 2004 aus den Läden verschwand und 2009 endgültig eingestellt wurde.

2012-11-18

Kodak No. 4 Bullet Gebrauchsanweisung

"Ehe man eine Aufnahme mit der Bullet Camera No. 4 macht, lese man aufmerksam die nachstehende Gebrauchsanweisung, und mache sich mit der Handhabung des Apparates, namentlich mit der Construction des Verschlusses, vertraut. Man setze denselben mehrmals für Zeit- sowohl als Daueraufnahmen in Thätigkeit, ehe man den Film aufspannt.
      Vor allen Dingen vergesse man nicht dass das Licht, welches genügt in der kürzesten Zeit durch das Objectiv der empfindlichen Fläche ein Bild aufzuprägen, auch ebenso schnell das Bild zerstören kann." 

...und so weiter, und so weiter, der geneigte Photograph [von 1898 !] lese weiter in den 30 Seiten , die man hier herunterladen kann. Die Frage ist, ob damals auch ursprünglich deutsche Bedienungsanleitungen in einem solch schwülstigen Kaiserreichs-Deutsch verfasst wurden, oder ob auch die Übersetzung aus dem Englischen dazu beitrug. In ähnlichen Anleitungen von Kodak findet sich nämlich fast der selbe Text...

"Before taking any pictures with the No. 4 Bullet Camera read the following instructions carefully, and make yourself perfectly familiar with the instrument, taking special care to learn how to operate the shutter. Work it for both time and instantaneous exposures several times before threading up the film.
       The first and most important thing to bear in mind is that the light which serves to impress the photographic image upon the sensitive film in a small fraction of a second when it comes through the lens, can destroy the film as quickly as it make the picture." 

This is literally the same text taken out of another Kodak manual of the time. However, the German translation appears to be a little bit more old-fashioned, especially because of some old spellings not in use anymore.

2012-11-10

Agfacolor Neu - History of modern color film (part 3)

These are Gustav Wilmanns and Wilhelm Schneider, both chemists working for IG Farben, which had then pooled all their photo activities under the umbrella of its department Agfa. Since 1922 Wilmanns was head of the manufacturing department at the photo site ("Filmfabrik") Wolfen (district Bitterfeld, Germany) and since 1928 in addition responsible for the central scientific laboratory of  Agfa and Schneider's boss. Since 1929 Wilhelm Schneider's main task was the development of black and white films, especially he worked on anti-halation backings. In 1932 he discovered  that specific dyes mixed into gelatin layers can't be washed out if they carry chemical groups that were known from cotton dyeing. With that he almost solved a 20 year old problem, which prevented the technical implementation of Rudolf Fischer's invention of the chromogenic multilayer color film
 
On April 11th, 1935 Wilmanns and Schneider filed for a patent (DRP 746 135).  Only a few days later they were overtaken by the Kodachrome film, which was launched on the market in the US on April 15th. However, it solved the problem of unwanted dye diffusion quite differently. It's easy to imagine that this was the starting point of a scientific and commercial race between the Wolfen team and the group in Rochester. For the following years Willmann's group grew to over 50 employees and probably the Rochester had a similar size. The battle was even fought on the legal field. Kodak laid an objection against the Agfa patent that ended with a settlement and had the consequence that it was granted not before December 23rd, 1943. A second patent ( DRP 725872 dated August 8, 1935 ) describes a further improvement in preventing the diffusion and laid the foundation for the "Agfacolor Neu" film. 
Figure from "film production", brochure of VEB Filmfabrik Wolfen (ORWO), GDR 1981

