2017-09-20

Zhujiang (Pearl River) S-201

Hier wieder mal ein Exot für meine Sammlung. Diese Kamera ist sicher kein technischer Meilenstein, aber doch wegen ihrer Herkunft sehr interessant und ich bin echt froh, eine solche ergattert zu haben. Es handelt sich um die wohl anspruchsvollste chinesische KB-Spiegelreflex und ist eine Kombination aus Basistechnik aus dem Hause Minolta und Elementen der Nikon F. Die meisten anderen chinesischen SLR sind mehr oder weniger direkte Kopien oder Klone ihrer jeweiligen Vorbilder. Zunächst waren es russische oder deutsche Vorbilder, später dann Minolta (SR) und Pentax (K-1000). In meinem letzten Post habe ich ja schon darüber geschrieben. Bei der Pearl River S-201 ging man aber über das reine Kopieren hinaus und entwickelte wegen der Kombination verschiedener Elemente eine fast eigenständige Kamera. 

Die S-201  wurde von drei Kamerafabriken produziert und bediente sich hauptsächlich Minolta's SR Technologie, die wie man munkelt das kommunistische China in Lizenz erworben und an einige Kamerafabriken weitergegeben hatte. Die Technologie war über 10 Jahre alt, in Japan wurden Mitte der 70er schon ganz andere Kameras geplant und gebaut! Neben dem SR-Bajonett hat die S-201 fast identische Ausmaße wie die gute alte SR-Serie, dann wurde aber auch noch ein gutes Stückchen Nikon F "eingekreuzt", was sich Wechselsucher, der Position der Objektiventriegelung oder dem Aufsteckblitzschuh für die Rückspulkurbel sehen läßt. Leider hat mein Exemplar nur den Lichtschachsucher, wenn man Bilder mit dem Prismensucher sich anschaut, erkennt der Fan sofort die Ähnlichkeit mit der Nikon F. 
Auch das Objektiv ist im damaligen Nikon Design gehalten, auch wenn es sich optisch um eine chinesische (vermutlich 1:1) Kopie des russichen Helios-44 handelt, welches wiederum eine Zeiss Biotar 58 mm f/2 Kopie war, ein Objektiv, das 1936 auf den Markt kam!

Pearl River S-201 von 1974 mit ihren beiden Technik und Ideenspendern, die beide 1959 in Japan auf den Markt kamen
Die drei Fabriken waren die Mingguang Machinery Factory ("M"), Jinguang Instrument Factory ("J") und Yonggunag Instrument Factory ("Y"),  alle drei in der Provinz Sichuan irgendwo in und bei Chongqin bzw. Chengdu. Diese Basisinformation find man im Verzeichnis von Chinesecamera.org, leider gibt es nicht viel mehr her. Allerdings gibt es einen sehr langen Forumseintrag von 2009 von einem Nutzer namens LeeSobing, der aber eine recht unverständliche englische Maschinenübersetzung von einem anderen chinesischen Forumsbeitrags gepostet hat. Letzterer ist leider heute nicht mehr auffindbar, um ihn erneut über eine bessere Maschine zu jagen oder gar von einem chinesischen Kollegen übersetzen zu lassen, zu schade! Hier ist kurz auf deutsch, was ich da rausgelesen und interpretiert habe: 
1972 entspannte sich Chinas außenpolitische Situation, insbesondere durch diplomatische Annäherung zu den USA. Daher ging der Bedarf an feinmechanischen Rüstungsgütern (Gewehre, Zielfernrohre, etc.) zurück und die Führung erlaubte oder befahl den Fabriken im Februar 1973 auf zivile Güter umzustellen. Für fünf Fabriken in der Sichuan Provinz wurde diese Kamera auserkoren, die auf Basis des "Shanghai Seagull DF-Typs" (Minolta SR Lizenz) entstehen sollte, allerdings modifiziert mit 10 Ideen inspiriert von der Nikon F. Die Mingguang Fabrik begann 1974 mit Hilfe und freimütiger Unterstützung der Seagullfabrik(en) in Shanghai die Kamera zu entwickeln. 1975 und 1976 wurden ca. 50 Prototypen sowie Werkzeuge für Komponenten gebaut, 1977 ging endlich die Massenfertigung los. In diesem Jahr wurden die ersten 705 Exemplare gebaut. Die drei genannten Fabriken besorgten die Endmontage, die anderen lieferten Komponenten. Als Marke hatte man sich schon früh auf Pearl River (Zhujiang oder Zhe Jiang) geeinigt, einfach weil es eine bekannte Kameramarke war. Eine Fabrik in Guangzhou (Kanton) produzierte schon seit Jahrzehnten Rollfirmkameras unter diesem Namen. Und man hatte von Beginn an den Export dieser Kamera zwecks Deviseneinnahmen im Auge, wie die zweisprachige Bedienungsanleitung beweist. Ab 1986 kam es dann doch zum Zwist bezüglich der Marke Pearl River und langsam wurde Markenrecht auch in China eingeführt. Man musste "Pearl River" dem älteren Rechteinhaber in Guangzhou überlassen und die S-201 wurde wohl ab Anfang der 90er unter der neuen Marke Mingca (Mingguang Camera) verkauft. Die einzelnen Fabriken mussten auch zwischenzeitlich umziehen und wurden umbenannt. 
Der Seriennummer kann man ansehen, in welcher Fabrik endmontiert wurde (bei meiner ein J, also Jinguang). Ich glaube, dass die zwei Ziffern hinter diesem führenden Buchstaben das x-te Jahr der Produktion angeben, bei mir also 12 = ca. 1986?  

