2018-04-15

Praktica LLC


Ende der 1960er Jahre war der VEB Pentacon der deutsche Kamerahersteller, der es noch am ehesten mit der immer besser werdenden japanischen Konkurrenz aufnehmen konnte. Nicht von ungefähr wurde die 1969 eingeführte L-Serie die erfolgreichste deutsche SLR. Allen L-Kameras (L von Lamelle) gemein ist der neue (relativ) kompakte vertikale Stahllamellenverschluss, der den bis dahin fast überall zu findenden langsamen horizontalen Tuchschlitzverschluss a la Leica in fast allen Belangen ins Abseits stellt. Aber dazu mal irgendwann etwas in einem extra-Post.  
Schon die erste Generation kam 1969 mit verschieden ausgestatteten Kameras. Neben dem Basismodell L gab es die LB (mit eingebautem nicht-TTL Belichtungsmesser), das Hauptmodell "LTL" (TTL bei Arbeitsblende), sowie die zwei Spitzenmodelle LLC und VLC. Letztere bot auswechselbare Sucher, beide hatten aber die andere große Innovation an Bord, TTL bei offener Blende, realisiert über die weltweit erstmalige Verwendung von elektrischen Kontakten zwischen Objektiv und Gehäuse.

Um es nochmal klar herauszustellen: Die LLC ist nicht die erste Spiegelreflex mit TTL bei offener Blende, sondern "nur" die erste Kamera, die für die notwendige Blendensimulation die Informationen vom Objektiv an die Kamera per elektrischen Kontakten (siehe Bild oben) übertrug. Schon die allererste Spiegelreflex mit TTL-Messung (Topcon RE Super) konnte stets bei offener Blende messen, auch andere Kameras der späten 1960er Jahre boten das (z.B. Minolta SRT-101, Nikkormat FTn), alle mit mechanischer Blendenwert-Übertragung. Der Marktführer und Prakticas größter Konkurrent bei Kameras mit dem defakto Standard M42 konnte es allerdings nicht: Pentax Spotmatic SP. Pentax brauchte sogar bis 1971 (Spotmatic ES) bzw. 1973 Spotmatic F, um hier am Markt nachzuziehen. 
Wichtigstes Bauteil der neuen elektrischen Blendenwert-
Übertragung: Schiebewiderstand im Objektiv.
Es ist aber vermutlich viel schwieriger eine mechanische Übertragung des Blendenwertes beim M42-Schraubgewinde zu realisieren als bei immer in der gleichen Position einrastenden Bajonett-Verbindungen. Unmöglich ist es aber nicht, wie schließlich 6 verschiedene andere untereinander nicht kompatibele mechanische M42-Modifikationen beweisen (1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000). Leider wollten oder konnten sich diese Hersteller nicht auf ein einheitliches System einigen. Vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass man verstanden hatte, dass M42 eh ein Auslaufmodell war und im Hintergrund schon an Bajonetten gearbeitet wurde. Der wichtigste M42 Nachfolger ist natürlich Pentax' K-Bajonett (1975) und das hatte eine genormte (mechanische) Blendenwert-Übertragung. Praktica kam erst 1979 mit einem Bajonett (daher der Name: B-Reihe) und das hatte wieder: Elektrische Kontakte (als  EDC, elektronische Blendenkontrolle beworben). 
Elektrische Kontakte in anderen Objektivfassungen tauchen dann erst wieder in AF-Kameras (1981: Pentax ME-F) auf, diesmal zur Übertragung der Entfernungs-Informationen. Hier hat kein Hersteller jemals versucht, auch diese mechanisch zu übermitteln. Spätere, konsequent mit der mechanischen Vergangenheit brechende Systeme (z.B. Canon EF) übertragen heute alles nur noch elektrisch, bzw. elektronisch. Saß in den Pentacon "electric" Objektiven nur ein einfacher Schiebewiderstand, so sind es heute Mikroprozessoren mit eigenem Betriebsystem (Firmware), die mit den Kameras kommunizieren. 