With this new color-couplers Agfa realized more or less exactly what Rudolf Fischer had in mind: Just one color developer was used for all three color layers at the same time to generate the desired dyes. This results of course in a  relatively simple film processing, which comprises only 5 steps to generate a positive image (reversal film), in contrast to the Kodachrome process with 27 steps. The diffusion resistance was due to the long alkyl side chains attached to the color couplers. Schneider and his colleagues at the time explained the effect with the entanglement of the long chains with the polymer structures of the gelatin. Today it is known, however, that the color coupler by their long tails form micelles, which by their mere size have a reduced diffusion rate. Well, as long as it works... 
During spring of 1936 the first successful pilot plant trials have been made. Some photographers used the new material on a trial basis at the Olympic Games in Berlin in August, although the sensitivity of only about 7/10 °DIN (today: 5 ISO ) didn't allow images of moving athletes. In November 1936, the first 135 cartridges were launched on the market (for RM 3.60, which is 10 Pfennig per shot). In the coming years, as did Kodak Agfa optimized method and recipes even further. E.g. in 1938 it was possible to increase the sensitivity to 15/10 °DIN (today: 25 ISO) by the addition of about 10 μg Gold Rhodanide (AuSCN) per film.

The Agfacolor process of course has been continuously improved over time and supposedly was protected by 278 patents. With the end of WWII in 1945 the Agfacolor methods and recipes were declared public domain. Many companies such as Adox, Ferrania, Fuji , Gevaert , Konica , Tellko, and Valca adopted the procedures. Here you can see some of the available film boxes. Kodak never used the Agfacolor method, as in 1937 they found another technical solution to avoid the diffusion problem with the color couplers. A corresponding film has been provided to the U.S. military in 1941. However, this is the topic of part no. 4 of this series, coming soon.


Other parts of this little history series...
1) Invention of the chromogenic film by Rudolph Fischer (English, German)
2) Kodachrome (English, German)
3) Agfacolor Neu - This post in German
4) Ektachrome and Kodacolor (English, German)

2012-11-04

The Kodachrome story - History of modern color film (part 2)

 
Die beiden befreundeten Berufsmusiker Leopold Godowsky (mit der Geige) und Leopold Mannes experimentierten als begeisterte Hobbyfotografen mit allerlei Fotochemie und stießen  nach 1922 auf die Patente von Rudolf Fischer, der die chromogene Farbfotografie  und damit das Prinzip des modernen Farbfilms schon 1911 erfunden hatte. Leider konnte dieser das Problem der unerwünschten Diffusion der Farbkuppler zwischen den verschiedenen Gelatineschichten nicht lösen. 
Godowsky und Mannes machten sich zunächst selbstständig an die Arbeit wurden 1930 schließlich von Kenneth Mees, dem Forschungsdirektor von Eastman Kodak nach Rochester, NY gelockt, wo ihnen ein großes Labor und eine Schar von Mitarbeitern zur Verfügung standen, um das fertig zu entwickeln, was wir als Kodachrome kennengelernt haben.
"Man and God" (der Mensch und Gott), wie die beiden scherzhaft genannt wurden, überwanden das Farbkuppler-Diffusionsproblem durch den sogenannten "kontrollierten Diffusions-Bleichprozess", eine aufwändige 27-stufige Entwicklungs-Prozedur. Das dazugehörige Patent US 2,113,329 wurde am 27. Februar 1935 angemeldet, also heute vor 76 Jahren. Auch in Europa wurden entsprechende Patente angemeldet, in Deutschland u.a. DRP 723388 und DRP 631324. Der erste Film (ein 16 mm Schmalfilm) kam am 15. April 1935 auf den Markt und war damit der erste kommerzielle, moderne Mehrschichten-Farbfilm.
Leopold Godowsky (with the violin) and Leopold Mannes, two friends and both professional musicians were also enthusiastic hobby photographers. In 1922 they experimented with some photo chemistry and discovered the patents of Rudolf Fischer, who invented the the so-called chromogenic color photography and with that the principle of the modern color film already in 1911. Unfortunately, Fischer was not able to overcome the problem of undesired diffusion of the color couplers between the different gelatin layers.
At first Godowsky and Mannes started their own research lab. Eventually, in 1930 they were hired by Kenneth Mees, research director of Eastman Kodak in Rochester, NY. At Kodak's headquarters they headed a big new lab with a bunch of technicians to help them. Finally, the group developed what we got to know as Kodachrome.
"Man and God" how the two used to be named solved the problem by the so-called controlled diffusion bleach process, a complicated 27 steps comprising film development procedure. The appendant patent US 2,113,329 was filed on February 27, 1935. Kodak also filed for patents in Europe, e.g. the German applications DRP 723388 and DRP 631324. The first film (in form of a 16 mm movie film) was launched on the market on April 15, 1935 and with this date Kodak won the race for the first commercially available modern multilayer color film.