Auf eine Sache bin ich beim Studium der Bedienungsanleitung aufmerksam geworden. Auf den Seiten 5 und 6 wird auf eine Spiegelarretierung und die Abblendtaste hingewiesen, beides fehlt bei meiner Kamera, ist aber durchaus auf Fotos anderer Kameras im Internet zu sehen. Ich kann hier nur spekulieren, dass diese Features irgendwann während des Produktionszeitraums weggelassen wurden. Auch das Objektivangebot, was auf der letzten Seite beschrieben wird kann sich von Anfang an sehen lassen. Neben einem 45-90 f/3.5 Zoom im Stil des Nikkor 43-86 gab es ein 105 mm f/2.5 und ein 35 mm f/2.3. In späteren Bildern sieht man noch mehr Objektive, das Minolta Bajonett wurde ja in China auch bei den Seagull Kameras benutzt, die Auswahl war also da. 

2017-08-28

Chinese SLR

This part of my SLR production number assessment was definitely the most tricky, longest lasting and certainly the least accurate. Several different Chinese SLR exist and are briefly documented on a few Chinese and other Websites, but you rarely find them at ebay or other auctions today. Some of these seem to be produced just as a few prototypes but never went into mass production, others might have been produced in relatively large numbers, but eventually disappeared in small percentage of households of the gigantic Chinese population. Then, there is widely spread information, that especially Minolta but also Pentax moved some of their SLR production to China. And last but not least, starting with the mid 1990ies China's rise to eventually become the world's industrial work bench. It is documented, that in the year 2000 China's camera production (total, not just SLR and including digital) already was at 55 million units. Therefore, what I did was a fact finding exercise at first, looking at the situation from different angles. As a second step I tried to draw a picture, which would satisfy all the different facts. As this is mostly an indirect approach there is lot of room for error, especially within certain details although the overall picture might still be quite OK.
Dieser Teil meiner Recherche zu Spiegelreflex Produktionszahlen pro Land war definitiv der schwierigste, langwierigste und sicherlich der am wenigsten genaue.  Eine ganz ansehnliche Reihe von chinesischen SLR Modellen existiert und wird auf wenigen Chinesisch-sprachigen und anderen Websites heute dokumentiert. Man findet sie aber heute sehr selten bei ebay oder anderen Portalen. Insbesondere die ganz frühen wurden nur in sehr geringer Stückzahl oder als Prototyp produziert, wurden aber nie in Massenfertigung überführt. Andere mögen in größerer Stückzahl produziert worden sein, verschwanden dann aber in einem Bruchteil der Haushalte des riesigen chinesischen Volks. Dann gibt es wiederum die relativ gesichterte Information, dass insbesondere Minolta und später auch Pentax einen Teil der SLR Produktion nach China verlagert haben. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass ab Mitte der 1990er China zur industriellen Werkbank der Welt aufstieg. So ist z.B. bekannt, dass im Jahr 2000 in China schon 55 Millionen Kameras produzierte (gesamt, nicht nur Spiegelreflex). Daher, was ich gemacht habe war zunächst die Informationen und Fakten zusammenzutragen, um die Sache von verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Danach habe ich ein Mengenszenario entworfen (siehe Graphik oben), wobei ich möglichst allen (vermeintlichen) Fakten gerecht geworden bin. Das ist natürlich ein sehr indirekter Ansatz und bietet viel Raum für Fehler, insbesondere bei einzelnen Details. Dennoch glaube ich, dass das Bild als Ganzes so ungefähr hinhauen sollte.


