2011-11-23

Gerücht: Fujifilm LX

Ich beteilige mich ja ungern an Gerüchten, aber das hier scheint wirklich interessant zu werden. Im Internet sind erste Bilder einer spiegellosen Systemkamera von Fujifilm aufgetaucht, geschossen vom einem Handy durch die Scheibe eines Reinraums in China. Die Kamera erinnert an Fujifilms X100, die sehr viel Zuspruch im letzten Jahr gefunden hat und die man in dem Zusammenhang sicher als Fujifilms Testballon für ein LX System bezeichen kann. Mehr Informationen gibt es hier. Von dem, was man heute schon ahnen kann, ist Fujifilm meinem Geschmack nach auf dem richtigen Weg, im Gegensatz z.B. zu Nikon. Fragt sich nur noch, ob der Digitalkamera-Marktführer Canon nicht auch noch die Kurve in diese Richtung kriegt, und wenn dann wie...?
Besonders interessant an Fujifilms neue(n) Kamera(s) ist sicher der zu erwartende Sensor. Hier gibt es solide Ankündigungen von Fujifilm selbst, und es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass sich die alte Filmtante Fuji damit an die Spitze der Sensorentwicklung setzt, wenn die Erwartungen denn erfüllt werden. Ich bin sehr gespannt...

2011-11-18

Konica C35 AF

Das ist sie: die erste kommerziell erhältliche Autofokuskamera, ein relativ unscheinbarer Meilenstein der Fotografie.  Auf den Markt gekommen ist sie Ende 1977, nachdem einige Kamerahersteller schon auf der Photokina 1976 AF-Prototypen zeigten und insbesondere Leica schon ab 1973 Patente zum Thema AF angemeldet hatte. Es war aber die relativ kleine Firma Konishiroku Honten, die diesen Punkt landen konnte. Konica setzte damals als erster "Kunde" Honeywells Visitronic Autofokussystem ein, ein passives AF-System, welches änlich wie eine Messsucherkamera über bewegliche Spiegel zwei Halbbilder zur Deckung bringt und per elektronischem Sensor auswertet. 

Die Kamera selbst ist ein interessanter Hybrid zwischen Mechanik und Elektronik. Mit dem Schnellschalthebel tranportiert man nicht nur den Film, sondern spannt auch den Verschluss und zieht einen Federmotor für das AF-System auf: Die Kamera fokussiert auf die nächst mögliche Entfernung (1,10 m). Drückt man dann den Auslöser, schnurrt das Objektiv in Richtung Unendlich zurück, gleichzeitig bewegen sich oben hinter den AF-Fenstern die Spiegel und der AF-Sensor löst den Verschluss aus, wenn er beschließt, dass es jetzt scharf ist. Neben dem AF gibt es selbstverständlich noch eine Belichtungsautomatik mit drei Verschlusszeiten (1/60, 1/125, 1/250 s) und Blenden von 2.8 bis 22, keines von beiden ist manuell einstellbar. Wählen kann man hingegen, ob der Biltz verwendet werden soll. Dafür drückt man den silbernen Knopf unten am Objektiv und der Blitz wird 1 cm nach oben ausgefahren. Wenn der Blitz an ist, wählt die Kamera automatisch die Blende zur ermittelten Entfernung, so wie sich das für eine vollautomatische Kamera gehört.


Der Ruhm für das Autofokussystem gebührt Norman Stauffer der sich schon seit den 60er Jahren für seine Firma Honeywell mit Autofokus beschäftigte. 1975 wurde das entscheidende Patent erteilt und Honeywell entschied sich, nur das eigentliche AF-Modul selbst zu bauen und die Technologie an Kamerabauer zu lizensieren. Die Leute von Konica waren die schnellsten, die damit am Markt waren.  Als dann (fast) alle Kamerahersteller auf den Autofokuszug aufsprungen, stellte sich heraus, dass manchen Honeywell's Patente egal waren und sie eben keine Lizenzgebühren gezahlt hatten. Minolta brachte 1985 mit der Maxxum 7000 die erste AF-SLR mit AF-Motor im Gehäuse raus un dachte wohl, dass dazu die von Leitz gekauften AF Patente ausreichen. Aber Honeywell klagte auf Patentverletzung und bekam am Ende Recht. Minolta musste 1992 $127.5 Millionen an Honeywell zahlen. Und in Folge einigte man sich noch mit Chinon, Ricoh and Vivitar (zusammen 11.4 mio $), Nikon ($45 mio), Asahi Pentax ($21 mio), Canon und Olympus ($34.7 mio). Ein recht wertvolles Patent also.

Die Konica C35 AF stand übrigends Pate für eine ganze Reihe ähnlicher Kameras. Manche sehen dem Vorbild fast zum Verwechseln ähnlich:  Fujica Flash AF (1978), Rolleimat AF (1979), Yashica Auto Focus (1978), Minolta Hi-Matic AF (1979), Chinon 35 F-A (1979), Mamiya 135AF (1979), ein Schelm, wer sich seinen Teil dazu denkt.