Etwas vereinfacht steht in den Patenten folgendes: Der Kodachrome ist im Grunde ein reiner Schwarz-Weiß-Film mit u.a. drei für die jeweiligen Farben Blau, Grün und Rot sensibilisiere Emulsionsschichten. Zunächst gibt es eine S/W-Umkehrentwicklung (Kodachrome ist ein Dia-Film) für alle drei Schichten gleichzeitig. Nach Entfernung des ursprünglichen S/W-Negativ-Silbers wird nun stufenweise mit der Farbentwicklung begonnen. Die einzelnen (und unterschiedlichen Farbentwickler) enthalten neben der Entwicklersubstanz auch den entsprechenden Farbkuppler. An den Stellen, wo nun das positive Silberbild ist kommt es zur Reaktion zwischen beiden und der unlösliche Farbstoff entsteht. Man beginnt mit dem Cyanfarbstoff (rotempfindliche, unterste Schicht) und muss dann anschließend aus den beiden anderen Schichten darüber diesen wieder ausbleichen. Dieser Schritt ist die sogenannte diffusionskontrollierte Bleiche, der entscheidende Schritt. Mit den beiden darüberliegenden Schichten verfährt man genauso, d.h. zunächst den Magentafarbstoff in der mittleren Schicht erzeugen und in der obersten wieder ausbleichen und am Schluss Yellow für die oberste Lage. Am Ende wird alles Silber aus dem Film rausgelöst, alle überflüssigen Chemikalien entfernt und es bleibt ein farbiges Diapositiv über.
What is described in the patents (somehow simplified): The Kodachrome essentially is a pure black and white film comprising three photographic emulsion layers, which are sensitized for the respective colors red, green and blue.
First, there is a black and white reversal processing (Kodachrome was a reversal film) for all three layers. After removal of the B&W negative silver the color processing is done step-by-step, layer by layer. The respective color couplers are contained in the individual and different color developer solutions, but in their reduced form they do not react with each other. Only at the positions of the positive silver image a chemical reaction is triggered between the two, and the insoluble dye is formed. The process starts with the cyan dye (red-sensitive, bottom layer) and subsequently this has to be bleached from the other two layers on top again. This step is the so-called diffusion-bleaching, the crucial step. With the two top layers, the procedure is exactly the same: first generate the magenta dye in the middle layer and bleach it from the top layer and at the end again create yellow in the uppermost layer. At the end, all the silver is removed and all unnecessary chemicals are washed out. Voila: there is a color slide.
Kodachrome photo by Chalmers Butterfield of Shaftesbury Avenue from
Piccadilly Circus, in the West End of London, c. 1949 (source: Wikimedia)