So here are the major facts including the sources I used. A quite interesting entry into Chinese photography is a long article in Popular Photography from May 1981 (available at google books), which spends a few sentences on the last page on Chinese camera production and market size. A number of 240,000 cameras (total for 1980) was given, which at least in terms of magnitude fits to a 370,000 mentioned in this statistical chart. Seagull in Shanghai was mentioned as the largest camera manufacturing site and on their website they claim to have produced a total of about 21 million cameras between 1958 and 2012 (they are still in the photo business, but don't produce cameras anymore). Most of these cameras were simple point-and-shoot cameras or TLR's like my 4B-1, which have been widely used within China but also been exported. However, they also produced ... DF-1 and later DF-300.
Hier also die wesentlichen Fakten inklusive Quelle: Einen sehr interessanten Einstieg in die chinesische Fotografie bietet ein langer Artikel in  der Zeitschrift "Popular Photography" vom Mai 1981 (verfügbar auf Google Books). Auf der letzten Seite werden ein paar Zahlen genannt. Für das Jahr 1980 wird die Kameraproduktion auf ca. 240.000 geschätzt. Das passt zumindest größenordnungsmäßig zu den 370.000, die in dieser Statistik genannt werden. Seagull in Shanghai wird als der größte Kamerahersteller des Landes benannt. Auf ihrer Website behaupten sie, zwischen 1958 und 2012 insgesamt 21 Millionen Kameras produziert zu haben. Das tun sie heute nicht mehr, stellen aber immer noch Fotozubehör her. Die meisten dieser Kameras waren einfache Sucherkameras oder zwei-äugige Spiegelreflex wie meine 4B-1, die sowohl in China selbst weite Verbreitung fanden als auch exportiert wurden. Seagull produzierte ab den 1970ern aber auch KB-Spiegelreflexkameras wie die DF-1 sowie später die DF-300, beides Minolta Klone.

One can distinguish three phases of SLR production. The first one started in the late 50ies/early 60ies with a few attempts to copy (East-) German or Russian designs. Cameras like the Purple Mountain Z 135-I (a Zenit-C copy) or the Tianchi SLR (a Contax S clone) have just been produced as a few prototypes but never went into mass production. During the 60ies the Chinese got some profound knowledge about Minolta's successful SR-series (or maybe got a sort of licence from Minolta). Anyway, at least two camera factories build quite successfully Minolta SR-2 clones. The first was the Shanghai factory with the Seagull DF-1 (series). My estimate is about 250,000 units for the entire series, it might have been even more.  The second successful attempt comes from Sichuan factory(ies) with the Pearl River S-201, a camera which combined the basic SR-2 technology with some elements from Nikon's F (e.g. the exchangeable finder).
Man kann drei Phasen der chinesischen SLR Produktion unterscheiden. Die erste begann Ende der 1950er oder frühen 60er Jahre mit einigen Versuchen (ost-) deutsche oder russische Kameradesigns zu kopieren. Kameras wie die Purple Mountain Z 135-I (eine Zenit-C Kopie) oder die Tianchi SLR (eine Contax S Klon) wurden gerademal als Prototypen hergestellt, schafften es aber nie in die Massenfertigung. Während der 60er dann kamen die Chinesen irgendwie an die Zeichnungen und/oder Maschinen zu Minoltas erfolgreicher SR-Serie (vielleicht gab es tatsächlich irgendeine Form einer Lizenz dazu...). Jedenfalls bauten ab den frühen 70er Jahren mindestens 2 Fabriken erfolgreiche Minolta SR-2 Abkömmlinge, natürlich mit Minolta Bajonett. Die erste war Seagull in Shanghai mit der DF-1 (Serie). Meine Schätzung hier beläuft sich auf mindestens 250.000 Exemplare über die Jahre. Der zweite erfolgreiche Versuch kommt aus der Sichuan Provinz, wo am Ende drei Werke die Pearl River S-201 produzieren, eine Kamera, die aufbauend auf der Basis SR-2 Technik Elemente der Nikon F integrierte, wie z.B. austauschbare Sucher.

The second phase was accomplished with some Japanese help. In 1979 Pentax transferred K-1000 production to Hongkong and 1990 finally to main land China. It's known that more than 3 million units have been produced labeled with the Pentax name. However, the same camera also appeared as Mingca K-1000 and it's hard to estimate how many of these have made their way into the Chinese households. Later Minolta did the same with X-300/X-370 production. Soon after the production started almost identical clones appeared on the market. One can estimate that the number of the copies at least was in the same ballpark as the exported cameras.
Die zweite Phase bediente sich japanischer Hilfe. Im Jahr 1979 übertrug Asahi Pentax die K-1000 Produktion nach Hongkong und 1990 schließlich in die Volksrepublik China. Es ist bekannt, dass mehr als 3 Millionen Gehäuse original mit "Pentax" beschriftet und in alle Welt verkauft wurden. Doch die gleiche Kamera erschien u.a. auch als Mingca K-1000 und es ist schwer zu schätzen, wie viele von ihnen den Weg in die chinesischen Haushalte gemacht haben. Später hat Minolta das gleiche mit der X-300 / X-370 gemacht. Bald nach der Produktionsbeginn tauchten fast identische Klone auf dem Markt auf. Ich schätze mal, dass die Anzahl der Kopien zumindest in der selben Größenordnung wie die exportierten Kameras waren.

