2018-01-11

Miranda F


Über Miranda habe ich im Rahmen meines SLR-Zählprojektes schon was geschrieben. Hier ist also endlich die Kamera dazu. Ich habe sie schon 2015 noch in den USA auf einem Kamera-Trödelmarkt für ca. 30 US$ gekauft, bin aber bisher nicht dazu gekommen sie hier vorzustellen. Miranda war ein hierzulande recht unbekannter japanischer Hersteller, zum einen weil es für Europa zunächst keinen offiziellen Importeur bzw. Distributor gab, und natürlich zum anderen weil sie schon 1976 (nach nur 20 Jahren im Geschäft) Konkurs gingen. In den 50er und 60er Jahren waren sie technologisch ein wichtiger Konkurent für Asahi Pentax und Nikon. Die Miranda T war 1955 die erste japanische SLR mit einem Pentaprisma.

Die Liste der Kameras ist trotz der nur 21 Jahre am Markt lang und fast jährlich gab es neue Modelle, die stets auf den älteren mehr oder weniger aufbauten. In diesem Sinne und auch von der Stellung im japanischen Markt war Miranda vielleicht vergleichbar mit der westdeutschen Wirgin (Edixa), auch sie waren mit ähnlicher Strategie nicht erfolgreich. Die Miranda F war das letzte mechanische Basismodell, bevor auch bei Miranda die Belichtungsmessung in die Kamera einzog.

Interessant finde ich das Miranda Bajonet, das über die Jahre weiterentwickelt wurde, aber rückwärtskompatibel blieb. Es handelt sich um ein symmetrisches, 4-klauiges Außenbajonett (ähnlich dem Vorbild Exakta) um ein 44 mm weites Schraubgewinde (Praktica) herum. Beides mit relativ großem Durchmesser und kleinem Auflagemaß von nur 41.5 mm (nur Konica hatte noch weniger), was zur Verwendung von Objektivadaptern geradezu einlud.

Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven und Wechselprisma
Objektiv Miranda Bajonet und alternatives M44 Schraubgewinde. Standard-Objektiv: Auto Miranda 50 mm f/1.9.
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 1-1/1000 s und B.
Belichtungsmessung keine, optinaler Aufsteck-Belichtungsmesser erhältlich.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, keine weiteren Anzeigen. Auswechselbares Sucherprisma (optinales Zubehör).
Blitz Synchronbuchsen für X und FP. X-Synchronzeit ca. 1/40 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Abblendtaste, Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Merkscheibe für Filmempfindlichkeit, Trageösen.
Maße, Gewicht ca. 145x93x43 mm, 645 (837) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1963-1967, ca. 25000 Exemplare, diese #673429 ca. 1963
Kaufpreis, Wert heute (?), ca. 100 € (eigene Schätzung)
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, Pentax-SLR.com, Mirandacamera.com, Camera Portraits, Camera-Wiki

2018-01-09

Minox 35 GT


Eine Minox 35 gehört natürlich in jede ernsthafte Kamerasammlung. Insbesondere natürlich meine, da ich bisher ein starkes Interesse an Halbformat und anderen kleinen Kameras gezeigt habe. Die Minox hatte den Titel "kleinste kommerzielle Kamera für den Kleinbildfilm" (135er mit 24x36 Bildformat) von 1974 bis 1996 inne. Sie hatte diesen der Rollei 35 abgenommen und musste sich 1996 der Minolta TC-1 geschlagen geben.

Minox landete mit der 35er Serie einen echten Coup und verkaufte mit am Ende fast 2 Millionen Exemplaren viel mehr als man sich wohl erhofft hatte. Im Prinzip handelt es sich bei allen Modellen um das selbe Grunddesign immer wieder kleinere Ergänzungen und Modifikationen erfuhr. Das Modell GT hier war stückzahlmäßig das erfolgreichste, und unterscheidet sich nur durch den zusätzliche Gegenlichtschalter ("G") und den Timer ("T") vom ersten Model (EL). 