Meine Kamera hier habe ich als teilweise defekt, aber in äußerlich sehr gutem Zustand mit zwei Objektiven (darunter das exzellente und damals originale Zeiss Pancolar) für nur 40€ bei e-bay ergattert. Zu meiner Überraschung war auch die seltene PX-21 Batterie dabei, noch mit Spannung! Besonders stolz bin ich, dass ich die festsitzenden Blendenlamellen des Pancolars wieder gängig bekommen habe. Bei der nötigen Komplett-Zerlegung des Objektivs habe ich schon arg geschwitzt, aber am Ende flutscht alles wieder! Auch der Belichtungsmesser in der Kamera zuckt nach etwas Pflege wieder, allerdings scheinen die Blendenwerte vom Objektiv nicht übertragen zu werden. Schade, denn hierum geht es ja gerade. Mal sehen, was sich noch machen läßt. Im Übrigen wird die Kamera in der Vitrine den Platz ihrer jüngeren Schwester LTL3 übernehmen, den sie quasi für den Meilenstein hier stellvertretend eingenommen hatte. 


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektrischer Übertragung des Blendenwerts für Offenblendmessung
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Pancolar 50 mm f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen)
Verschluss mechanischer, vertikaler Stahllamellenverschluss 1s bis 1/1000 s und B.
Belichtungsmessung CdS, Nachführmessung bei offener Blende, "Electric"-Objektive vorausgesetzt.  12-1600 ASA (12-33 DIN)
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch Dreieck im Sucher angezeigt.
Blitz Mittenkontakt im Zuberhörschuh, keine extra Buchse. Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel. Hilfe beim Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteck-Okular für Zubehör, Zubehörschuh, Selbstauslöser, Arretierung für den Auslöser.
Maße, Gewicht ca. 145x98x50 mm, 613g (mit Batterie), 840g (mit Objektiv)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1969-1975, 176.697 Exemplare, diese #272497 
Kaufpreis, Wert heute 660 Mark (1969), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Vielseitige Praktica (Buch), Prakticas reparieren lassen.

2018-03-11

Top 12 classical SLR by production numbers

Previously I summarized 35mm film SLR production by countries, and with almost no surpise Japan won this competition. Today I'm presenting a TOP-12 list of the most successful single models, all of them have been produced more than 2 million times. But attention: This list only comprises the classical type models, no AF or built-in-motordrive cameras have been considered. Especially Minolta's (Maxxum) 7000 AF, Nikon's F-x01 or Canon's EOS models could have made it onto the Top 12 as well (I hope a can give the answer one time).

RankCameraProductionTotal SeriesYears
1Zenit E8.000.00012.000.000Zenit E, EM, ET1965-1989
2Canon AE15.730.00010.650.000Canon AE1976-1984
3Canon AE1Prog4.000.00010.650.000Canon AE1981-1984
4Praktica LTL3.664.0004.959.100Praktica L1969-1989
5Pentax K-10003.320.0003.660.000Pentax K1976-1997
6Pentax Spotmatic SP2.700.0004.400.000Pentax SP1964-1974
7Minolta SR-T1012.500.0003.600.000Minolta SR-T1966-1976
8Canon A12.430.0002.430.000Canon A11978-1985
9Pentax ME Super2.300.0006.900.000Pentax M1980-1987
10Nikon FM/FM22.225.0004.600.000Nikon FM-FE-FA1977-2001
11Minolta X-7002.100.0004.250.000Minolta X1981-1999
12Olympus OM-12.100.0003.870.000Olympus OM-x1972-1987







#1: KMZ Zenit E
Although not from Japan, this Russian camera won the competion based on three facts, which were all founded in the socialistic market environment in the former USSR: the extremly long production period (24 years) paired with little technological advancement during this time frame, and of course a closed market with almost no competition. In addition this camera was sold cheap in Western markets.  