The third and last phase started mid of the 1990ies after Minolta and later Pentax ceased production of their respective models. The tools remained and continued producing the respective Chinese clones, which also have been exported under some foreign distributor brands. In addition a larger newcomer appeared: Jianxi Phenix Optical Instruments Ltd., a company which got into possession of Kyocera's (or Cosina's) Yashica FX-3 tools. Either way, this was the third SLR design which was produced in larger numbers, and was available with Nikon, Pentax K, Yashica and other mounts. The cameras also found their way into western distribution networks, e.g. under the Kenko brand. By about 2004 digital cameras would take over the photo market and the now more experienced and focused Chinese producers offered their workbench to produce millions of digital cameras. My guess is, that by 2006 latest almost all analogue SLR production ceased. The world-wide distribution networks would sell off their stock until 2008/2009, you can still find old web-shop pages or articles from this time frame in the internet.
Die dritte und letzte Phase begann Mitte der 1990er Jahre, nachdem Minolta und später Pentax die Produktion ihrer jeweiligen Modelle einstellten. Die Werkzeuge verblieben in China und produzierten weiter die jeweiligen Klone, die auch unter ausländischen Vertriebsmarken exportiert wurden. Darüber hinaus erschien ein größerer Newcomer: Jianxi Phenix Optical Instruments Ltd., ein Unternehmen, das in den Besitz von Kyoceras (oder Cosinas) Yashica FX-3 Produktionsmaschinen kam. So oder so war dies das dritte SLR-Design, das in größeren Stückzahlen produziert wurde und mit Nikon, Pentax K, Yashica und anderen Bajonetten erhältlich war. Die Kameras fanden auch ihren Weg in westliche Vertriebsnetze, z.B. unter der Marke Kenko. Etwa um das Jahr 2004 übernehmen Digitalkameras den Fotomarkt und die jetzt erfahrenen und fokussierten chinesischen Produzenten bieten ihre Werkbank an, um Millionen von Digitalkameras zu produzieren. Meine Vermutung ist, dass bis spätestens 2006 fast jede analoge SLR-Produktion eingestellt wurde. Die weltweiten Vertriebsnetze würden ihre Bestände bis 2008/2009 verkaufen, man kann immer noch alte Web-Shop-Seiten oder Artikel aus diesem Zeitraum im Internet finden.

I should mention that this is a simplified representation from afar. One might get the impression that it was about three to four camera manufacturers who served this market. In reality, it were at least 10, as it can be counted on the linked Chinese websites. However, there was probably intensive cooperation and technology exchange between the factories, as well as presumably central control of production and marketing. Some of the above-mentioned models have been produced by various manufacturers at the same time. All in all, let me draw the above picture. Together, there are 24 million SLR cameras, of which over half belong to the third phase. Some millions of them were surely exported (the Pentax K1000 and the Minolta X-300), but many remained in the country and were used by the prospering Chinese population itself at the end of the last century. As mentioned above, the whole thing comes along with a relatively big error, but it could have been that way...
Ich sollte hier nicht unerwähnt lassen, dass dies hier eine vereinfachte Darstellung aus der Ferne ist. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich um drei bis vier Kamerahersteller handelte, die diesen Markt bedienten. In Wirklichkeit waren es mindestens 10, wie man beim Studium der oben verlinkten chinesischen Seiten zählen kann. Allerdings gab es wohl intensive Zusammenarbeit und Technologieaustausch zwischen den Fabriken, sowie vermutlich zentrale Steuerung der Produktionen und der Vermarktung. Einige der genannten Modelle wurden z.B. von verschiedenen Herstellern gleichzeitig produziert. Insgesamt ergibt sich für mich ungefähr obiges Bild. Zusammen sind es 24 Millionen SLR Kameras, davon über die Hälfte in der dritten Phase. Einige Millionen davon wurden sicher exportiert (die Pentax K1000 sowie die Minolta X-300), viele verblieben aber auch im Land und wurden am Ende des letzten Jahrhunderts von der immer wohlhabender werdenden chinesischen Bevölkerung selbst genutzt. Wie oben schon gesagt, das Ganze ist mit relativ großem Fehler behaftet, aber so ähnlich könnte es gewesen sein...