Sie ist ja nicht wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin auf dem Thron der kleinsten Kleinbild-Kamera (Rollei 35), aber sie ist insbesondere wegen der Belichtungsautomatik und der klassichen Anordnung der Bedienelemente deutlich praktischer. Damit war sie für den Fotolaien attraktiv, viele Frauen hatten sie einfach so in der Handtasche dabei. Ähnliches kann man übrigends über ihre größte Konkurrentin Olympus XA auch sagen. Der Erfolg erzeugt auch Nachahmer und Neider: sie wurde mehr oder weniger gut kopiert von Ricoh (FF1), Kiev (35A), Balda und auch in China.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera (1974-1995)
Objektiv Color-Minotar 35 mm f/2.8
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, Zeitautomatik (8'' - 1/500 s). Gegenlichtschalter (2x), keine manuelle Zeiten.
Belichtungsmessung CdS, am Objektiv (kein TTL). 25-800 ASA
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher optischer Sucher mit Bildrahmen und angezeigter Verschlusszeit
Blitz Blitzschuh, X-Synchronzeit ca. 1/125 s wird automatisch beim Einschieben eines Elektronenblitzes aktiviert.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel,
sonst. Ausstattung Drahtauslöseranschluss, Stativgewinde, elektronischer Selbstauslöser (T), Gehäuse aus Glasfaser-verstärktem Makrolon.
Maße, Gewicht ca. 100x61x31 mm, 190 g 
Batterie PX 27 (oder ggf. 4 x LR44 bzw.  2 x CR1-3N Lithium)
Baujahr(e) GT: 1981-1991 (652.891 Exemplare), diese hier #5022682 von 1981.
Die gesamte Serie: 1974-2002, 1.95 mio Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM, ca. 40€
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, G. Steinbach, Subminiature Cameras, Peter Lausch, Camera-Wiki

2018-01-03

Olympus PEN FT


Ein schönes Foto für eine der schönsten Kameras, die ich kenne bzw. besitze. Eines der Meisterstücke von Yoshihisa Maitani. Ich habe hier im Blog schon recht viel über ihre drei Jahre ältere Schwester PEN F geschrieben, mit der sie das Gehäuse einer der kleinsten Spiegelreflexkameras für den 135er Film teilt, auch wenn es sich "nur" um das sogenannte Halbformat handelt. Die FT kam 1966 auf den Markt und brachte (damals nicht selbstverständlich) TTL Belichtungsmessung bei Offenblende. 

Olympus behauptet in der Bedienungsanleitung es handele sich um das fortschrittlichste TTL-System der Welt (es hat sich nur in dieser Form nicht durchgesetzt ;-). Im Prinzip ist es ein modifiziertes Nachführsystem, das mit sog. Belichtungsindexzahlen von 0 bis 7 arbeitet. Letztere werden im Sucher angezeigt und entsprechen den 8 Blendenstufen des jeweils eingesetzten Objektivs. Olympus änderte mit Erscheinen der FT die Objektive entsprechend. Sie haben seitdem auf dem Blendenring auf der Oberseite die Indexzahlen, die eigentliche Blende kann man an der Unterseite ablesen. Für alte Objektive gab es Aufkleber zum Umrüsten! Der Fotograf wählt also eine Verschlusszeit, blickt durch den Sucher auf sein Motiv und liest den Beli-Index ab und stellt diesen dann am Objektiv ein. Natürlich fuktioniert das auch umgekehrt. Neben diesem Feature ist noch der charakteristisch auf der Vorderseite prangende Selbstauslöser dazugekommen.