Das Verfahren war so kompliziert, dass kein Fotograf oder gar Fotoamateur seinen Kodachrome selbst entwickeln konnte. Kodak hat das übernommen, bzw. in den USA nach einem Kartellstreit auch anderen Fachlaboren überlassen (müssen). Auch wurde die Prozedur schon 1938 "vereinfacht": Die diffusionskontrollierte Bleiche wurde durch die selektiven Nachbelichtungen und eine sog. schleiernde Entwicklung ersetzt.  Somit sind heute waren bis vor kurzem nur noch 16 Schritte erforderlich, die ein geübtes Fachlabor in 30 Minuten absolviert hat. Nach wie vor aber waren die Farbkuppler nicht im Film selbst enthalten, sondern kamen aus der Entwickler-Lösung. Dies machte den Kodachrome-Film nicht nur zum schärfsten, hochauflösendsten, sondern auch gleichzeitig zum langlebigsten Farbfilm für über 50 Jahre!
The procedure was so complicated that neither professional nor amateur photographers could process their Kodachrome by themselves. Initially Kodak offered this service exclusively, but after an antitrust case in the US they had to offer the processing chemicals also to independent labs. Also, the procedure has been "simplified" in 1938: The diffusion-controlled bleaching was replaced by  selective re-exposure and a so-called fogging development. Thus, today until recently, only 16 steps were required to be completed by a trained specialized lab in about 30 minutes. As before, however, the color couplers were not contained in the film itself, but were included in the developer solution. This made the Kodachrome film not only the sharpest, the highest resolution, but at the same time the most durable color film for over 50 years!
Der Kodachrome 64 (und später der Kodachrome 200) war auch mein Lieblings-Diafilm, auch wenn ich ihn mir nicht immer leisten konnte und daher auf preiswertere E6-Alternativen umgestiegen bin. Insbesondere für Urlaubsreisen hatte er einen Vorteil: In der Packung war immer ein Rücksendeumschlag zum Kodak-Labor (in Deutschland: Stuttgart), so dass man die im Urlaub schon weggeschickten Filme bei der Rückkehr zuhause fertig entwickelt im Briefkasten fand. 
Aber es kam, wie es kommen musste. Mitte der 90er sind andere Filme qualitativ endlich konkurrenzfähig und die Digitalfotografie versetzte Kodachrome endgültig den Todesstoß. Kodak hat am 22. Juni 2009 mitgeteilt auch den letzten verbliebenen Filmtyp (den 64er) nicht mehr zu produzieren, am 30.12.2010 wurde der letzte Film entwickelt. Aber zum Trost: Er wird vermutlich der einzige Film bleiben, der in einem populären Popsong besungen wurde:
The Kodachrome 64 (and later Kodachrome 200) was my favorite slide film, even if I could not afford it all the time and sometimes switched to cheaper E6 alternatives. Especially for holiday trips, Kodachrome had an advantage: In the pack was always a return envelope to the Kodak lab (in Germany: Stuttgart). If you mailed the exposed films during the trip, you would already find the slides in the mailbox when returning home. 
But eventually the inevitable happened. During the 1990ies other films in terms of quality became competitive and later the digital photo revolution sounds the death knell for Kodachrome. On June 22nd, 2009 Kodak announced to discontinue production of the last remaining film type (the 64), on December 30th, 2010 the last film was processed. But as some consolation, Kodachrome will probably remain the only film a popular pop song was dedicated to:



Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome 
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2012-11-01

Samyang 7.5mm f/3.5 Fisheye MFT

Heute mal keine alte und gebrauchte Kamera, sondern ein nagelneues Objektiv! Meine Tochter wünschte sich einen Fisheye-Vorsatz zum Geburtstag, wie sie ihn bei einer ihrer Freundinnen gesehen hatte. Ich habe mich ein wenig über solche Vorsätze erkundigt, bin dann aber schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass nichts über ein richtiges Objektiv geht. Außerdem bin ich ein echter Superweitwinkel-Fan (wie meine bisherigen Posts zum Thema zeigen) und wollte schon immer ein richtiges Fisheye ausprobieren. Da traf es sich gut, dass die aufstrebende koreanische Objektivschmiede Samyang seit kurzem eine wirkliche Perle für micro-FourThirds anbietet, wie einige Tests und Reviews belegen (z.B. bei photozone, m43photo, ephotozine und filterxchange). Kurz, das Geburtstagsgeschenk stand und ich hoffe sehr, dass das Töchterchen es mir hin und wieder ausleiht (nun, ich leihe ihr ja auch mein geliebtes 20er, was immer mehr auch zu ihrem Liebling wird....).
Samyang

Sie hat es mir bereits geliehen, nicht nur für diese Fotos hier, sondern auch für erste Tests im Gelände. Ich muss den Testern recht geben: Ein wirklich erstklassiges Ding, Verarbeitung ist 1a und auch optisch habe ich nichts zu bemängeln. Ein Autofokus fehlt bei der großen Schärfentiefe nicht wirklich, eine dezente Skala dazu - z.B. auf dem roten Ring - hätte dem Objektiv allerdings gut gestanden. Auch die Dimensionen der Linse passen wunderbar ins MFT-System, vermutlich ist es derzeit das kompakteste Fisheye-Objektiv für Systemkameras überhaupt (hier an der Lumix G3 meiner Tochter).

Für Interessierte hier ein paar Informationen über Geschichte und Technik von Fisheye-Objektiven: Das Konzept und der Begriff wurden erstmalig 1906 von dem englischen Physiker R.W. Wood in einem wissenschaftlichen Artikel beschrieben. Technisch realisiert und auch patentiert wurde ein solches Objektiv erstmalig 1932 von der Firma AEG für ihre Wolkenkamera, die wie der Name schon sagt für metereologische Beobachtungen des Himmels eingesetzt wurde. Keiner hatte wohl damals an Objektive für Amateurfotografen gedacht. 

Nikon hat 1938 einen AEG-Klon (auch für die wissenschaftliche Fotografie) gebaut und aufbauend auf diesem Know-How 1962 das Fisheye-Nikkor 8 mm f/8 auf den Markt gebracht. Diesem ersten Fisheye "für die Allgemeinheit" folgten noch einige weitere verbesserte Modelle von Nikon (u.a. das bisher unübertroffenene 6 mm f/2.8). In den 70er Jahren zogen die meisten anderen namhaften Hersteller nach und boten eigene Modelle an. 

Allen Fisheye-Objektiven gemein ist ihre starke tonnenförmige Verzeichnung, die allerdings in diesem Fall keineswegs als Makel zu werten ist, sondern quasi in der Natur der Sache liegt. Während "normale" (verzeichnungsfreie) Weitwinkelobjektive versuchen gerade Linien immer gerade abzubilden (sog. gnomische Projektion) und damit Winkel und Flächen verzerren, bilden Fisheye-Objektive eben anders ab. Es existieren sogar vier verschiedene Abbildungsfunktionen, die allesamt gerade Linien, die nicht durchs Zentrum gehen, verbiegen, dafür aber winkel- oder flächen-treu arbeiten. Dieses Samyang hier bildet wie die meisten Vollformat Fisheyes flächentreu ab, es gibt von Samyang auch ein Objektiv mit stereographischer Projektion, allerdings nicht für MFT. Digitale Fotos (und soger Videos)  kann man übrigends relativ einfach wieder "defishen", wie dieses tolle Tutorial zeigt.

2012-10-22

50000 Besuche...

 

Seit dem 21. August 2010 schreibe ich dieses Blog, bisher in 167 Beiträgen. Während dieser 26 Monate ist die Besucherzahl trotz des spröden Themas stetig gewachsen, zuletzt auf ca. 2500 Besuche pro Monat. Danke für nun über 50000 Besuche insgesamt!
Nur 12 von den 167 posts (= 7.2%) sind bisher in Englisch, die Zahl habe ich übrigends vor, weiter zu erhöhen. Trotzdem erstaunlich, dass 22% der Besuche aus dem nicht deutschsprachigen Ausland kommen (wobei ich die Schweiz sogar komplett zum deutschen Sprachraum gezählt habe). Entweder Google Translator ist so gut, die Besucher sind nur an meinen Fotos interessiert, oder Kamera- und Fotofreunde in aller Welt sprechen überdurchschnittlich oft deutsch...? Wie dem auch sei, ich werde weiter machen, überraschen lassen! Und,... danke nochmal für's Interesse!