2017-08-14

Carl Zeiss Sonnar 5cm f/1.5


Ich hatte es bei meinem Post zur Contax II schon dezent angedeutet: Neben der Kamera selbst ist natürlich das Objektiv der Star, quasi der Meilenstein am Meilenstein. Das Carl Zeiss Sonnar, insbesondere in der Lichtstärke f/1.5, war in den 1930er Jahren DAS Hochleistungsobjektiv schlechthin. Man kann die Leistung seines Designers Ludwig Bertele und die Bedeutung dieser Erfindung für die Fotographie nicht hoch genug einschätzen.  
Die Ausgangslage bezüglich Objektivdesign war für den jungen Bertele eigentlich ganz gut. Schon ein paar Jahre vor seiner Geburt wurde das Hauptproblem der fotografischen Abbildung - der Astigmatismus - durch Taylor und seinem sog. Cooke-Triplet grundsätzlich gelöst. Um es kurz zu machen: Diese geschickte Kombination von zwei Sammel und einer zentralen Zerstreuungslinse bildet als ganzes wie eine Sammellinse ab, wobei sich die Abbildungsfehler der Einzellinsen aber im wesentlichen gegenseitig aufheben. Leider funktioniert das nur bis zu einer gewissen Lichtstärke, bei ca. 3.5 oder größer wird es unschön, besser blendet man auf 5.6 oder gar 8 ab. 
Natürlich versuchte man, durch Einfügen weiterer Elemente und die Verwendung hochbrechender Gläser lichtstärker zu werden ohne die Abbildungsleistung zu stark zu opfern. Der erste wirklich nennenswerte "Lichtriese" war das Ernostar f/2, entwickelt mit nur 4 Linsen von eben jenem Ludwig Bertele im Alter von nur 23 Jahren. 
Allerdings stiegen zur selben Zeit mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung. Außerdem treibt man mit dem Einfügen zusätzlicher Linsen für Abbildungsleistung und Lichtstärke quasi den Teufel mit dem Belzebub aus. Jeder zusätzlicher Glas-Luft Übergang bedeutet Streuverluste, die mit Kontrast- und Lichtverlust einhergehen. Was also tun? Bertele lieferte die Antwort, in dem er Linsen "verkittete", am besten solche mit unterschiedlichen Glas (bzw. Brechungsindex). Schon in den 1920er Jahren verbesserte er bei Ernemann seine Ernostar-Objektive dadurch. Spätestens seit 1926 als Ernemann von Zeiss Ikon (und damit auch Bertele) übernommen wurde, verfeinerte er und das Team bei Zeiss die Technik dazu immer mehr und verkittete nicht nur zwei, sondern später sogar drei Linsen miteinander. Man kann also sagen, dass diese Technik den Objektivdesignern einen neuen Freiheitsgrad verschaffte. 
Das Sonnar f/1.5 von 1933 ist also quasi der Gipfel dieser Entwicklung, denn Bertele war es gelungen ein komplexes System aus 7 Linsen wieder zu einem Triplet zu gruppieren. Die Abbildungsleistung war derart gut, dass nur bis ca. 2.8 abblenden muss, um das Optimum rauszuholen. Fotografen und betuchte Amateure schwärmten und begründeten den legendären Ruf des Namens Sonnar. 
Die Entwicklung ging natürlich weiter und das bezeichnenderweise ebenfalls bei Zeiss Ikon in Jena. Im Jahre 1935 patentierte Alexander Smakula, ein (gleich alter) Kollege von Bertele die "Antireflexbeschichtung" oder "Vergütung" optischer Linsen. Auch das Sonnar wird später mit vergüteten Linsen gebaut und von Zeiss mit dem roten T* vermarktet, aber das wird vielleicht mal Thema eines anderen Posts. Allerdings macht die heutige Technik der Mehrschichtvergütung sehr komplexe Objektivkonstruktionen mit wieder einer größeren Zahl von freistehenden Gruppen möglich. Verkittung von einzelnen Linsen wird zwar noch angewendet, aber eher selten. 
Mein Sonnar hier von 1938 ist noch unvergütet und ich werde bei Gelegenheit mal Testfotos machen und auch hier zeigen. Für alle die weiterlesen wollen seien Frank Mechelhoff's exzellente Seiten empfohlen. 

2017-08-04

Zeiss Ikon Contax II

Es steht zwar nirgendwo Zeiss Ikon auf der Kamera, aber jeder Fotointeressierte in den 1930er Jahren wusste, wer da (endlich) gegen die Leica den technologischen Wettbewerb im neuen Kleinbildsektor aufnahm. Nach einem vielleicht überhasteten Versuch mit der Contax I im Jahre 1932, der noch nicht zuverlässig arbeitete und immer wieder verbessert wurde, konnte Zeiss Ikon im Jahre 1936 mit diesem zweiten Modell der Welt zeigen, dass sie Technologieführer waren, und das weltweit! Stephen Gandy hat auf seiner Seite Camerquest die Vorzüge der Kamera im Detail diskuiert und auch schön tabellarisch den direkten Vergleich mit der Leica IIIa gezogen, der klar zugunsten der Contax ausgeht. Ich will hier natürlich nicht alles wiederholen. Aber sie ist ohne Zweifel ein technischer Meilenstein im Kamerabau, sie war die erste richtige Messsucherkamera mit eingespiegeltem Entfernungsmesser im Sucher (Leica hatte das erst ab der M3, 1954) und sie hatte den damals schnellsten Verschluss mit 1/1250 s. 
Bild aus dem Photo-Porst Katalog von 1937
Ihr größter Vorzug vermutlich aber waren die exzellenten Objektive und auch sonst das Zubehörprogramm, dass Zeiss Ikon innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellte. Davon und natürlich vom hohen Preisniveau kann man sich beim Blick in den Photo-Porst Katalog von 1937 ein Bild machen...
In meiner Sammlung darf dieser Meilenstein natürlich nicht fehlen und wird demnächst neben der Leica III in der Vitrine stehen. Ich habe sie auf e-bay gefunden und angesichts der Tatsache, dass sie mit dem f/1,5 Sonnar kam, einen fairen Preis bezahlt.
Die Kamera trägt die Seriennummer G7773 und stammt somit von 1938. Sie ist gut erhalten, Verschluss, Blende, Entfernungsmesser, Selbstauslöser und Fokus funktionieren einwandfrei. Äußerlich gibt es einige Spuren der normalen Benutzung, an ein paar Stellen blitzt das Messing durch. Auf der Kamerarückseite gibt es einige kleine "Zeiss-Knubbel", Einschlüsse von Messingkorrosion unter dem Leder. Der umklappbare Standfuß am Stativgewinde fehlt, dafür hat sie einen nachträglich eingebauten Blitz-Synchronanschluss, keine der Vorkriegs-Contaxe hatte das im Original. Eventuell ist dieser Umbau sogar in Schweden durchgeführt worden. Ein entsprechender Aufkleber einer entsprechenden Werkstatt findet sich im Filmraum.
So, auf dem Bildchen rechts unten sieht man sie neben meiner Kiev 4, einem fast originalgetreuen Contax III Nachbau aus der Sovietunion. Deren Geschichte ist im entsprechenden Post schon ausführlich behandelt worden. Ihre wirklichen Nachfolger, also Weiterentwicklungen aber waren natürlich die westdeutsche Contax IIa (und IIIa), sowie die ertsklassigen Nikon Messsucherkameras, wie zum Beispiel meine Nikon S. Der absolute Höhepunkt der Entwicklung ist sicherlich die Nikon SP, die zur Grundlage der legendären Nikon F wurde. Aber hier sind wir schon wieder bei Spiegelreflex und einer anderen Geschichte. 