kompakte Halbformat (18x24mm) SLR
Objektiv Olympus PEN Wechselbajonett, insgesamt 18 Systemobjektive verfügbar. G.Zuiko Auto-S 40 mm f/1.4 (7 Linsen in 6 Gruppen).
Verschluss Mechanischer Rotationsverschluss mit 1 - 1/500 Sek. und B. Blitzsynchronisation mit allen Zeiten.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflexsucher mit Mattscheibe und Mikroprismen im Zentrum.
Sucher Spiegelreflex mit Porroprisma.
Blitz Anschluss für Blitzkabel, Aufsteckschuh als Zubehör erhältlich. X,M Umschalter.
Filmtransport Schnellspannhebel, im Gegensatz zur PEN F nur ein Zug erforderlich
sonst. Ausstattung Bildzählwerk, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Selbstaulöser, Ablendtaste am jeweiligen Objektiv.
Maße, Gewicht ca. 130/70/70mm, 474 (642)g (o/m Objektiv).
Batterie PX625 (1.35V Quecksilber oder Alternative)
Baujahr(e) 1966-1972, diese (#343245) von 1971. Insgesamt ca. 275,000 Einheiten.
Kaufpreis, Wert heute ca. 40,000 Yen (1966), heute ca. 200€ (nur Gehäuse: 50€).
Links Instruction Manual, OlypediaGünter Posch, Wikipedia, Camera-Wiki, Mein Projekt PEN.

2017-12-29

SLR production history - the complete statistic (by country)


Some of you might have been interested in my 35 mm SLR production number assessment, which I started already in 2014. The last post of the series was a couple of months ago about the Chinese SLR production. What still is missing, is a relatively large chunk of smaller Japanese SLR producers (about 15 with numerous models), and besides Miranda I don't have single figures for any of them. I did the big four (Nikon, Canon, Pentax, and Minolta), and they make up the majority of the SLR production, but I couldn't tell, whether it is 90% or only 60%. 
The other missing piece is the younger history of motorized and AF SLR cameras, which I excluded so far. As both issues are related with Japan I found a practical solution to at least give an idea about total figures: CIPA (The Japanese "Camera & Imaging Products Association") publishes statistics about numbers and other figures of sold cameras and lenses from 1951 on. They don't have a category of SLR cameras, but (from 1977 on) distiguish between Lens Shutter and Focal Plane ("FP") Shutter cameras, the latter (they say) are most exclusively SLR's. The number of Japanese leaf shutter SLR can probably be neglegted, although there were some. I was quite pleased to see that my own assessments of the big four were trend-wise very well in line with the CIPA numbers. The rest are a few simple assumptions and putting it all together, see the graph above. Here are some facts and conclusions:
  • The total number of 35mm film SLR ever produced is about 212 millions. Production ceased almost completely in 2007. Neither the few which were manufactured since nor the very early models produced before 1950 would change this number. 
  • A significant chunk of this number, namely 53.6 millions (or 25%) belong to the last generation of highly automated, motorized and/or AF SLR. In my graph above I've assigned them to Japan, knowing that there might be production of the big four in other Asian countries. My plan is to do bottom-up assessments for these cameras as well and hope to confirm this number.
  • At almost no surprise Japanese companies produced the majority of all 35mm film SLR: over 150 millions and almost 100 millions of the classical type of manual focus SLR.
  • With just below 25 millions each the former Soviet Union and PR China share second place in the country ranking, although they were most active in different decades.
  • Speaking of decades: The 80ies, more precisely the ten years between 1978 and 1987, was the decade with the highest SLR production. About 80 millions of the then affordable and convenient to use cameras left the factories during this period.
  • 1981 was the best year of SLR production ever (9.5 million untis).
  • There are only these basically four countries (if you counted the Germanies as one) with a significant production. Of course other countries had SLR production, too. However, this was either in the very early days with very low numbers (Italy: Rectaflex, Hungary: Gamma Duflex, Great Britain: Wrayflex, Switzerland: Alpa, ...?) or later when German or Japanese companies outsourced production (Leitz: Portugal; Rollei: Singapore; Minolta: Malaysia, etc.). All of them with relatively low numbers as far as I know. The only exception is outsourcing to China by Minolta and Pentax, but this has been counted for China! 
  • There was no production of any kind of 35 mm SLR in the USA! This is quite surprising as the US would probably rank high (if not highest) in countries, where all these SLR were sold.
This is all to my best knowledge and might bear errors, of course. If anyone has doubts or better info to offer please post a comment below! Generally, I would assume the error in the order of up to 10%. For a future post I will crunch these numbers again but focus on producers and single models rather than countries. Stay tuned...;-)