2012-10-18

Zeiss Ikon Contaflex II

Last Sunday I bought a second Contaflex II camera in a very nice and working condition. The first one I got over a year ago and it was broken. I took it to pieces and realized, what others were warning about: These Contaflexes are probably the most difficult to repair mechanical cameras ever. I was able to get it back together, but in no working condition. Now I'm glad to have one to shoot a film with, and I think the selenium meter is even working! Anyhow, I took the opportunity to post some new pictures here and translate parts of my older German text.

Zeiss Ikon Contaflex II

In 1953 Zeiss Ikon introduced the Contaflex I, a compact SLR with a fixed lens and a leaf shutter. It was the first of its kind ever shown and the decisive design feature was the then-new Compur Reflex Shutter around which the camera was literally built. The Contaflex II followed in 1954. It was basically the same camera with an additional built-in but uncoupled selenium light meter. The Contaflex SLR series was intended for the demanding amateur and was offered in various forms until 1970. When it was launched in Germany in 1954 it cost 498 DM (in today's money about 1200 € or US$ 1500 ). Despite of the high price it was a market success. This was mainly due to the big name, the solid workmanship and some for the time outstanding features (a bright focusing screen, the excellent Tessar, ...).
Zeiss Ikon found some imitators: Kodak Retina Reflex, Voigtlander Bessamatic, to only name the two main competitors. However, the concept of combining a leaf shutter with the single lens reflex system has some major disadvantages: Only set-lenses (a 1.7x telescope was available), limited light intensity, super complex triggering process, no-return mirror, and others. The repeatedly purported benefits (flash sync at all shutter speeds, and a more compact design) don't really make sense to me. If I take my Nikon F, which was built from 1959, then I know exactly why this camera was the archetype of the modern focal plane shutter SLR System (to enumerate the advantages, I can omit here). Due to marketing purposes Zeiss Ikon sticked far too long to the complicated Compur reflex shutter and with this put some nails in the coffin of the West German industrial camera production. Frank Mechelhoff  has described this in detail in an interesting article.
The Contaflex 126, which I was able to use as a child, by the way had a focal plane shutter. If Zeiss Ikon had brought that a few years earlier as a 135 camera, maybe the German camera industry could have stand a little longer against the Japanese competition. The Contaflex series has borrowed its name from a famous ancestor: The original Contaflex of 1935 was a twin-lens reflex ("TLR", with focal plane shutter!) and was the first camera ever with a built-in meter. At the time it was (even pricewise) virtually the Maybach of 135 cameras, has been sold in limited numbers and is now sought after as a rare collector's item. Not comparable to the $ 5 for a broken or $ 20 for a nice and working Contaflex II.

2012-10-13

Petri Automate

Letztes Wochenende war wieder Town-wide Garage Sale in unserer Gemeinde und gleich beim ersten Stop bin ich fündig geworden. Diese schicke japanische Messsucherkamera wartete dort quasi auf mich, für nur $10 wurde sie mein. Sie ist äußerlich in exzellentem Zustand, der Messucher funktioniert und die Linsen sind klar. Allerdings musste ich später feststellen, dass der Zentralverschluss nicht mehr öffnet, anscheinend ein bekanntes Problem der Serie, wie ich beim Googlen rausfinden konnte. Nun ja, für die Vitrine taugt sie allemal.