2011-11-13

Simplex Snapper


Heute war endlich wieder die Second Sunday Camera Show in Wayne/NJ, die jetzt leider nur noch alle 4 Monate stattfindet. Ich habe wieder zugeschlagen und insgesamt 4 Kameras für zusammen nur 60$ erworben. Alle bedienen ein unterschiedliches Bildformat und haben alle was Spezielles. Ich werde sie natürlich der Reihe nach hier vorstellen und beginne mit dieser interessanten Plastikkamera für das Instamatic Format (126er Kassette).

Hergestellt von der American Optical Corporation ("AO") anfang der 70er Jahre, macht sie perfekt Gebrauch von der Tatsache, dass der Film ja in seiner Kassette schon ein Gehäuse hat. Das Objektiv (ein einfacher Meniskus), der Verschlussmechanismus und der Sucher sind in einem kleinen Gehäuse untergebracht, das mit einer großen Klammer einfach auf die Filmkassette geklemmt wird. Simpler geht's fast nicht. Optische Wunder und perfekt belichtete Bilder muss man sicher nicht erwarten, aber die meisten anderen einfachen Instamatic-Kameras lieferten ja auch nichts anderes.
Viele weitere Informationen findet man zu der Kamera nicht, ich vermute ähnliche technische Daten wie bei Kodaks Vorbildern (ca. 45 mm f/11 Fix-Fokus, 1/90 s Belichtungszeit oder so...). Immerhin gibt es ein paar kleinere technische Schmankerl: Anschluss für einen Blitzwürfel-Blitzgerät und eine Doppelbelichtungssperre. Wer doch noch genaueres weiß, bitte als Kommentar anfügen.
Jetzt aber keine Sorge: die anderen drei Kameras sind alle technisch deutlich anspruchsvoller. Eine davon ist sogar eine sog. Landmark-Kamera, die unter die Top-20-Cameras-of-all-time aufgenommen wurde. Überraschen lassen!

2011-11-06

Polaroid SX-70 Sonar OneStep

Bei meinen bisherigen Polaroid-Posts habe ich schon etwas von meiner erst im letzten Jahr entstandenen Begeisterung für diese Kameras kundgetan. Im Gegensatz dazu habe ich früher das Sofortbild als einen auf der einen Seite teuren, auf der anderen Seite aber nicht wirklich ernsthaften Zweig der Fotografie abgetan. Die meisten der Kameras lieferten ein billiges Point-and-Shoot Image und das war natürlich nichts für einen ernsthaften Amateurfotografen...
Mit der SX-70 hat Edwin Land allerdings 1972 sein Meisterstück abgeliefert. Obwohl die Kamera äußerst simpel wirkt und auch so bedient werden kann, ist jedes Detail bis ins Kleinste durchdacht und optimiert. Diese Kamera ist wirklich ein Landmark, ein Meilenstein in der Geschichte der Fotografie und kann hinsichtlich Design, Bedeutung und Markterfolg vielleicht mit Apples iPhone verglichen werden.

Man muss es sich wirklich alles auf der Zunge zergehen lassen. Es ist vom Bildformat her die wohl kompakteste Mittelformatkamera, dabei noch eine SLR (einäugige Spiegelreflex), hat eine elektronische Belichtungssteuerung und einen motorischen Bildvorschub. Und das alles in einem Gehäuse, dass zusammengklappt in der Jackentasche nicht aufträgt. 1978 wurde der einmalige Sonar Autofocus ergänzt und damit die SX-70 zur ersten AF-Spiegelreflex überhaupt. Das Pfiffige am Sonar-System ist, das es auch bei absoluter Dunkelheit funktioniert. Auf der anderen Seite kann man nicht durch Scheiben hindurch oder auf Spiegelbilder scharfstellen. Dazu gibt dann einen kleinen Hebel, mit dem man den AF abschalten und manuell fokussieren kann.

 

Auch wenn das Video aus den 70ern echte Längen hat (am Besten zwischendurch einfach "vorspulen"), zeigt es doch viele sonst verborgene Details. Was nicht erwähnt wird: Zum Fokussieren wird nur das Frontelement des 116 mm f/8 Objektivs verschoben. Dies erlaubt die wirklich erstaunliche Naheinstellgrenze von weniger als 25cm. 

Ich habe die Kamera schon benutzt und zwar mit dem Impossible PX-70 Color Shade Filmpack. Auch wenn betont wird, dass dieser Film noch im experimentellen Stadium ist, war ich doch enttäuscht. Nicht nur von der wirklich mangehaften Farbwiedergabe, sondern auch Auflösung und Kontrast sind nicht wirklich da. Wenn man das heute sieht, kann man Polaroids Leistungen mit dem Film in den 70ern  nicht hoch genug einschätzen. Ich habe noch ein Filmpack vom PX-100 Silver Shade, da erwarte ich ein bisschen mehr...