#2 and #3: Canon AE1  and AE1 Program
This is the total opposit to the Zenit. The AE1 ruled the market due to its advanced technology, a global marketing campaign and of course competive pricing. After only 5 years of tremendous success on the market it was succeeded by its almost as successful sister model AE1 Program, and laid the foundation of Canon's position in market even today.

 #4: Praktica LTL
This is the only German SLR on the list, the country where it all began. However, as with the Zenit it was a socialistic environment and a long production period of 20 years (with slight improvements though), which secured the high numbers, together with automation in production. In the beginning of its production the technology was almost competive and more advanced than the Zenit.

#5: Pentax K-1000
This camera was never meant to become a best seller. Pentax just wanted to have a simple base model in their portfolio, took the old Spotmatic technology and added the new K-bayonet mount. What secured the camera's high production numbers was the fact that Pentax moved production twice, first to Hongkong and later to mainland China. This ensured low costs, which lead to 21 years of production.

 #6: Pentax Spotmatic SP
The "Spotmatic" was the first SLR, which reached a production number of more than 1 million units. It ruled the SLR market in the 60ies in a similar way as Canon did it with the AE1 in the late 70ies. If you took the entire Spotmatic series and add the K-Series, which was essentially the same technology, you'd get to a number of about 8 million units!

#7: Minolta SR-T 101
Although technically more advanced than the Spotmatic, Minolta's SR-T 101 was a great success, but almost always came in second behind the Pentax. However, it paved the way for later Minolta best sellers, namely the great X-700 of the early 80ies (second behind Canon AE1 though), and of course the Maxxum 7000 AF of the late 80ies (not on this list, see comment above).

All of the above cameras I'm proud to own and the pictures on the left are of course all taken by me. I find this quite remarkable, as I was mostly interested in significant cameras from a technology and innovation perspective, and did not care too much on how successful these cameras were. Of course, the higher the production volume, the higher the probability to get one for cheap money.
From the missing 5 on the list I only have the #12: Olympus OM1, and I'm glad it made it among the top 12 as it is from a design perspective one of the most beautiful SLRs one could ever buy.

The other 4, namely Canon A1, Nikon FM, Pentax ME Super and Minolta X-700 are still missing in my collection and the future will show, whether the one or the other appears here in my blog.

On the left you can see two cameras, which probably belong onto this list of best-selling SLR's. The first is Cosina CT-1, produced in many versions and sold under many names. Therefore the true production number of this "series" is not really assessible.

The second is Minolta's Maxxum 7000 AF, the top seller AF-SLR from the late 80ies. Still, I could not find any production number for it yet. I will keep trying, stay tuned...