Schon 2014 habe ich angefangen, Produktionszahlen von Kleinbildspiegelreflexkameras zu recherchieren und hier zu veröffentlichen. Der letzte Beitrag der Serie war vor ein paar Monaten über die chinesische SLR Produktion. Was nach wie vor fehlt ist eine relativ große Zahl kleinerer japanischer Produzenten (ca. 15 mit einer Vielzahl von Modellen), und außer für Miranda habe ich keinerlei Zahlen für keinen von ihnen. Die großen vier (Nikon, Canon, Pentax, and Minolta) habe ich und sie machen sicher zusammen den Großteil der Produktion aus, aber ich konnte nicht sagen ob es 90% oder eher nur 60% sind.
Das andere fehlende Stück, was ich bisher ausgelassen habe, ist die eher jüngere Geschichte der motorisierten und AF SLR. Aber weil beides mit Japan zu tun hat, habe ich eine praktische Lösung gefunden, um zumindest eine Idee über die Geamtzahl geben zu können: CIPA (Die japanische "Camera & Imaging Products Association") veröffentlicht regelmäßig Statistiken und andere Angaben über verkaufte Kameras und Objektive und das mit Zahlen seit 1951. Sie haben keine extra Spiegelreflex-Kategorie, aber seit 1977 unterscheiden sie anhand des Verschlusses und sagen selbst, dass "FP shutter cameras" fast ausschließlich SLR sind. Die Zahl japanischer Zentralverschlusskameras kann vermutlich vernachlässigt werden, obwohl es welche gab. Nach dem Vergleich mit den CIPA-Zahlen war ich ganz erleichtert festzustellen, dass meine eigenen Zahlen trendmäßig genau passten. Der Rest waren ein paar einfache Annahmen und ein bisschen rechnen bzw. die graphische Darstellung oben. Folgende Schlüsse lassen sich ziehen:
  • Die Gesamtzahl aller jemals produzierten KB-Spiegelreflexkameras ist ungefähr 212 Millionen. Die Herstellung von Film-SLR wurde fast komplett im Jahr 2007 eingestellt. Weder die wenigen, die vielleicht doch noch danach produziert wurden noch die frühen Modelle vor 1950 (max. 30,000) ändern an dieser Zahl etwas.
  • Ein Viertel (oder 53,6 Millionen) entfällt auf die letzte Generation von hoch automatisierten, motorisierten und/oder Autofokus-SLR. Ich habe sie alle Japan zugeordnet, wohl wissend, dass einigen von Ihnen durch die "großen Vier" vielleicht auch im asiatischen Ausland produziert wurden. Mein Plan ist, auch für diese Kameras eine eigene detaillierte Zählung durchzuführen und hoffe natürlich, diese Zahl zu bestätigen.
  • Erwartet werden konnte, dass Japan den bei weitem größten Teil aller 35 mm SLR produziert hat: Über 150 Millionen und sogar knapp 100 Millionen des klassischen Typs mit manuellem Fokus und Schnellschalthebel.
  • Mit jeweils fast 25 Millionen teilen sich die frühere Sowietunion und die VR China den zweiten Platz. Allerdings waren sie in unterschiedlichen Dekaden aktiv. 
  • Stichwort Dekaden: Die Achtziger, oder um genau zu sein, die zehn Jahre von 1978 bis 1987 waren der Zeitraum mit der höchsten SLR Produktion: Fast 80 Millionen der dann endlich preiswerten und für alle bedienbaren Kameras gingen hier über den Ladentisch.
  • 1981 war das beste Jahr von allen (9,5 Millionen Einheiten).
  • Es sind eigentlich nur diese vier Länder (wenn man die beiden Deutschlands als eins rechnet) die zu dieser Zahl beigetragen haben. Natürlich gab es auch einige andere Länder mit SLR Produktion. Aber diese waren entweder ganz am Anfang  (Italien: Rectaflex, Ungarn: Gamma Duflex, Großbrittanien: Wrayflex, Schweitz: Alpa, ...?) oder später als deutsche oder japanische Hersteller die Produktion ins Ausland verlagerten (Leitz: Portugal; Rollei: Singapur; Minolta: Malaysia, etc.). All das geschah soweit ich weiß mit zu vernachlässigenden Stückzahlenzalen. Die einzige Ausnahme ist das Auslagern nach China (Pentax, Minolta), aber das habe ich bei China berücksichtigt. 
  • Keine Kleinbild-SLR wurde jemals in den USA produziert! Das überrascht angesichts der Tatsache, dass die USA sicherlich ganz oben im Staatenranking für verkaufte SLR stehen.
Das hier habe ich mit größtmöglicher Sorgfalt zusammengetragen, ich kann aber natürlich Fehler nicht ausschließen. Wenn jemand Zweifel an meinen Zahlen hat oder bessere Informationen beisteuern kann, bitte unten einen Kommentar hinterlassen. Grundsätzlich schätze ich den Fehler in allen Zahlen auf ca. 10% ein. In weiteren Beiträgen will ich diese Zahlen noch weiter aufdröseln, z.B. nach Produzenten oder Modellen. Also dranbleiben...;-)