Petri Automate

Kuribayashi Shashin Kōgyō (Kuribayashi Kamera Werke), ab 1962 Petri Camera Company war lange Jahre auf Augenhöhe mit den anderen bekannten Firmen der japanischen Kameraindustrie und produzierte und exportierte als einer der ersten nach dem Ende der japanischen Besatzung keinen Schund mehr, sondern wohlfeine mechanisch und optisch erstklassige Apparate. Der Markenname Petri wurde gewählt, um die Akzeptanz in Exportmärkten, vorallem den USA zu erhöhen. Nach Stückzahlen war Petri in den '50er und '60er Jahren deutlich vor Nikon und Canon, zum halben Preis angeblich.
Die "Automate" war das erste Topmodell einer Serie von technisch sehr änlichen Messsucherkameras, die 1954 mit der Petri 35 begründet wurde. Alle hatten ein fest eingebautes 45 mm Standardobjektiv, die Lichtstärke war neben dem Verschluss das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen den verschiedenen Modellen. In der Automate, die von 1956 bis 1959 produziert wurde, findet sich das Orikkor 1.9/4.5 cm, ein Tessar-Typ und Petri's eigener Carperu-Verschluss mit 1/300 s (kürzeste Zeit). Die Serie wurde im Laufe der '60er Jahre durch die Petri 7-Serie abgelöst. Außerdem gab es seit 1959 von Petri eine ganze Reihe von Spiegelreflexkameras u.a. mit M42-Objektivgewinde, mal sehen, ob ich auch irgendwo eine solche herbekomme. Petri machte 1977 bankrott und verschwand vom Kameramarkt, vielleicht verät ja John A. Baird's Buch mehr über die Gründe dafür. 
Nachtrag vom 16.6.2013: Den Verschluss konnte ich wieder gängig machen. Dies und ein paar weitere Ergänzungen, siehe hier...

2012-09-30

Flash bulbs

50 years ago the electronic flash has already been invented, but it only prevailed among amateur photographers slowly in the course of the 1970ies. In particular it displaced the flash lamps using flash bulbs. In my collection I have actually three such external flash lamps, one is the Zeiss Ikon Ikoblitz 5, the others are similar. In addition I own two cameras with (more or less) build-in flashes, Kodak's Brownie Starflex and Polaroid's J33. Together with the latter I got a pack of unused Sylvania flash bulbs. I thought, this is the perfect opportunity to add a second post about flash bulbs. The first one was in German, so this here has to be in English.



Flash bulbs are based on an idea by Paul E. Liesegang. In 1861 he proposed to use Magnesium as a light source for photography as it burns off very brightly. Other people developed early open flash lamps using Magnesium powder. In 1899 Josua Cohen was granted US patent No.  636,492, a pretty dangerous apparatus, which would only be handled by professional photographers. It was a kind of logical next step to move the flash "explosion" into a glass bulb. Johannes Ostermeier received US patent no. 1,776,637 for this in 1930. First flash bulbs were big and looked like aluminum foil filled light bulbs using the same screw mounts we still use for normal lighting. Over the years the flash bulbs got smaller and eventually use fine magnesium wire (alternatively, zirconium and aluminum-magnesium alloys) in an oxygen-enriched atmosphere. The circuit of a flash bulb lamp is quite simple, the switch is the shutter release button of the respective camera, connected via a standard sync cable or later the center contact in the accessory shoe (called the "hot shoe"). Once ignited, flash bulbs can't be used again. A plastic coating prevents splintering. Some coatings are blue to create the right light color for color daylight film. This Sylvania bulbs here were clear, as the Polaroid would normally only shoot B&W images.


On the pack there is this BLUE DOT statement, which is a quality attribute. The little blue indicator dot (behind the two electrode wires) ensures the user that this bulb will most probably fire. It consists of anhydrous cobalt (II) chloride. If the bulb is broken and moisture gets into it the dot's color change from blue to light pink. As you can see on the aperture table on the back of the flash bulb pack, these guys make decent light. Today's electronic flashes only achieve guide numbers of 180 (at ISO 100) in case of larger external models, built-in flash tubes in cameras often reach only 30-60. My first flash, the Vivitar 3200 had a guide number of 64 (distance range in feet = guide number divided by aperture).
Many lighting companies produced flash bulbs. Osram used to be market leader in Germany, Sylvania was big in the US. Today, both companies belong together but don't produce flash bulbs anymore.
It should be mentioned, that flash bulbs have a different time/light characteristic than electronic flash tubes, which illuminate the scene in fractions of a second, sometimes even 1/10,000 sec or faster. Flash bulbs are kind of slow burning and allow the use of focal-plane shutters at almost every (fast) speed. They produce continuous light for the time taken for the exposing slit to cross the film gate. For this they have to be fired before the first shutter curtain begins to move, which is called M-sync; the X-sync used for electronic flash fires only when the first shutter curtain reaches the end of its travel. Many cameras from the 50ies and 60ies have a switch to choose between both options. More information about the history of flash lights in photography can be found here or here (in German).