2018-03-01

Praktica PL electronic


Vor genau 50 Jahren, im März 1968 begann die Produktion dieses unscheinbaren Meilensteins des Kamerabaus. Von außen sieht die PL electronic fast genauso aus wie ihre Schwester PL Nova I, im Boden versteckt sich die Innovation: Der erste elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss in einer kommerziellen Kamera, bestehend aus einem Elektromagneten als Sperrklinke für den zweiten Verschlussvorhang, einer Platine als variable Verzögerungsschaltung (adieu Räderhemmwerk) und natürlich der dafür unverzichtbaren Batterie.
Die Ingenieure vom VEB Pentacon in Dresden (namentlich Hubertus Reimann, Siegfried Müller und Fritz Lindner) waren mit ihrer Erfindung (Patent DD44166) schneller am Markt als ihre westdeutschen Konkurrenten von Zeiss Ikon mit der Contarex SE "electronic". Diese wird oft als die weltweit erste bezeichnet, wurde schon für 1967 angekündigt, war aber erst ab Herbst 1968 erhältlich. Auch in Japan arbeitete man zu der Zeit wohl schon an dem Thema, als erste Kamera dort mit einem solchen Verschluss kann wohl die Yashica TL electro X von 1969 gelten.
Schaltplan der Elektronik aus dem Patent DD44166. Die
realisierte Schaltung der Kamera ist einfacher (kein 
Photowiderstand, nur 2 Transistoren).
Man sollte allerdings erwähnen, dass das Thema irgendwo in der Luft lag. Die Entwicklung der Elektronik machte überall Riesenfortschritte, die entsprechenden Bauelemente (insbesondere Transistoren) waren endlich erhältlich. Ende der 1950er kamen die ersten Transistorradios auf den Markt, und die eigentliche Erfindung (DE1095107, das elektronische Hemmwerk) wurde schon 1956 von Paul Fahlenberg gemacht, der zu dieser Zeit für das Compur-Werk Friedrich Deckel in München arbeitete. Die Firma gehörte damals zum Zeiss Konzern, realisierte einen solchen Verschluss aber erstmal nicht, bzw. dann erst in der Contarex SE. Die Herren Reimann et al. haben sich vermutlich die eine oder andere Inspiration davon geholt, und ein paar Ausführungspatente in der DDR selbst angemeldet. VEB Pentacon war angeblich vergeblich mit Compur in Verhandlungen, hatte aber wegen der deutschen Teilung wenig Skrupel die Technik trotzdem zumindestens für den ostdeutschen Markt einzusetzen.
Beide oben erwähnten Patente deuten die Möglichkeit zur automatische Belichtungssteuerung  durch die Verwendung eines Photowiderstands an, später auch als Zeitautomatik realisiert. Allerdings besitzt die Praktica PL Electronic keinen Belichtungsmesser und man kann sie daher eher als Pilotstudie nur für den Verschluss betrachten. Mit dem Drehrad um die Rückspulkurbel wird lediglich der entsprechende Widerstand eingestellt, der die Oszillation zwischen Kondensator und Spule stärker oder schwächer dämpft. Allerdings ist der enorme Zeitenbereich von 30 bis zu 1/500 Sekunden bis dahin von keinem anderen (einzelnen) mechanischen Hemmwerk erzeugt worden. Auch dürfte die Genauigkeit der elektronisch gesteuerten Zeiten prinzipiell höher als die der mechanischen gebildeten gewesen sein.
Dennoch muss festgehalten werden, dass für den Fotografen diese Innovation erstmal keinen wirklichen Vorteil brachte. Mit einer PL electronic kann man bestenfalls genausogut oder schlecht fotografieren wie mit einer PL Nova. Im schlechten Fall ist allerdings die Batterie leer, was bei dieser Praktica hier wohl wegen des hohen Stromverbrauch recht schnell der Fall war. Daher wurde die Produktion nach nur ca. 3400 Exemplaren wieder eingestellt. Die elektronische Steuerung eines Verschlusses gab es von Pentacon erst wieder ab 1977 mit der Praktica EE2, einem Zeitautomaten.
Aber die Kameraindustrie war 1968 natürlich aufgewacht und erkannte den Wert der Erfindung recht schnell. Elektronische Verschlüsse sind viel simpler aufgebaut und billiger zu bauen als komplizierte Räderhemmwerke, dazu genauer und sie erlauben die einfache Integration in eine Belichtungsautomatik.  So verwundert es nicht, dass ab 1969 von fast jedem renomiertem Kamerahersteller "Elektronik"-Kameras auf den Markt gebracht wurden, die meisten hatten ein E im Namen (z.B. Pentax ES 1971,  Nikkormat EL 1972, Minolta XE 1974). Besonders die frühen elektronischen Kameras hatten nicht immer den besten Ruf und die Hersteller behielten zunächst ihre mechanischen Baureihen im Angebot. Canon war mit der AE1 1976 der erste, der konsequent auf Elektronik und moderne Produktionsverfahren setzte und damit den Markt aufrollte. Aber diese Geschichte kann man hier nachlesen.