2017-07-29

Nikon F-301 (N2000)


Eine weitere Nikon aus meiner Sammlung, die hier dokumentiert werden will. Ich habe sie glaube ich schon 2014 auf einem Kameraflohmarkt in den USA für nur $20 gekauft, zu Hause Batterien reingetan und festgestellt, dass alles funktioniert und sie dann irgendwie im Regal vergessen. 2015 habe ich sie dann fotografiert, aber immer noch nicht gepostet. Bei meinem Nikon Geburtstagsbeitrag habe ich sie wiederentdeckt, und hier ist sie: Nikon F-301, in den USA als N2000 vermarktet.
 
  
F-301 Broschüre (klick --> PDF)
Die Nikon F-301 ist Nikon's erste Kamera einer neuen Spiegelreflexgeneration, die durch Minolta's (Maxxum) 7000 AF im Jahr 1985 ihren Meister gefunden hat. Nikon hatte 1983 zwar schon eine AF-Übung im Profi-Bereich mit einem F3-Sucher und extra AF-Objektiven gemacht, den Amateurmarkt aber etwas vernachlässigt. Hier musste man 1985 also zügig nachlegen und brachte zunächst diese nicht-AF Kamera in neuem Design, von den Spezifikationen her fast eine Nikon FG mit eingebautem Motor. Sie sah damit der ersten Motor-SLR, der Konica FS-1 sehr ähnlich. Erst 1986 kam dann der eigentliche Nikon Gegenentwurf zur Minolta: die F-501 (in Nordamerika: N2020), die bei fast gleichem eher konservativen Grunddesign (Drehknöpfe!) das Kunststück vollbrachte, dem alten Nikon F-Bajonett zusätzlich Autofokus-Kopplung beizubringen. Das natürlich mit neuen AF-Objektiven und auf- wie abwärtskompatibel (AF-Objektive können mit alten Nikon Gehäusen und umgekehrt, natürlich jeweils ohne AF-Funktion). Damit gewann Nikon viel Lob in der Foto-Community und auch Titel (z.B. Kamera des Jahres 1986). 
Aber auch die kleinere Schwester F-301 bzw. N2000 war ganz erfolgreich und verkaufte sich ca. eine Million mal (eigene Recherche, plus-minus 15%). Weitere Details zur Kamera kann man der Broschüre hier entnehmen. Das hier mit der Kamera abgebildete Objektiv Zoom-Nikkor 35-70/f3.3-5.6 habe ich selbst schon seit 1987, Nikon hatte es seit 1984 im Programm und es wurde wohl auch mit der F-301 zusammen oft verkauft. Die F-301 wurde mehrere Jahre gebaut und erst im Sommer 1990 von der F-601M abgelöst. Aber auch das kann man woanders nachlesen.  