2017-12-17

Neue Vitrine

 
Seit gestern findet der wichtigste Teil meiner Kamerasammlung Platz in einer neuen Vitrine. Bei der Planung unseres neuen Hauses bot sich die schräge Wand unter der Treppe für diese Lösung an. Sowas kann man natürlich nicht von der Stange kaufen.  Gebaut nach eigenen Vorstellungen von einem Schreiner war das Ding dann aber eine schwere Geburt. Es hat wegen verschiedener Gründe mehr als 6 Monate gebraucht, gefällt mir aber jetzt wo es endlich fertig ist ausgesprochen gut. 

2017-11-26

Agfa Karat (6.3 Art Deco)


Diese Kamera ist wirklich in keinem guten Zustand: Das Objektiv scheint blind, der Verschluss geht nicht und der Lack ist an vielen Stellen ab, außerdem fehlen hier oder da Schrauben bzw. sie wurden durch andere ersetzt. Trotzdem habe ich sie für meine Sammlung gekauft, insbesondere weil sie recht preiswert zu haben war und mit einem frühen Karat-Filmschächtelchen und einer Karat-Patrone kam.  Letzteres ist nämlich das eigentliche, was an dieser Kamera interessant ist und sie zum Meilenstein macht. Das Exemplar ist von 1937, aus dem ersten Baujahr.  Agfa stieg damals mit dieser Kamera in das immer populärer werdende Marktsegment "Kleinbild" (35 mm Cine-Film) ein, wohlgemerkt mit einer eigenen "Karat" genannten Patrone. Das war damals nichts ungewöhnliches, die meisten Kameras wie die Leica oder auch eine Contax hatten eigene "Kasseten", die man beim Fotohändler mit Meterware füllen ließ (oder das selbst in der Dunkelkammer erledigte). Agfa's Zielgruppe für die mit 42 Mark sehr preiswerte Kamera waren aber nicht die Amateure und Profis, sondern die breite Masse der Bevölkerung, die ein einfaches System brauchte.  

Agfa Karat 6.3 Art Deco als erste Kamera für Karat-Patronen neben der Kodak Retina, der ersten für die 135er Patrone
Der große Konkurrent Kodak hatte schon 1934 einen Coup gelandet mit ihrer 135er Filmpatrone für den Kleinbildfilm, die er mit der Retina einführte. Diese kostete mit 75 Mark allerdings deutlich mehr als die spätere Agfa Karat. Der 135er Film konnte so vorkonfektioniert in der Patrone gekauft werden, die Patrone passte in alle gängigen Kameras und wurde am Ende nach dem Rückspulen des Films einfach zum Entwicklen gegeben. Agfa wollte es aber noch einfacher und idiotensicherer machen und bediente sich einer Erfindung seiner amerikanischen Tochter Ansco (Memo Patrone), die dann zur Karat-Patrone weiterentwickelt wurde. Die Patrone ist im Gegensatz zur 135er kernlos, man kann (und braucht) nicht zurückspulen, stattdessen befördert der Fotograf den Film sukzessive von einer vollen in eine identische leere Patrone. Diese wird entnommen und zum Entwickeln gegeben, die vorher volle tauscht in der Kamera die Seite und nimmt dann wieder neuen Film auf. 
Die geöffnete Kamera mit einer original Karat Patrone rechts und der jüngeren Rapid-Patrone rechts.
Seite aus dem Photo Porst Katalog von 1938
Das hört sich erstmal sehr gut an, bei näherer Betrachtung erkennt man aber schnell die Schwachstelle des Systems: Durch kernlose Patrone wird der Film nicht aufgewickelt und kann daher auch nicht beim Vorspulen gezogen werden. Stattdessen wird geschoben und hier ist bei ca. 60 cm Film Schluss, danach wird der Widerstand so groß, dass die Perforation ausbricht. 60 cm ergeben ca. 12 Bilder, langfristig nicht genug, um gegen die 135er Patrone zu bestehen. 