Die Praktica PL electronic ist mit nur 3400 Stück ziemlich selten und als Meilenstein entsprechend bei Sammlern gefragt. Ich hatte Glück bei einer Auktion und mein Exemplar hat die außergewöhnliche Seriennummer 500005. Meine Vermutung ist, dass die Nummerierung des Modells bei 500001 startete, jedenfalls habe ich bisher keine Fotos mit Nummern unter dieser Zahl gesehen. Sie ist ansonsten sehr gut erhalten, keine Kratzer oder Beulen. Sie löst auch aus und läßt sich spannen, allerdings entweder bei B (mit eingelegter Batterie) oder (ohne Batterie) bei ihrer einzigen mechanischen Zeit (ca. 1/60s). Wie man an den Fotos sieht, hatte ich sie schon offen um die Elektronik zu fotografieren. Ob ich/man sowas reparieren kann...?

Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektronischem Verschluss
Objektiv M42 Schraubgewinde.
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s bis 1/500 s und B.
Belichtungsmessung keine.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch rotes Dreieck angezeigt.
Blitz Synchronbuchse, X und FP umschaltbar. Synchronzeit ca. 1/40 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Merkscheiben für Filmempfindlichkeit und Filmtyp, Trageösen, Okularbajonett für Zubehör.
Maße, Gewicht ca. 150x95x47 mm, 636g (mit Batterie)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1968-1969, ca. 3400 Exemplare, diese #500005 März 1968
Kaufpreis, Wert heute 900 Mark, ca. 200 € (eigene Schätzung)
Links Club Daguerre, Blende und Zeit Forum, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, ZeisikonVEB (Schaltung), Patent DD44166.

2018-02-11

Minolta SR-T 101

 
Sie stand schon länger auf meiner Wunschliste für die Sammlung: Minolta's legendäre SR-T 101. Eigentlich verfehlt sie mein wichtigstes Sammelkriterium, nämlich ein technisches Feature als erstes in den Markt eingeführt zu haben. Einige Web-Seiten behaupten, sie wäre die erste SLR gewesen, die TTL (Through The Lens) Belichtungsmessung bei Offenblende hatte, aber das stimmt nicht (das war die Topcon RE Super, gefolgt von der Nikkormat FT). Allerdings war sie bei ihrem Erscheinen 1966 diejenige SLR am Markt, die TTL-Messung am konsequentesten und praxistauglichsten umgesetzt hatte. 

Das betraf nicht nur das moderne SR-Bajonett (eingeführt schon 1958 mit der SR2), welches abwärtskompatibel um die MC (Meter Coupled) genannte problemlose Blendenübertragung ergänzt wurde, sondern auch die exzellent umgesetzte Anzeige der Nachführnadel und der Verschlusszeit im Sucher (siehe Bild unten). Dass die TTL-Messung durch die Verwendung von zwei asynchron ausgerichteten und in Serie geschalteten CdS-Zellen in der Lage war, große Kontraste zu erkennen und auszugleichen, musste Minolta speziell als CLC (Contrast Light Compensation) auf dem Prisma und im Prospekt bewerben. Wie gut das allerdings funktionierte und ob es wirklich solch ein Vorteil war, ließ sich für den Fotografen kaum nachprüfen.    

Auch mit ihrem (bis auf auswechselbare Sucher) nahezu vollständigem Set an (damals verfügbaren) Ausstattungsmerkmalen und Zuberhöroptionen war sie eine extrem attraktive Kamera und im Vergleich zu ihren Konkurrenten entsprechend erfolgreich. Von 1966 bis 1976 verkaufte Minolta von der SR-T 101 fast 2.5 Millionen Stück. Ab 1971 brachte man zur Differenzierung technisch auf- und auch abgewertete SR-T Modelle (für Details siehe z.B. hier), die in unterschiedlichen Märkten dann sogar unter unterschiedlichen Bezeichnungen verkauft wurden. Im Prinzip blieben alle aber der ursprünglichen 101 sehr ähnlich. Die gesamte Serie gehört mit über 3.6 Millionen Einheiten zu den erfolgreichsten SLR-Serien der mechanischen Ära. 