2012-09-24

Polaroid J33 "Electric Eye"

Ebenfalls vom letzten Garage Sale habe ich Sofortbildkamera Nr. 4, Polaroid's J33, gebaut von 1961 bis 1963. Zusammen mit ihrer technisch fast identischen großen Schwester J66 (anderes Filmformat, 40er Rollfilm-Serie) gehörte die J33 zu Polaroid's letzten Kameras für Sofortbild-Rollfilm nach dem Trennbildverfahren. Ab 1963 kamen dann mit dem Modell 100 die Packfilmkameras, die mit der berühmten SX-70 ab 1972 ihren technischen Zenit erreichten. In die J33 passte der selbe 30er-Serie Rollfilm wie in das Modell 80 "Highlander" (Bildgröße 2 1/2" x 3 1/4" = 6.4 x 8.3 cm, durch einen weißen Rand ist das eigenliche Bild aber nur 5.4 x 7.3 cm groß). Die J33 "Electric Eye" hatte allerdings eine automatische Belichtungssteuerung (1/15 s bis 1/1000 s), die praktisch nur die Verwendung von Typ 37 Rollfilm erlaubte, der die damals unglaubliche Empfindlichkeit von 3000 ASA besaß (1959 war das Weltrekord!). 

Trotz automatischer Belichtungssteuerung und Zwei-Zonen Fixfokus, war Sofortbildfotografie mit dem Rollfilm immer noch recht umständlich. Polaroid hat aber alles getan, um es so weit es geht idiotensicher zu machen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung auf die Kamera geklebt, sowie weitere Hinweise auf die Innenseite der Bildklappe gedruckt. Ich habe versucht mit meiner Bildkollage oben, die einzelnen Schritte abzubilden, einfach für größere Bilder draufklicken... Polaroid behauptet in ihrer gedruckten, ausführlichen Bedienungsanleitung, dass diese Schritte schon nach wenigen Bildern quasi in "Fleisch und Blut übergehen".


Neben der automatischen Belichtungssteuerung war das eingebaute Blitzgerät für Blitzbirnchen ein Highlight der Kamera. Mit meinen Exemplar bekam ich noch ein fast vollständiges Päckchen Sylvania Blitzbirnchen. Die notwendige Batterie in der Kamera stammte allerdings auch noch aus den 60ern, war ausgelaufen und hatte zu Korrosion der Batteriehalterung geführt, die bei meiner ersten Berührung abbrach. Also habe ich erstmal alles sorgfältig gereinigt und quasi eine neue 1.5 V Batterie eingelötet. Den Erfolg könnt ihr oben bewundern, es blitzt wieder! Auf die GIF-Serie bin ich besonders stolz, ich habe nur 3 Birnchen gebraucht. Trotz funktionerendem Blitz, sauberer Optik und satt klickender Mechanik kann man leider keine Bilder mehr mit dem Ding machen: Es gibt schon seit ungefähr 40 Jahren keinen passenden Film mehr!
Wie gut die Bilder der Kamera früher wirklich waren, kann ich man heute also nicht mehr beurteilen. Der einlinsige Plastik-Meniskus als Objektiv verspricht jedenfalls nicht besonders viel. Auch die kleine Bildgröße und der Fixfokus waren nichts für etwas anspruchsvollere Fotografen. Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Fotos bei der Entwicklung misslangen. Gar nicht zu sprechen, vom notwendigen Klarlacküberzug, den man mit einem Schwämmchen nach jedem Foto auftragen musste, um es haltbar zu machen... Hat irgendjemand in einem Album noch Foto's von damals?
Für Interessierte an Polaroids Kamerageschichte, sei neben der Land-List auch Jim's Polaroid-Seite empfohlen.