Soweit so gut, Agfa baute sein Kameraprogramm rund um die Patrone weiter aus, natürlich gab es auch Modelle mit besseren und lichtstärkeren Objektiven und Verschlüssen, siehe z.B. links im Photo Porst Katalog von 1938 oder hier. Während des Krieges stagnierte auch bei Agfa die Produktion oder wurde zeitweise eingestellt, ab ca. 1946 ging es weiter. Aber schon 1948 wendete sich Agfa von seiner Karat-Patrone ab und verkaufte die Karat 36 genannte Kamera für die 135er Patrone, die ja 36 Bilder konnte. Für die Karat Patrone wurde eine Karat 12 Kamera noch bis ca. 1950 angeboten.
Dann wurde es eine zeitlang sehr still um die Karat Patrone, mir ist nicht bekannt, ob man sie zwischen 1950 und 1965 tatsächlich noch irgendwo kaufen konnte. 1963 allerdings wurde Agfa wieder von einer Kodak Erfindung kalt erwischt, diesmal hieß sie Instamatic oder 126er-Kassette. Agfa brauchte fast zwei Jahre um sich zu sammeln und brachte als Antwort die Karat-Patrone und entsprechende neue Kameras wieder auf den Markt, leicht modifiziert (aber kompatibel!) und mit neuem Namen: RAPID. Oben im Bild ist eine spätere Rapid-Patrone in der alten Karat-Kamera zu sehen.
Agfa gelang es zwar Ende der 60er auch andere Kamerahersteller zu überzeugen, Kameras für die Patrone zu bauen und Agfa selbst verkaufte fast 5 Millionen (Einfach-)Kameras für das System. Aber schon 1972 war wieder Schluss und Kodak hatte (mal wieder) gewonnen. Agfa baute scon ab 1967 selbst Kameras und Filme nach dem Kodak Standard unter Lizenz. Auch meine erste Kamera war eine solche.



KB-Sucherkamera für Agfa Karat Wechselpatronen
Objektiv Agfa Anastigmat Igestar 5 cm f/6.3 (Triplet), spätere Modelle auch mit besseren Objektiven erhältlich.
Verschluss Agfa Automat Zentralverschluss B-25-50-100 (1/s). Spätere Modelle auch mit besseren Verschlüssen erhältlich.
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv, kein Entfernungsmesser.
Sucher einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz nicht vorgesehen.
Filmtransport Drehknopf, Bildzählwerk (vorwärtszählend).
sonst. Ausstattung Stativgewinde, Trageösen.
Maße, Gewicht ca. 119x69x44 mm, 390 g.
Batterie keine
Baujahr(e) 1937-1938, ca. 40,000 Exemplare, diese #N 7093 ca. 1937
Kaufpreis, Wert heute 42 RM (1938), ca. 50 € (guter Zustand, eigene Schätzung)
Links Karat-Kameras.de, UKCameraCJ's Classic Cameras, Wikipedia, Camera-Wiki, Museum Wolfen, Roland and Caroline.