Man kann die SR-T 101 als echten Klassiker bezeichnen und damit passt sie auch wieder in meine Sammlung. Auch wenn Minolta nie im Profisegment wirklich stark war, hat diese Kamera die Konkurrenz im Amateurmarkt vor sich her getrieben: Beim Erscheinen 1966 hatte sie ihrer direkten Konkurrentin Pentax Spotmatic SP die TTL-Offenblendmessung und das moderne SR-MC Bajonett voraus. Pentax hatte die Offenblendmessung erst ab 1973 (SP F), ein modernes Bajonett erst ab 1975.
Eine besondere "Ehre" erfuhr die Minolta Technologie dann Anfang der 1970er,  als sie in China erfolgreich kopiert wurde:  Pearl River S-201 und die Seagull DF.

Datenblatt mechanische KB-SLR mit TTL Nachführmessung
Objektiv Minolta SR (MC) Bajonett, Standard: MC-Rokkor-PF 55 mm f/1.7 (6 Linsen in 5 Gruppen), hier mit MC-W.Rokkor-HG 35 mm f/2.8 (7 Linsen in 6 Gruppen)
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1s- 1/1000s und B.
Belichtungsmessung TTL bei Offenblende mit MC oder MD Objektiven, CLC (Contrast Light Compensation) durch 2 CdS-Zellen. An/Aus-Schalter in Bodenplatte
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikroprismenring als Scharfstellhilfe im Sucher
Sucher Spiegelreflex, Nachführnadelanzeige, Anzeige der eingestellten Verschlusszeit.
Blitz separate FP und X-Buchsen, Synchronzeit 1/60s.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk (vorwärtszählend)
sonst. Ausstattung Selbstauslöser (10s), Spiegelarretierung, Abblendtaste, ISO-Drahtauslöser, Stativgewinde, Zubehörschuh (kalt), aufsteckbares Sucherzubehör (optional)
Maße, Gewicht ca. 145x95x52 (93) mm, 711 (940) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie PX625 (1.35V Quecksilber)
Baujahr(e) 1966-1976, ca. 2.5 mio Exemplare, diese #1789755 ca. 1970
Kaufpreis, Wert heute 1970: 179.50DM (Gehäuse) + 125 DM (Objektiv),
ca. 50 €
Links Broschüre, Ernst Giger, Wikipedia , Artaphot, Rokkorfiles, Camera-Wiki, Camera Portrait, SLR-Tabelle, Minolta Objektive, Minolta produktionszahlen,

2018-01-28

Zenit E



Das ist sie: Die meist gebaute Spiegelreflexkamera der Welt. Mehr als 30 Jahre lang wurde sie von KMZ und später MMZ/Belomo in der Sovietunion produziert. Natürlich gab es kleinere Variationen während der Bauzeit, in den ersten zwei Jahren z.B. noch ein M39-Gewinde (sowie bei ihrer Großmutter Zenit S), erst ab 1967 kam das populäre M42. Es gab sie in Chrome oder wie hier in Schwarz, und viele verschiedene Schriftzüge zieren die Kameras, seien es kyrillische oder lateinische Buchstaben, oder gar andere Namen (für den Export). Trotzdem bleibt es im Prinzip dieselbe Kamera, von der am Ende über 8 Millionen Stück gebaut werden sollten. Zählt man ihre beiden sehr ähnlichen Schwestern Zenit EM (mit Springblende) und Zenit ET (leicht modernisierte EM) dazu kommt man sogar auf über 12 Millionen Einheiten. Das ist soviel, wie die gesamte deutsche Kameraindustrie (Ost plus West) zusammen an SLR's produziert hat.  

Die Kamera selbst hat nur das nötigste zum Fotografieren, das aber klappt zu 100%. Es gibt wohl kaum eine robustere Spiegelreflex (vielleicht würde ich meine Nikkormat noch in den Ring werfen). Der Verschluss basiert auch bei meinem Exemplar von 1975 auf dem Leica-Design aus den 1920ern, hat aber kein Langzeitwerk an Bord, d.h. für Belichtungen länger als 1/30 s muss man "B" bemühen. Der eingebaute Selenbelichtungsmesser ist ungekuppelt, funktioniert bei meinem Exemplar aber noch! Eine Springblende gibt es zunächst nicht (erst beim Modell EM), immerhin kehrt der Spiegel nach der Auslösung in seine normale Position zurück. Heute ist die Kamera bei Lomografen recht beliebt, gerade weil sie so archaisch ist. 