2017-07-01

Nikon 100 Jahre

Herzlichen Glückwunsch zum 100sten Geburtstag, Nikon! Viele solche Beiträge erscheinen diese Tage im Netz (zum Beispiel dieser) und auch ich will nicht fehlen. Insgesamt 35 Posts in diesem Blog befassen sich bereits mit Nikon Produkten und ich hatte es schon erwähnt: Ich war mal ein bekennder Nikon-Fan. Nein, ich muss sagen, wenn es die alten analogen Nikon-Kameras betrifft, bin ich es immer noch! Hier also (ganz subjektiv) meine eigene Nikon-Geschichte, natürlich mit vielen Links zu meinen älteren Posts.
Meine Nikon-Leidenschaft beginnt 1982 mit der Nikon EM, eigentlich damals eine eher untypische Nikon-Kamera und eigentlich belächelt von eingefleischten Nikon Fans. Mir ist immer noch nicht ganz klar, was mich dazu gebracht hat, genau diese Kamera kaufen zu wollen. Aber es muss wohl die Kombination gewesen sein aus dem großen (Profi-) Namen und dem relativ günstigen Preis der Kamera. Ich habe es nie bereut und mit dieser Kamera wohl die meisten meiner analogen Dias und Fotos geschossen. Schnell kamen noch weitere Objektive hinzu, auch hier habe ich mich für original Nikon-Linsen entschieden, wenn auch zunächst aus der günstigen E-Serie. Dass man bei der Kamera die Verschlusszeit nicht manuell einstellen konnte habe ich erstmal hingenommen. Vielleicht wusste ich damals schon, dass dieses Gehäuse nur der Einstieg ins Nikon-System war und ich mir irgendwann auch eine "richtige" Nikon würde leisten können. 
Und tatsächlich habe ich meinen ersten als Zivi verdienten Sold in meine damalige Traumkamera investiert: Nikon FE2. Viel Geld damals, aber ich habe mich lange Zeit darüber erfreut, dass im Gegensatz zu anderen Kameras der 80ger Jahre, diese nicht an Wert verloren hat. Im Gegenteil, nachdem Nikon 1987 die Produktion eingestellt hatte, stiegen die Gebrauchtpreise über den vorherigen Neupreis. Nikon hat mit der direkten Nachfolgerin FM3a ja dann sogar im Digitalzeitalter noch einen analogen Klassiker produziert.
Bei mir kamen dann auch die ersten richtigen Nikkore dazu, neben dem 35-70 Zoom auf dem Bild auch das legendäre ED 2.8/180.  Auch ein richtiger Motorantrieb (Nikon MD-12) musste her, nur beim Blitz habe ich Nikon keine Kompetenz zugesprochen, sondern stattdessen einen Metz gekauft.
Während des Studiums - 1988 bis 1996 -, eigentlich die Zeit der Autofokus und motorisierten SLR's kaufte ich mir keine Nikon F-801, sondern begann mich für die älteren Nikon Modelle zu interessieren. Eine Nikkormat FT3 lief mir bei einem meiner Fahrradrunden über den Weg, die mich regelmäßig an den Gebraucht-Schaufenstern der Bielefelder Fotohändler vorbeiführte. Mit dieser super robusten Kamera habe ich danach viel und gerne fotografiert und ich würde sogar heute noch zu ihr ins Regal greifen, wenn ich jemandem die analoge Fotografie am funktionierenden Beispiel erklären wollte.
Schon während des Studiums wurde die Familie gegründet und es war natürlich weniger Geld für das Hobby da. Um die Kinder und sonstiges zu fotografieren bestand aber Bedarf an (fast) Immerdabei-Kameras, und - was soll ich sagen-, auch die beiden nächsten Kameras waren Nikons! Zunächst 1993 eine Nikon RF2, eine Kamera, die einfach das gemacht hat was sie sollte: Fotos. 2003 war dann auch die erste Digitalkamera eine Nikon:
Coolpix 4300, eine solide und kompakte Digitalknippse der ersten Digitalkamera-generation, die mit 4.3 Megapixeln bei Abzügen analogen Kompaktkameras ebenbürtig und dabei auch finanziell einigermaßen erschwinglich war. Überzeugt hatte mich damals (neben dem Markennamen Nikon) der Nikon-typische Systemgedanke: Man konnte über das Filtergewinde Objektivadapter anschließen. In meinem Fall ein Weitwinkelmonstrum, fast größer als die Kamera. Sowas konnte die Konkurrenz damals nicht.
Aber bei meinem weiteren Weg in die Digitalfotografie hat Nikon mich so sehr enttäuscht, dass ich fortan bei Neukäufen fremdgegangen bin. Ich fand es zunächst genial, dass sie im Gegensatz zur Konkurrenz das alte Nikon F-Bajonett ins Digitalzeitalter gerettet haben. Ich stellte mir vor, dass ich alle meine Objektive zwar manuell fokussiert weiterverwenden könnte. Als ich das dann aber an einer D70, die mir ein Freund zum Testen geliehen hatte, ausprobierte musste ich feststellen, dass man alte Objektive zwar anschließen konnte, mit diesen aber keinerlei Belichtungsmessung oder gar Zeitautomatik möglich war. Dies war aus Marketing-Gründen nur den Profimodellen oder dem damilgen Top-Modell D200 möglich. Das nötige Geld dafür habe ich dann lieber in eine andere Kamera investiert, die mich wegen ihrer analogen Anmutung und trotzdem konsequenten Digitalausrichtung faszinierte: Panasonic's Lumix DMC L-1. Schade, dass das keine Nikon war...