2017-11-05

VEB Pentacon Pentina


Man sieht es ihr nicht an: Weder, dass sie eine Spiegelreflexkamera ist, noch kann man sie mit ihrem speziellen, fast zeitlosen Design historisch oder geografisch einordnen. Das alleine weckte mein Sammlerinteresse und man kann bei genauem Hinsehen noch weitere faszinierende Entdeckungen machen. Sie kam 1961 in der DDR auf den Markt, hatte als einzige DDR-SLR einen Zentralverschluss, war aber ansonsten von ihrem Feature Set auf der Höhe der Zeit (zumindestens in Europa, in Japan war man schon etwas weiter...). Sie war gleichzeitig für ihre Konstrukteure eine technische Herausforderung, für die Kunden eine außergewöhnliche Erscheinung und für ihren Hersteller letztendlich wegen des notwendigen hohen Preises ein wirtschaftlicher Flop. Wer sich für die ganzen Details interessiert, dem seien folgende zwei Websites empfohlen: Dresdener Kameras, oder der unglaubliche Artikel von Marco Kröger mit viel Hintergrundwissen auf zeissikonveb.de.    
Wie so oft schon, war ich beim Erhalt meines Exemplars erstaunt über den guten Zustand der Kamera. Alles funktionierte, sogar der Selen-Belichtungsmesser zeigt einigermaßen vernünftige Werte an. Lediglich die langen Zeiten hängen ein bisschen, ich habe mir aber noch nicht die Mühe gemacht, diese nachzumessen. In der Hand ist die Kamera ein rechter Klotz, auf Fotos wirkt sie zierlicher als sie wirklich ist. Ungewöhnlich und für mich als Rechtshänder und "Rechtsäuger" wirklich störend ist der Auslöser und Schnellschalthebel auf der linken Seite. Der Film läuft also umgekehrt wie in den meisten anderen SLR's. Andere Dinge sind technisch elegant gelöst, wie z.B. die Nachführmessung und der damit verbundenen "Kombisteller" am Objektiv für Verschlusszeit und Blende. Damals wurde das als "Blendenautomatik" beworben.

Angetreten ist diese High-End DDR-Kamera natürlich auch in West-Deutschland, wo sie in den Fotoläden auf die "hiesigen" Zentralverschluss-SLR traf: Kodak Retina Reflex S (klassisches Design, aber ähnliches Feature Set), Contaflex II (nur Vorsatzobjektive), Voigtländer Bessamatic. Vermutlich haben sich nur Designliebhaber oder wohlhabende Ostalgiker für die teure Pentina entschieden.
An dieser Stelle möchte ich noch auf zwei andere Kameras der 1960er hinweisen, die irgendwie mit der Pentina zu tun haben: Zunächst natürlich die Olympus Pen F, ebenfalls eine SLR, der man es nicht ansieht. Und natürlich Nikon's Nikkorex Auto 35, die vielleicht selbst von der Pentina inspiriert war. Letztere steht noch auf meiner Wunschliste und bekommt sicher den Platz neben der Pentina in der Vitrine...

Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv Pentina Steckbajonett, vier Wechselobjektive verfügbar:  Carl Zeiss Jena Tessar 1:2,8/50 mm, Meyer Lydith 1:3,5/30 mm,
Carl Zeiss Jena Cardinar 1:2,8/85 mm, Meyer Domigor 1:4/135 mm
Verschluss Prestor-00 (Hinterlinsen)-Zentralverschluss 1 s -1/500 s und B mit Kupplung zum Nachführ-Belichtungsmesssystem.
Belichtungsmessung Selenzelle, Nachführzeiger. ISO 9-1600 (6-33 DIN).
Fokussierung Manuell am Objektiv.
Sucher Spiegelreflex, keine weiteren Anzeigen, kein Rückschwingspiegel.
Blitz Synchronbuchse, Hebel zum Umstellen zwischen X und M.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh, Merkscheibe für Filmart, Selbstauslöser, Leitzahlrechner, Bajonett für Okularzubehör, Trageösen.
Maße, Gewicht ca. 131x88x60 (81) mm, 688 (806) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1961-1965, ca. 45,000 Exemplare, diese #25998 ca. 1963
Kaufpreis, Wert heute 790 DM (1961), ca. 50 € (eigene Schätzung)
Links Dresdner Kameras, Wikipedia, Bedienungsanleitung, Blende-und-Zeit-Forum, Zeissikonveb.de, Nikkorex Auto 35, Industrieform-DDR.de, Schnittmodell.