Gegen Devisen produzierte KMZ und MMZ die Kameras auch für westliche Distributoren, wo sie unter anderen folgende Namen hatte: Revueflex-E (Foto Quelle), Phokina, Phokina-XE, Delta 1, Kalimar SR200, Kalimar SR300, Prinzflex-500E, Cosmorex SE, Spiraflex, Meprozenit-E, Diramic-RF100.

Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven
Objektiv M42 Schraubgewinde (ohne Springblendensteuerung). Standardobjektiv: Industar-50-2 50 mm f/3.5 (Tessar-Typ, 4 Linsen in 3 Gruppen), oder Helios-44-2 58mm f/2 (=Zeiss Biotar, 6 Linsen in 4 Gruppen).
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 1/30-1/500 s und B, kein Langzeitwerk.
Belichtungsmessung eingebauter, ungekuppelter Selenbelichtungsmesser, 13-28 DIN, bzw. 16-500 GOST
Fokussierung Manuell am Objektiv, einfache Mattscheibe, keine weitere Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, keine weiteren Anzeigen.
Blitz Synchronbuchse, umschaltbar X und M. X-Synchronzeit 1/30 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspuldrehknopf (versenkbar).
sonst. Ausstattung Selbstauslöser, Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, aufsteckbarer Zubehörschuh.
Maße, Gewicht ca. 138x90x49 mm, 701 (769) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1965-1981, 3.334.540 Exemplare bei KMZ, diese 1975 (#75079674).
1976-1989, ca. 5 mio bei MMZ/Belomo. Siehe auch hier.
Kaufpreis, Wert heute 100 Rubel (1980), heute ca. 15 €.
Links KMZ bei Wikipedia, Bedienungsanleitung, Sovietcams, TomTiger, USSRphoto.com, Camera-Wiki

2018-01-11

Miranda F


Über Miranda habe ich im Rahmen meines SLR-Zählprojektes schon was geschrieben. Hier ist also endlich die Kamera dazu. Ich habe sie schon 2015 noch in den USA auf einem Kamera-Trödelmarkt für ca. 30 US$ gekauft, bin aber bisher nicht dazu gekommen sie hier vorzustellen. Miranda war ein hierzulande recht unbekannter japanischer Hersteller, zum einen weil es für Europa zunächst keinen offiziellen Importeur bzw. Distributor gab, und natürlich zum anderen weil sie schon 1976 (nach nur 20 Jahren im Geschäft) Konkurs gingen. In den 50er und 60er Jahren waren sie technologisch ein wichtiger Konkurent für Asahi Pentax und Nikon. Die Miranda T war 1955 die erste japanische SLR mit einem Pentaprisma.

Die Liste der Kameras ist trotz der nur 21 Jahre am Markt lang und fast jährlich gab es neue Modelle, die stets auf den älteren mehr oder weniger aufbauten. In diesem Sinne und auch von der Stellung im japanischen Markt war Miranda vielleicht vergleichbar mit der westdeutschen Wirgin (Edixa), auch sie waren mit ähnlicher Strategie nicht erfolgreich. Die Miranda F war das letzte mechanische Basismodell, bevor auch bei Miranda die Belichtungsmessung in die Kamera einzog.

Interessant finde ich das Miranda Bajonet, das über die Jahre weiterentwickelt wurde, aber rückwärtskompatibel blieb. Es handelt sich um ein symmetrisches, 4-klauiges Außenbajonett (ähnlich dem Vorbild Exakta) um ein 44 mm weites Schraubgewinde (Praktica) herum. Beides mit relativ großem Durchmesser und kleinem Auflagemaß von nur 41.5 mm (nur Konica hatte noch weniger), was zur Verwendung von Objektivadaptern geradezu einlud.

Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven und Wechselprisma
Objektiv Miranda Bajonet und alternatives M44 Schraubgewinde. Standard-Objektiv: Auto Miranda 50 mm f/1.9.
Verschluss mechanischer, horizontaler Tuchschlitzverschluss 1-1/1000 s und B.
Belichtungsmessung keine, optinaler Aufsteck-Belichtungsmesser erhältlich.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, keine weiteren Anzeigen. Auswechselbares Sucherprisma (optinales Zubehör).
Blitz Synchronbuchsen für X und FP. X-Synchronzeit ca. 1/40 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung Abblendtaste, Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Merkscheibe für Filmempfindlichkeit, Trageösen.
Maße, Gewicht ca. 145x93x43 mm, 645 (837) g (ohne/mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1963-1967, ca. 25000 Exemplare, diese #673429 ca. 1963
Kaufpreis, Wert heute (?), ca. 100 € (eigene Schätzung)
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, Pentax-SLR.com, Mirandacamera.com, Camera Portraits, Camera-Wiki

2018-01-09

Minox 35 GT


Eine Minox 35 gehört natürlich in jede ernsthafte Kamerasammlung. Insbesondere natürlich meine, da ich bisher ein starkes Interesse an Halbformat und anderen kleinen Kameras gezeigt habe. Die Minox hatte den Titel "kleinste kommerzielle Kamera für den Kleinbildfilm" (135er mit 24x36 Bildformat) von 1974 bis 1996 inne. Sie hatte diesen der Rollei 35 abgenommen und musste sich 1996 der Minolta TC-1 geschlagen geben.

Minox landete mit der 35er Serie einen echten Coup und verkaufte mit am Ende fast 2 Millionen Exemplaren viel mehr als man sich wohl erhofft hatte. Im Prinzip handelt es sich bei allen Modellen um das selbe Grunddesign immer wieder kleinere Ergänzungen und Modifikationen erfuhr. Das Modell GT hier war stückzahlmäßig das erfolgreichste, und unterscheidet sich nur durch den zusätzliche Gegenlichtschalter ("G") und den Timer ("T") vom ersten Model (EL). 

Sie ist ja nicht wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin auf dem Thron der kleinsten Kleinbild-Kamera (Rollei 35), aber sie ist insbesondere wegen der Belichtungsautomatik und der klassichen Anordnung der Bedienelemente deutlich praktischer. Damit war sie für den Fotolaien attraktiv, viele Frauen hatten sie einfach so in der Handtasche dabei. Ähnliches kann man übrigends über ihre größte Konkurrentin Olympus XA auch sagen. Der Erfolg erzeugt auch Nachahmer und Neider: sie wurde mehr oder weniger gut kopiert von Ricoh (FF1), Kiev (35A), Balda und auch in China.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera (1974-1995)
Objektiv Color-Minotar 35 mm f/2.8
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, Zeitautomatik (8'' - 1/500 s). Gegenlichtschalter (2x), keine manuelle Zeiten.
Belichtungsmessung CdS, am Objektiv (kein TTL). 25-800 ASA
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher optischer Sucher mit Bildrahmen und angezeigter Verschlusszeit
Blitz Blitzschuh, X-Synchronzeit ca. 1/125 s wird automatisch beim Einschieben eines Elektronenblitzes aktiviert.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel,
sonst. Ausstattung Drahtauslöseranschluss, Stativgewinde, elektronischer Selbstauslöser (T), Gehäuse aus Glasfaser-verstärktem Makrolon.
Maße, Gewicht ca. 100x61x31 mm, 190 g 
Batterie PX 27 (oder ggf. 4 x LR44 bzw.  2 x CR1-3N Lithium)
Baujahr(e) GT: 1981-1991 (652.891 Exemplare), diese hier #5022682 von 1981.
Die gesamte Serie: 1974-2002, 1.95 mio Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM, ca. 40€
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, G. Steinbach, Subminiature Cameras, Peter Lausch, Camera-Wiki