Später habe ich trotzdem wieder Nikon Kameras und Objektive gekauft, allerdings nur noch gebrauchte alte Schätzchen, die plötzlich erschwinglich wurden. Ich lebte inzwischen (für einige Zeit) in den USA, wo alte Nikon Kameras viel häufiger anzutreffen sind als hier in Deutschland. Dementsprechend günstiger sind auch immer noch die Gebrauchten. Für nur US$90 wurde auf einem Kamerflohmarkt diese wundervolle Nikon F und das Nikkor 1.4/50 meins. Ich habe sogar ein paar Filme damit verknippst, immer noch ein Erlebnis. 

Während ich eine Nikon F auch in Deutschland schon das eine oder andere Mal im Schaufenster im Original sehen konnte, war ich völlig aus dem Häuschen eine Nikkorex F in den USA in die Hand zu bekommen und sogar sehr günstig zu erwerben. In Deutschland wurde Nikon's erster Versuch einer Consumer-Kamera nie offiziell verkauft.
Mein größter Nikon Sammlertraum ging aber mit dem Kauf der Nikon S in Erfüllung. Auf fast jedem Kameraflohmarkt, den ich in den USA besucht habe, konnte man die eine oder andere Nikon Messsucherkamera in die Hand nehmen,
was ich ausgiebig genutzt habe. Sie bilden (neben den exzellenten Objektiven natürlich) die Grundlage für Nikon's späteren Erfolg als Kameraproduzent. Mein absoluter Traum wäre eine Nikon SP mit dem Nikkor-N 1.1/5cm. Diese Kombination hatte ich tatsächlich mal in den Händen, der Verkäufer wollte aber ca. US$ 5000 dafür haben... Die Nikon S habe ich aber tatsächlich zum Fotografieren benutzt, die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Die letzte Nikon Kamera, die ich bis jetzt gekauft habe, war die Nikonos I, die legendäre Unterwasserkamera mit Wechselobjektive, wirklich eine würdige Nikon. 
Vielleicht kaufe ich auch zukünftig weitere Nikon Kameras für meine Sammlung, die Nikkorex 35 oder Nikkorex Zoom würden mich interessieren, vielleicht weitere Messsucher-Modelle oder auch eine F2 könnten mir gefallen. Eventuell komme ich ja auch mal günstig an eine Nikon D-1, der ersten eigenen Profi-DSLR, die wird immerhin 2019 schon 20 Jahre alt, ein weiterer Geburtstag zum Feiern. Also nochmal: Herzlichen Glückwunsch zum 100sten, Nikon! 


2017-06-09

Kodak Instamatic 100



Wieder mal ein echter Meilenstein als billiger Flohmarktfang. Für nur 5 € wurde diese Kamera mein, sogar inklusive einer gut erhaltenen schwarzen Bereitschaftstasche. Viel kann an dieser ersten Instamatic auch nicht kaputtgehen, sie ist aber im Ganzen sehr gut erhalten, viel besser als meine bisherige "104", die Kodak's Meilenstein bisher in meiner Sammlung vertreten musste. Die alten Batterien für den Betrieb der Blitzbirnchen waren ausgelaufen, daher habe ich die Kamera vorsichtig zerlegt, um die letzten Reste davon zu entfernen. Dabei habe ich mir natürlich den Verschluss genauer angeschaut und auch hier mal dokumentiert. 


Ich habe hierzu wieder mein iPhone 6 in SlowMotion (240 fps) bemüht, analysiert man das Video ist der Verschluss ganze 3 Frames offen, also 1/80 s, was der Angabe von 1/90 s für die Kamera im Rahmen der Messgenauigkeit entspricht. Das meiste, was es zu der Kamera zu schreiben gibt, habe ich schon bei ihrer späteren Schwester und Nachfolgerin 104 getan und werde es jetz nicht hier wiederholen. Auch das mit dem Camerosity code habe ich dort erklärt. Natürlich hatte ich gehofft, eine Kamera von 1963, dem ersten Baujahr, zu ergattern. Dem ist aber leider nicht so. Diese hier hat den Code YROE und stammt daher von 05/64 (während die 104 YEOR = 04/65 hat!)


Zum Schluss noch etwas Interessantes: Die ausgelaufenen Batterien im Inneren der Kamera waren zwei alte Duracell AAA-Zellen der Firma MALLORY, die sich schon 1978 in ihren Markennamen Duracell umbenannte und das Geschäft später an Procter&Gamble verkaufte. Mallory hatte in den 1950er Jahren diese leistungsfähigen AAA-Batterien speziell für Kodak Blitze entwickelt, musste aufgrund des gelben Riesen aber die Technik an andere Batteriehersteller lizensieren, damit Kodak seinen Kunden überall auf der Welt preiswerte und verfügbare Batterien anbieten konnte.